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 Stay with me

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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 5 Okt 2015 - 19:44

Im Badezimmer angekommen und kaum hatte er die Tür verbarrikadiert, schlang der ältere Bruder sobald wie es ging einen Arm eng um sich und presste eine Hand vor den Mund, um jegliche Geräusche im Keim zu ersticken, während er die Augen schloss, einen Moment wartete und schließlich, als er die Tür zuschlagen hörte, sank er auf die dunklen, stilvollen, kalten Fliesen des Badezimmers zusammen. Er war so angeekelt von sich selbst wie selten zuvor, vermutlich so sehr wie nie zuvor, denn er war sich bewusst, dass er im Begriff war, ohne weiteres Zögern die Leben von so vielen Personen, die er kannte und die ihm am Herzen lagen, zu verschlimmern... vielleicht sollte er auch einfach losgehen und sich irgendwo eine dickere Haut zulegen, einfach, um so weiter machen zu können wie bisher. Stark und seinem Bruder fern zu bleiben aber es war einfach so schwer und tat so weh. Er war sich ja nicht mal sicher, ob er es noch länger durchhalten könnte, wenn es das Versprechen geben würde, dass es in einem weiteren Jahr oder einem längeren Zeitintervall endlich besser werden würde, denn allein der Gedanke daran, jetzt zu ihm zu gehen und ihn zu küssen, wovon er im Übrigen häufiger nebst anderen Sachen träumte, erfüllte ihn mit so viel falschem, trügerischen Pseudoglück, dass die Aussicht, das nie mehr haben zu können, ihn in einen Abgrund riss, aus dem er sich wohl nie wieder würde retten können.
Die Wandkacheln der Dusche betrachtend ohne sie wirklich zu sehen stand er eine ganze Weile unter dem heißen, fließenden Wasser und ließ sich die Welt durch den Kopf gehen, so lange, bis seine Finger ganz schrumplig von dem ständigen Wasser waren, ehe er irgendwann vollkommen ruhig wurde, weil er die Entscheidung gefällt hatte. Das Wasser wurde abgestellt, er trocknete sich notdürftig ab, schlüpfte in frische Klamotten und polterte die hellhörige Treppe herunter, durchforstete einige Zimmer und fand seinen Bruder schließlich im Wohnzimmer auf der Couch, gut versteckt in einem Kokon aus Decken und Kissen. Ohne wirklich auf Ordnung zu achten, befreite er ihn daraus, ließ sich mehr oder weniger neben ihn sinken und schloss Raphael so fest in die Arme, dass er sich dem Griff vermutlich nicht mal hätte entwinden können, wenn er dies gewollt hätte. Beinahe schon pathologisch ging es ihm auf einmal so viel besser, als würde sein Gehirn mit voller Absicht bei so viel Körperkontakt sofort mal eben die Familien-Jahresvorrats-Packung an Glückshormonen freisetzen, es tat beinahe schon weh, so toll fühlte es sich an und eigentlich wollte er nur Lächeln und mit ihm reden, das Erste, was ihm in dem Moment allerdings über die Lippen kam, war eine kurze, ungelungene Mischung aus Schluchzen und Lachen.

„Ich kann nicht das Richtige tun, wenn es heißt, dass du mich hasst. Es tut mir so leid, Raphael.“
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 5 Okt 2015 - 21:17

„Ich liebe dich“- die Worte standen mit einem Mal in der Stille des Raumes und man konnte beinahe spüren, wie Raphael den Atem augenblicklich anhielt, während sein Blick unruhig zu Cathy hinüber wanderte. Ein leiser Anflug von Panik spiegelte sich darin und die junge Frau, deren Lachen gerade eben noch fröhlich verklungen war, wurde von einer Sekunde auf die andere wieder ernst. Vorsichtig tastete sie nach seiner Hand, als wollte sie sich vergewissern, dass er überhaupt noch da war und gewissermaßen stimmte dieser Vergleich sogar, nur war weniger die physische Anwesenheit als seine mentale Verfassung damit gemeint – noch immer, selbst nach über zwei Jahren neigte er dazu weg zu driften, sich in seinem Gedankenpalast zu verkriechen und sich dort in ein dunkles, kaltes Verlies zu verschanzen, wo er in Ruhe über den Sinn und Unsinn des Lebens brüten konnte.
Doch was den Sinn betraf, so hatte er ihn bereits vor langer Zeit verloren und zurück blieb nur er und Cat – der Unsinn seines Lebens, das Beste was ihm hatte passieren können, oder nicht?
„Oh Gott, es tut mir so leid Raphael, es ist mir so hinaus gerutscht und…“ – „Nein, nein, ist schon okay“, beruhigte er sie, rückte ein wenig näher an sie heran und drückte die Hand in seiner leicht, als Zeichen seiner Zuneigung oder was auch immer das zwischen ihnen war. Es fühlte sich richtig an, nicht perfekt, aber besser als er sich jemals hätte erhoffen können.
„Ich liebe dich auch“, wisperte er, als könnten die Worte ihn jeden Moment anspringen und der Lüge bezichtigen – doch nichts dergleichen geschah und Catherine war feinfühlig genug den Moment nicht zu zerstören, ehe sie sich vorsichtig zu ihm hinüber beugte und ihm sanft aber glücklich einen Kuss auf die Wange gab.


Er würde so gerne vor alldem fliehen können, einschlafen und nie wieder aufwachen, um einfach nur bis ans Ende seines Lebens von Dorian träumen zu können, ohne dass irgendjemand ihn dafür verurteilen würde. Doch das ging nicht und selbst an Schlaf war im Moment nicht im geringsten zu denken, viel zu tief saß die Unruhe und die Spannung, ausgelöst allein durch die Anwesenheit seines Bruders, in Raphaels Knochen – diese unbegreifliche Distanz schmerzte ihn mehr als alles andere und für einige bittersüße Momente kehrten all die Pläne zurück, die nichtigen Ideen, welche er bereits mehr als einmal verworfen hatte. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, wäre es vielleicht das Richtige oder zumindest halbwegs effektive Schadensbegrenzung sich von Catherine zu trennen, doch sie hatte dieses Los am allerwenigsten verdient, nicht jetzt, nicht so, nicht mehr und irgendwo im Grunde seines Herzens wohnte dieses selbstsüchtige Geschöpf, dass sie beide liebte, beide lieben wollte – sowohl seine Frau, als auch seinen Bruder. Er war sich selbst zuwider.
Doch viel Zeit blieb ihm nicht mehr, ehe er auch schon hörte wie erneut Türen geöffnet und geschlossen wurden und die Schritte seines Zwillings sich leise in Richtung Wohnzimmer bewegten – kurz fackelte er noch, aber es war bereits zu spät zum Flüchten und als Dorian sich zu seiner Überraschung schließlich neben ihn setzte, ließ er es wehrlos geschehen. Und auch gegen seine Bemühungen ihn aus den Decken zu schälen, unternahm nichts und wartete ab – ganz oder gar nicht hatte er beschlossen und den Versuch gewagt sich mit einem gar nicht abzufinden. War dies nun vielleicht der erste Schritt in Richtung eines Ganzen?
Denn so fühlte es sich an, als schützende Arme sich um seinen Körper schlossen und er ganz von selbst  den Kopf auf die Schulter seines Bruders sinken ließ. Dort gehörte er schließlich hin und sie beide gehörten zusammen und verdammt, warum musste es immer so schwer sein?
„Ich hasse es das Richtige zu tun“, hörte er sich selbst halblaut Dorians Worte korrigieren und unterdrückte tapfer den Drang ihn einfach nur noch zu küssen, zu halten und zu beten, dass der letzte Morgen dieses Urlaubs niemals kommen möge. Aber noch war nichts geklärt, noch wusste er nicht einmal, was all das auf einmal bedeuten sollte – klar war nur, dass ihn bereits diese simple Geste mit mehr Glück erfüllte, als ein einzelner Mensch jemals würde ertragen können.
Als würde sein Zwilling ihm direkt und ungefiltert Unmengen positiver Energie spenden, weshalb er sich umso mehr dafür verachtete die nächste Frage tatsächlich auszusprechen.
„Was machen wir jetzt nur?“, murmelte er kopfschüttelnd, in seinem Unterton der leise Klang von Verzweiflung – gab es überhaupt noch ein zurück?
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 6 Okt 2015 - 12:22

„Ich weiß es nicht.“, Dorian wollte seinen Bruder nicht belügen; er hatte einfach keine Ahnung, was als nächstes kommen würde.
„Kann dir das hier nicht irgendwie reichen?“
Er kannte die Antwort bereits, selbst wenn sich sein kleiner Bruder jetzt zu einer Notlüge durchringen würde, war ihm doch bewusst, dass das hier niemals genug für sie beide sein würde. Und das machte ihn so wütend und ließ ihn sich so machtlos fühlen, dass er am liebsten aus Verzweiflung und Wut über sie beide geweint hätte.
„Ich hab Catherine geküsst.“
Er löste sich von seinem Bruder und zog sich auf seinen Teil des Sofas zurück von wo aus er dem perplexen Blick seines Bruders stand hielt, allerdings natürlich nicht ohne selbst entschuldigend drein zu blicken. Ja, ihm war auch klar, dass es nicht von ihm ausgegangen war und eigentlich nicht er Catherine sondern Catherine ihn geküsst hatte, sie beide betrunken gewesen waren, aber trotzdem. Er gab sich zurecht eine Mitschuld. Er hätte sie nicht besuchen, sich nicht mit ihr betrinken und erst recht den Kuss nicht erwidern dürfen und er hatte all das getan. Trotzdem wollte er nicht, dass Raphael das nicht wusste und somit erzählte er ihm erst einmal alles haarklein, was zwischen der Frau seines Bruders und ihm gelaufen war. Auch abgesehen von dem letzten Treffen. Er sollte alles wissen. Vielleicht würde er ihn ja dann verachten und den Abstand zu ihm suchen. Insgeheim wünschte sich Dorian, dass ihm sein Bruder diese Entscheidung abnehmen könnte und er wollte ihn irgendwie regelrecht dazu drängen, sie für sie beide zu fällen. Die Entscheidung selbst allerdings wollte er weiterhin nicht selbst fällen und mittlerweile war ihm durchaus bewusst, wie das hier enden würde, wenn sein Bruder ihm gleich eröffnen würde, dass ihm all das egal sei, ihn wieder zu sich zog und küssen würde. Dann wären sie wieder beim Status Quo wie vor der Hochzeit, nichts hätte sich geändert und alles würde wieder von vorn beginnen. So als ob man eine Gefängnisstrafe abgesessen hätte, raus kam, nochmal dasselbe Verbrechen begann und sich im Anschluss dem Vollzug auslieferte. Man wollte es irgendwie als unvernünftig bezeichnen und doch war es nicht realitätsfern...
„Sie hat sich solche Sorgen um dich gemacht, wir haben ein paar Mal telefoniert und uns getroffen. Sie weiß genau, dass es daran liegt, dass wir uns nicht sehen und hat gemerkt, dass es dir schlecht damit geht, sie wollte mich dauernd überreden, wieder mehr Zeit mit dir zu verbringen und ich konnte ihr nicht mal erklären, wieso das nicht geht, sie hatte natürlich kein Verständnis dafür, was man ja auch nachvollziehen kann, und hat mich dann aber auch nicht weiter gedrängt. Ich hab ihr gesagt, dass es das Beste für uns alle ist, wenn du und ich uns nicht mehr sehen. Naja, wie es aussieht, ist sie da anderer Meinung. Ich nehm ihr das mit der Geschäftsreise nicht so ganz ab, wenn ich ehrlich bin.“
Aber er war trotzdem eingesprungen. Natürlich war er trotzdem eingesprungen.
„Sag doch was, bitte.“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 6 Okt 2015 - 13:41

Doch Raphael sagte nichts, er lachte. Ein leises, verzweifeltes Lachen brach langsam aus ihm hervor, atemlos wie nach einem lagen Lauf – die Informationen waren wie ein Sturm über ihn hinweg gefegt, hatten ihn sprachlos vor Schock zurück gelassen. Wie es schien konnte er weder Cat noch Dorian trauen, hatten sie sich doch hinter seinem Rücken verbündet und geküsst … geküsst, oh wenn es auch nur einen einzigen Gott gab, so war dessen Sinn für Humor von einer vernichtenden Bitterkeit, nur wen würde das noch wundern, bei all dem Leid, welches man auf dieser Welt bewundern konnte? Freilich gab es Leute, denen es schlimmer erging als ihnen beiden, sie wiederrum hatten wahrlich Glück, wenngleich auch keinen Grund um glücklich zu sein – verkorkst und kaputt und gefangen in ihren kleinen Köpfen, kleinen Herzen, die nur das eine wollten. Einander.
Nein, wie konnte er diesen wundervollen Menschen verübeln, dass sie in Zeiten der Not zueinander gefunden hatten? Im Gegenteil, allein der Gedanke, dass sein Bruder im Haus gewesen sein musste, sogar auf derselben Couch gesessen hatte, wie Raphael selbst später am Abend, wenn seine Frau und er sich schließlich bei Tee oder Wein, die ein oder andere Serie angesehen hatten, allein schon dieser winzige Hinweis auf Nähe war unheimlich tröstlich.
Und als sein Lachen schließlich verklang, saßen sie wieder da, ebenso ratlos wie zuvor.
„Oh Gott, Dorian – ja und? Ich habe sie auch geküsst und sie ist wundervoll und so tröstlich und ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, sollte sie es jemals herausfinden“, nachdenklich legte er den Kopf auf die angezogenen Knie und ein Stirnrunzeln, wanderte stumm über seine Züge. Es war so unsagbar schwer, das ganze Chaos in seinem Kopf in verständliche Worte zu fassen.
„Sie darf es nicht wissen, du hast Recht – es würde sie zerstören, ihre gesamte Welt … wir dürfen das nicht, sie ist so ein guter Mensch, so unheimlich gut und scheiße, natürlich hat sie das alles für uns getan – okay, sie ist gerade wirklich in Canada, ja? Aber ich glaube nicht, dass man so einen Flug nicht mehr canceln kann, sie wollte es nur nicht und ich, keine Ahnung was ich wollte – vermutlich beides nicht, weil ich dich viel zu sehr vermisst habe und jetzt hier zu landen…“, er zuckte mit den Schultern, als wären hierfür schlicht keine Beschreibungen mehr vorhanden. Und es brauchte sie schließlich auch nicht, sie beide wussten, was es bedeutete hier zu sein, mit züchtigem Abstand auf dieser Couch zu sitzen und das Richtige zu tun.
„Cathy ist unbeschreiblich gut und ich liebe sie und es tut mir leid, es zu sagen, weil ich weiß, wie sehr es dir weh tut, aber du musst es wissen, weil … scheiße, Dorian, weil ich verdammt nochmal jedes Mal wenn ich dich sehe oder allein schon an dich denke, drauf und dran bin es zu vergessen und ich diese ganzen unsinnigen, aber wahren Worte selbst nicht mehr verstehe und es auch gar nicht mehr möchte, weil du und nur du und nichts anderes, das einzige ist was ich gerade will.
Und nein Bruderherz, mir reicht es nicht Händchen zu halten und heile Welt zu spielen, wenn wir hier oben mutterseelenallein sind und zwei beschissen lange Wochen vor uns haben, die ich gerade am liebsten damit beginnen möchte auf deinen Schoß zu klettern und dich zu küssen, bis auch du diesen ganzen vernünftigen Mist endlich wieder vergessen hast!“, er zitterte von der Heftigkeit seiner Stimme, welche mit jeder Sekunde lauter, energischer und wütender geworden war und nun in der Stille des Raumen verhallte. Und er selbst sank in sich zusammen, verloren und zu klein für diese Welt und große Worte. „Können wir bitte, bitte aufhören das Richtige zu tun, die Scherben später wegfegen und fürs erste vergessen?“
Denn es würde Scherben geben, sie würden eine Spur der Zerstörung zurücklassen, all das aufgebaute Leben um sich herum würde zusammenbrechen und sie mit ihm, doch egal – Dorian, war das einzige was für Raphael jetzt noch zählte.
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 6 Okt 2015 - 18:49

Sein Lachen hatte auf eine schmerzhafte Weise etwas Befreiendes. Nunja, für den Älteren der beiden Zwillinge war das zunächst ein sicheres Zeichen dafür, dass sein Bruder zunächst mit Unglaube und daraufhin sicher mit Wut auf seine Aussage reagieren würde, also ganz normal nach Plan. Berechenbar. Das hier ging kontrolliert in die richtige Richtung. Er hatte seine Fehler gebeichtet, jetzt würde er die Quittung bekommen und alles wäre im Reinen, sie waren ehrlich zueinander und taten das Richtige, was darin bestand, dass sie sich wie normale Geschwister verhielten. Doch natürlich machte ihm das Schicksal wie so oft einen fetten Strich durch die Rechnung, denn gleich nach dem leicht hysterisch angehauchten, freudlosem Lachen seines Bruders folgte die Versicherung, dass es ihm gleichgültig war und das setzte der Sache nun wirklich die Krone auf.
„Das kann unmöglich dein Ernst sein...“
Besorgt und fest davon überzeugt, dass Raphael soeben durchgedreht war, hatte er grade vorsichtig seine Hand auf seine Schulter legen wollen, ließ es dann allerdings doch sein, denn wenig später ging das Trauerspiel weiter. Am liebsten hätte er ihn zum Schweigen gebracht. Nicht im übertragenden Sinne natürlich aber es fiel ihm sehr schwer, mit anzusehen, wie sein Bruder mit größter Sorgfalt die richtigen Worte wählte, die gleichzeitig das verdeutlichten, was gesagt werden musste und ihn im Gegenzug Stück für Stück zerfraßen.
Und dann gab er ihnen beiden wirklich den Rest. Ehrlich. Und nachdem er fertig war, hatte Dorian das sichere Gefühl, nie mehr einen Atemzug nehmen zu können. Er fühlte sich so zum Zerreißen gespannt zwischen dem, was er unbedingt brauchte, wenn er bei Verstand bleiben und weiterleben wollte und der unausgesprochenen Tatsache, dass sie einander das Leben zerstören würden, wenn sie es sich jetzt gegenseitig mit Sinn erfüllten.
„Raphael...“
Sein Kopf fiel nach hinten auf die Lehne und er starrte zur Decke, während seine Finger sich in die eigenen Haare krallten und er krampfhaft versuchte, bei Verstand zu bleiben, statt sich der Versuchung zu ergeben, die sein Bruder ihm grade in Aussicht gestellt hatte. Warum arbeitete er so gegen ihn? Wie konnte er es so lebhaft ausmalen?! Warum konnte er nicht still sein oder sich ebenfalls bemühen, vernünftig zu argumentieren, stattdessen fiel ihm nichts besseres ein, als ihn mit aller Kraft dazu zu verleiten, Catherine zu betrügen!
„Du bist so ein verdammter Scheißkerl, weißt du das?! Wie kannst du zulassen, dass ich dir dein Leben kaputtmache? Ich will das nicht mal und hasse mich dafür! Was habe ich denn schon zu verlieren, Raphael? Mein Leben ist sinnlos, gebe es dich nicht, ich... wäre es dir egal, ob ich... Dann hätte ich schon... Scheiße! Du bist verheiratet, du hast ihr versprochen, dass du sie und nur sie lieben und ehren wirst für den Rest deines Lebens. Du Lügner, wie kannst du nur so eiskalt sein?! Und kannst du nicht begreifen, dass es mich umso mehr verletzt, dir das alles wegzunehmen, weil du mir andererseits nichts wegnehmen kannst? Wenn es wenigstens fair wäre. Aber ich hab ja nichts von Bedeutung, ich hab gar nichts, ich hab nur dich! Nur dich, Raphael, weißt du, wie sinnlos mir meine eigene Existenz vorkommt? Du bist mein Leben! Verstehst du das nicht? Kannst du nicht einfach glücklich mit ihr werden? Das ist grausam, Raphael, du bist sonst nie grausam, es ist einfach nicht fair.“
Seine Stimme klang heiser aus und schrumpfte auf ton- und kraftloses Gemurmel zusammen.
„Ich wünschte, du würdest mich genug lieben, um einmal einfach nur egoistisch zu sein. Dann würdest du mich vergessen und glücklich mit ihr werden. Weißt du was? Ich wünschte, ich wäre damals im Krankenhaus bei unserer Geburt gestorben. Dad hat es mir mal erzählt, wir sind Frühchen gewesen und mein Herz war schon im Mutterleib viel zu schwach gewesen. Nach der Geburt ist es in der ersten Nacht drei Mal stehen geblieben, man hat mich mit Medikamenten zugepumt und ständig überwacht, irgendwann ist eine Krankenschwester auf die Idee gekommen, dass man uns in denselben Brutkasten legen sollte und ab da hab ich mich völlig normal entwickelt... Wahnsinn, wie man jemanden so sehr hassen kann, wie ich diese Frau. Ich wünschte, ich wäre damals gestorben, bevor wir uns richtig kennen gelernt hätten. Dann müsste das hier niemand aushalten. Warum muss ich dich nur so entsetzlich brauchen?“
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 6 Okt 2015 - 19:48

Es schien als wäre jedes einzelne Wort Dorians ein Schuss, ohrenbetäubend und abgefeuert direkt auf Raphaels bereits blutendes Herz – er konnte kaum ertragen auch nur eine Sekunde länger zuzuhören und doch hielt er still, wie ein geschlagener Hund, darauf hoffend, dass die Qual endlich ein Ende finden würde. Ein nichtiger Wunsch, wie ihm nun klar wurde, waren sie doch beide gefangen in einem Teufelskreis, dem zu entfliehen eine einzige Unmöglichkeit darstellte. Es gab keinen Weg zum Glück, weder mit noch ohne einander, für keinen von ihnen, niemals – demnach jedoch, machte es auch keinen Unterschied mehr. Und selbst wenn das letzte was ihnen blieb einen Todesstoß für ihr bisheriges Leben bedeutete, so würde er das Urteil freudig in Empfang nehmen, um seinem Bruder wieder nahe zu sein. Ganz nahe. „Ich brauche dich doch auch“ – wie stellte Dorian es sich nur vor, dass er ohne ihn würde jemals glücklich werden können, wenn sein Bruder doch das einzige war, nach was er jemals verlangt hatte. Und Catherine wiederrum brauchte ihn, liebte ihn und würde niemals genug sein – ihr Versprechen eine einseitige Lüge, doch eine Lüge an die er sich ebenso klammern würde, wie an das Band zu seinem Zwilling. Ja, er würde egoistisch sein, denn er brauchte sie beide.
„Nur weil es einmal geklappt hat, weil ich die Trennung von dir einmal überlebt habe, funktioniert es jetzt jedes beschissene Mal mich wieder in die Arme einer wundervollen Frau zu schubsten, die ich mit nichts in meinem armseligen Leben auch nur annährend verdient hat und ich bin gewillt dich zu vergessen? Gott, Dorian, was denkst du eigentlich wer du bist? Mein Spielzeug, mein Betthäschen, meine Affäre für langweilige Tage, ein kleiner Spaß?“, er hörte selbst wie hysterisch er klang, doch es war ihm egal, ebenso wie der warnende Blick seines Bruders, den er gekonnt ignorierte, nun da er tatsächlich den letzten Schritt tat und sich aufrappelte um den Abstand zwischen ihnen beiden zu verringern. Eine Geste hinter der viel mehr als bloße Liebe oder Zuneigung steckte, viel mehr der rebellische, verzweifelte Versuch, ihm etwas beweisen zu müssen – beweisen, dass ein Leben ohne Dorian für ihn längst nicht mehr in Frage kam. Nie wieder. Nicht, nachdem alles was er sich zu erhoffen gewagt hatte, bereits zum Greifen nahe schien.
„Wag es ja nicht auch nur daran zu denken deinem Leben ein Ende zu setzen und mich auch nur eine Sekunde auf dieser Welt alleine zu lassen - Flucht ist keine Option, der Captain flieht nicht vom sinkenden Schiff, Dorian Maynard und wenn schon … scheiße wenn wir schon untergehen, dann lass es uns verdammt nochmal genießen“, mittlerweile hatte er die Hand seines Zwillings unvermittelt ergriffen, hielt sie so fest, als würde er fürchten, er könne jeden Moment die Flucht ergreifen und spürte wie Knochen sich unter dem Druck verschoben. Identische Knochen, identische Hände, naja – fast. Wäre da nicht seine Narbe, welche seine Identität verräterisch preisgeben würde. Sein Fehler, ein Missgeschick, ebenso wie beinahe alles in seinem Leben, einschließlich des Augenblicks in dem er die letzten Zweifel über Bord fegte und sich rittlings auf den Schoß seines Bruders schob. Am liebsten wäre er in dessen Augen versunken, verschwunden, ertrunken. Eiskalt.
„Ich bin dein Leben und das wirst du nicht aufgeben, weil ich dich nicht lassen werde. Ich werde mich bis zum Ende an dich klammern, weil ich dich verdammt nochmal liebe und brauche und niemals glücklich werden kann“, und wie zum Beweis schloss er Dorians Gesicht in seine Hände, umfasste es voller Zärtlichkeit und kämpfte zeitgleich mit dem Drang es zu zerkratzen, die Fingernägel in diese weichen Wangen zu rammen, um ihm die Maske der Vernunft herunter reißen zu können und sehen was darunter lag. Er war so voller Wut und Verzweiflung und Liebe und Furcht – Furcht, vor dem nahenden Ende. Doch jetzt noch nicht, nur noch ein bisschen Zeit, nur ein winzig, kleines bisschen…
„Niemals, hörst du? Und deswegen bin ich grausam und kann dich hassen und lieben und die Welt da draußen vergessen, weil das hier, das einzige ist, was mir noch bleibt“ – und dann gab er auf, legte seine Lippen drängend auf die seines Zwillingsbruders, fordernd, sanft und unnachgiebig, während er seine Finger in dessen Haar vergrub und versuchte einfach zu vergessen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 7 Okt 2015 - 20:30

"Raphael..."
Die Bitte, es nicht zu tun, wurde wenig später von seinem Bruder erstickt, als dieser auf seinem Schoß Platz und sein Gesicht in seine Hände nahm, woraufhin er ihn nur ansehen konnte, wie ein hypnotisiertes Kaninchen die Schlange, während sein Bruder ihn mit so viel beherrschter Wut bearbeitete, dass er die Luft zwischen ihnen beinahe schon austrocknen und knistern spürte. Seine Worte tröpfelten wie ein giftiges Anästhetikum in seinen Kopf und betäubten seine Gedanken und verlangsamten seinen Verstand, bis er ihm nur noch benommen nickend in die Augen sehen konnte, als er ihn plötzlich küsste, was den Rausch irgendwie perfekt machte, weil das Einzige, was er nun empfand, pures, reines Glück war, während negative Gefühle jeglicher Art stumm zurücktraten und ihn für einen kurzen Moment genießen ließen, wieder bei seinem Bruder sein zu dürfen. Doch gegen Ende schmeckte er Kuss salzig-heiß und Dorians Augen waren gerötet, als er seinen Zwilling entschieden von sich weg schob, den Kopf zur Seite wandte und seinem Blick tunlichst auswich.
"Wie egal ist dir deine Frau grade, Raphael?", fragte er leise, aber gut verständlich, wenn auch mit sehr belegter Stimme, ehe er ihn von sich herunter schob, aufstand und ein bisschen Abstand zwischen sie brachte.
"Du kannst nicht von mir verlangen, dass ich hingehe und dein Leben zerstöre. Das ist zu viel, ich schaff das nicht, wieso verstehst du mich nicht? Ich kann es nicht mal eben für ein paar Tage vergessen und dann weitermachen, als wäre nie etwas passiert. Ich würde es gerne, dir zuliebe, aber so stark bin ich nicht. Von dir getrennt zu sein, bringt mich doch so schon um."
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 7 Okt 2015 - 21:53

Er konnte es kaum glauben. Gerade eben noch war das Glück in Form triumphierend warmer Ströme durch seine Adern geschossen, was ein Gefühl rasender Euphorie hervorgerufen hatte. Vermengt mit seiner Wut jedoch schuf es ein vernichtend loderndes Buschfeuer an Emotionen, die ihm nun in Form von Schamesröte die Wangen hinauf stiegen. Wie konnte Dorian ihn jetzt noch zurück weisen?
Raphael hatte ihm so eben nicht nur sein Herz, sondern auch sein gesamtes Leben vor die Füße geworfen, bereit alles aufzugeben und sein Bruder schob es einfach beiseite, wie eine Speise die man auf Grund einiger nichtiger Mängel in die Küche zurück schicken ließ. Nur, dass man diese Portion nicht mal eben in der Mikrowelle aufwärmen konnte – was bereits zerstört war, würde auch nach all den Jahren nicht mehr heilen und der Rest, den hatte er seinem Zwilling geschenkt, mitsamt all seiner bedingungslosen Liebe.
„Nicht egaler als der Rest der Welt“, knurrte er leise, die Finger fest in das Polster unter sich gekrallt und in seinen Augen lag ein ungehaltenes Funkeln, wie das Wetterleuchten vor einem Gewitter, die letzten Sekunden ehe der Sturm losbrechen würde. Doch nichts dergleichen geschah.
Stattdessen atmete er tief durch, spürte das Beben seines Brustkorbs, die Arbeit seiner lebendigen Lungen und fühlte sich dennoch so unsagbar leer. Wohin war all die Hoffnung nur verschwunden?
Egal. Egal, egal, egal. Egal war das einzige, was blieb und schließlich sprang er auf, kam wieder auf die Beine und trat ohne seinen Bruder auch nur anzusehen zur Garderobe hinüber, um nach seiner Jacke zu angeln. Egal.
„Komm Dorian, lass gut sein und wir gehen essen, ich glaub ich hab Hunger“ – und dann würden sie sich als ach so gute Brüder einen Tisch teilen, sein Blick würde züchtig auf die Tischplatte oder Speisekarte gerichtet sein und nicht ein einziges seiner Worte würde mehr den Versuch enthalten seinen Zwilling dazu zu verleiten, sein Leben zu zerstören. Wozu auch? Es war immerhin bereits mehr als hinüber – kunstvoll skurril zugerichtet, wie ein zugleich widerliches und doch anziehendes Ausstellungsstück. Und die Leute würden vorüber gehen, es sehen und doch nichts begreifen.
„Schau nicht so, na los, komm!“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 7 Okt 2015 - 22:16

Ungläubig richtete er den Blick auf seinen plötzlich einlenkenden Bruder, der ihm auf einmal so fremd vorkam. Fühlte es sich so an, weil Raphael ihn jetzt hasste? Es war ein Gefühl, als wäre ein sehr wichtiger Teil von ihm plötzlich nicht mehr da und er würde es lediglich deswegen nicht merken, weil er unter Schock stand. Das alles änderte nichts daran, dass er wohl in nächster Zeit verbluten oder an Organversagen sterben würde.
Wie in Trance folgte er ihm, sie gingen, ohne ein weiteres Wort miteinander zu wechseln in das Dorf, suchten sich das erstbeste Restaurant und aßen dort etwas. Er konnte im Nachhinein nicht mal mehr sagen, was es gewesen war und das war ihm auch egal, wenn er ehrlich war. Er hatte keinen Appetit und keinen wirklichen Antrieb, seinem Körper irgendetwas zuzuführen außer vielleicht den einen oder anderen Drink, dann könnte er wenigstens vergessen und schlafen. Es war ohnehin ein kleines Wunder, dass er noch immer nicht drogen- oder alkoholabhängig war.
Sobald sie wieder zurück in die Hütte gelaufen waren und die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war, griff der ältere Bruder nach dem Arm des jüngeren. Er hatte etwas sagen wollen, doch in dem Moment erkannte er, dass nichts, was er sagen könnte, sie weiter bringen würde, weswegen er ihn dann auch für eine Weile einfach nur ansah und schließlich in eine Umarmung zog.
"Ich kann nicht mehr und ich wills auch nicht mehr. Ich bin so müde.", seufzte er, schloss die Augen und verkrampfte seine Finger in den Stoff des Oberteils seines Bruders.
"Ich will nicht, dass du mich hasst."
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 7 Okt 2015 - 22:41

Die Idee essen zu gehen, war weder gut noch schlecht gewesen. Ebenso wie das Essen selbst und der Weg zurück zur Hütte war es einfach nur egal. Wie eine nervige Pflichtveranstaltung, brachte Raphael all das hinter sich, schaffte es wie durch ein Wunder über jedes noch so kleine Zeichen der Nähe von Seitens seines Bruders hinweg zu sehen und sehnte sich schließlich einfach nur noch nach dem Vergessen, welches der Schlaf mit sich bringen würde. In seinen Träumen konnte er sich ungestraft nach Dorian verzehren und sich selbst in eine Welt flüchten, die mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hatte, außer sie beide – doch zusammen, so wie es sein sollte und wie es schon immer gewesen war.
Und gerade wollte er in Richtung Schlafzimmer verschwinden, als er überraschenderweise zurück gehalten wurde und sich keine Sekunde später in einer heftigen Umarmung wiederfand.
Er wehrte sich nicht, ließ es einfach über sich ergehen und registrierte am Rande seiner Gedanken wie gut diese plötzliche Nähe doch tat – derselbe Effekt wie im Brutkasten? Vielleicht. Vielleicht hatte er sie beide nie verlassen.
Die Zeiten da sie es zugelassen hätten, lagen allem Anschein nach jedoch hinter ihnen und was gab es schon zu sagen?
„Ich hasse dich nicht“, widersprach er automatisch, schwieg und wartete ab, wie eine leblose Puppe. Es gab nichts mehr zu geben, nichts mehr zu verlieren, gar nichts.
Nimm mich, wenn du mich noch willst. Oder vergiss mich, wenn es das leichter macht. Schlaf ein und lass mich, wenn du müde bist. Nur bitte, bitte lass mich nicht verdursten, während das Wasser doch zum Greifen nahe ist. Ich kann uns nicht mehr retten, also gib auf. Gib doch endlich auf, Bruderherz…
So viele Worte, doch Raphael wählte die Stille und harrte schweigend aus.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 11 Okt 2015 - 23:12

Dorian hörte jedes unausgesprochene Wort zwischen ihnen in einer Deutlichkeit, die erschreckend der glich, mit der sein Bruder ihm monoton vermittelte, ihn nicht zu hassen. Aber was hätte er in der Situation auch sagen sollen?
"Es ist wie damals. An deiner Hochzeit. Wäre ich da nicht schwach geworden, wäre jetzt alles so viel einfacher. Aber ich kann dir nicht nur ein guter Bruder sein, ich will nicht nur dein Freund sein. Ich will dich ganz und nicht nur das, was Catherine von dir übrig lässt.", versuchte er verzweifelt, sich seinem Bruder zu erklären, ließ ihn los und lief, sich die Haare raufend, weiter den Flur entlang.
"Tut mir leid... aber alles, was ich mache ist falsch. Und alles was ich machen kann ebenso. Ich will dir doch nur nicht weh tun, aber da ist keine Möglichkeit, wie ich das realisieren kann. Klar, ich kann das hier weiter durchziehen und dich nur mit der Beißzange anfassen und mit dir essen gehen und mir überlegen, wo zu Hölle ich am besten schlafe... weißt du, dass ich seit neustem zum Schlafwandeln neige? Schließ besser ab, wenn du dich hinlegst... wie auch immer, aber das ganze führt nur dazu, dass es und beiden dauerhaft anhaltend scheiße geht, weil wir doch beide wissen, dass wir eigentlich zusammen zu sein haben. Und wenn wir uns jetzt erlauben, für die zwei Wochen, die wir hier haben, glücklich zu sein, dann wird das das Paradis auf Erden, ich würde noch ewig von dir träumen und wäre danach wahrscheinlich so glücklich, dass ich mich am liebsten umbringen würde, wenn es vorbei ist, denn eins steht fest - wir sind hier nicht eingezogen. Raphael, wir müssen in absehbarer Zeit wieder zurück in diese Alltagsscheiße ohne einander und das werd ich nicht aushalten, wenn ich diesen Kontrast habe. Und für dich wird das genau so sein. Verstehst du?"
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 12 Okt 2015 - 0:49

Dorian hingegen schwieg nicht und jedes seiner Worte begegnete Raphael mit einer so unglaublichen Heftigkeit und Intensität als hätte sein Bruder ihn angeschrien, laut, direkt ins Ohr – er konnte nicht nur hören, sondern geradezu fühlen was er sagte, wie ein Brennen auf der Haut, nicht stark, aber stetig. Genau wie die Sehnsucht. „Ich brauche dich“, rang er sich schließlich zu einer Antwort durch, doch allein diese Phrase klang mittlerweile so abgedroschen und verwaschen, dass sie ihre eigentliche Bedeutung längst verloren hatte. Es war nichts neues, sie beide wussten es und ändern tat es erst recht nichts. Es – alles drehte sich um dieses es, was auch immer es war, denn Worte vermochten es nicht zu beschreiben, diesen Zustand der Wehrlosigkeit mit dem sie ihren Gefühlen ausgeliefert waren, die schiere Unmöglichkeit das Richtige zu tun und den dahinter verborgenen Wunsch nach Glück, wenn auch nur für ein paar Stunden. Es reichte nicht aus, es würde niemals reichen, warum nicht einfach nehmen was man bekam? Nicht über Los, keine zweihundert Dollar einstreichen, sondern zurück zum Anfang und dann ins Verderben. Klang doch gar nicht so schlecht.
„Dorian“, seine Stimme klang ruhig und bestimmt, doch die Leere aus ihr war gewichen, gefüllt von unterdrückten Emotionen, wie gefangene Tiere die sich langsam ihren Weg an die Luft zu bahnen versuchten, „Dorian, das hier tut mir weh. Aber daran kannst du nichts ändern und es wird dir weh tun, weil ich zu ihr zurück kehren werde und das einzige was uns bleibt diese zwei Wochen sind – aber mehr haben wir nicht. Ich möchte nicht darüber nachdenken was danach kommt, denn jetzt gerade … oh Gott, es ist mir egal, genauso wie meine Frau und meine Ehe und wie schrecklich ich dich Abends vermissen werde, wenn ich neben ihr liege und glücklich sein sollte. Ich habe keine Lust mit dir essen zu gehen, ich habe keine Lust mit dir zu diskutieren, verdammt ich hab nicht einmal mehr Lust deine Verzweiflung ertragen zu müssen, wenn du mich so umarmst wie gerade eben, wenn ich ganz genau weiß, wie einfach es doch zu ändern wäre … aber gut, ich werde es nicht noch einmal versuchen, vorhin hast du mich weg geschoben, also liegt es nun wohl bei dir“, in einer verzweifelt ratlosen Geste hob er die Arme, als wolle er sie um seinen Zwilling schließen, ließ sie wieder sinken und schwieg in diese merkwürdige Stille hinein. Und dann, nicht mehr als ein Flüstern, ein leises Wispern diese letzte Bitte.
„Komm und küss mich einfach, ja? Denn entweder das oder … oder du gehst und suchst dir einen Schlafplatz“, mittlerweile war seine Stimme so gut wie tonlos.
„Ich kann nicht mehr. Und bitte, bitte entscheide dich für die erste Möglichkeit, großer Bruder.“
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 13 Okt 2015 - 2:14

Ja... und das Perverse an der Sache war ja, dass er wusste und wollte, dass Raphael ihn brauchte. Er wurde gern gebraucht und ein Stück weit gefiel ihm sogar der schreckliche Gedanke, dass sein Bruder ohne ihn genauso wenig sein konnte wie er ohne ihn. Ein Stück weit war das ja sogar für einen Außenstehenden nachvollziehbar - das Gefühl, gebraucht zu werden. Aber nicht in diesem Maße, das bei ihnen vorlag. Nein. Leider nicht...
Und nachdem der Jüngere ihm dann vor die Wahl gestellt hatte und es mal wieder an ihm lag, dachte er mal für einen ganz kurzen Moment nicht an jeden anderen, den er je gekannt hatte, sondern primär einfach und simpel mal ganz allein an sich. Und in eben diesem Moment war die Antwort einfach mehr als klar, denn genau genommen gab es für ihn nur diese eine Antwort. Auch wenn es ihm lieber gewesen wäre, Raphael hätte es bei der einfachen Aufforderung belassen statt ihm die Qual der Wahl zu überlassen. Allerdings war es nun an ihm, alle Bedenken über Board zu werfen und ihm seinen Wunsch einfach zu erfüllen, so näherte er sich seinem Ebenbild mir bedachter Vorsicht, bis er direkt vor ihm stand und küsste ihn ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Und nicht nur das, er erlaubte es sich, ihn ohne Schuldgefühle zu küssen, so wie damals als alles noch so einfach gewesen war weil es keine Catherine gab, ihre Eltern sie nicht auseinanderhebelten und sie sich gegenseitig glücklich machen konnten, so oft sie wollten. Etwas vergleichbar schönes hatte er seit damals nicht mehr gespürt, grade allerdings machte es ihn so glücklich, dass erneut Tränen seine Wangen mit heißen, salzig schmeckenden Spuren überzogen. Dieses Mal endete es allerdings nicht darin, dass er aufhörte oder sich unterbrechen ließ.
"Raphael?"
Oh Gott wie er es liebte, seinen Namen zu sagen... er hatte ganz vergessen, wie gut es sich anfühlte, wenn er es sich erlaubte, es zu genießen... gab es überhaupt ein schöneres, perfekteres Wort als seinen Namen?
"Lass uns unsere Henkersmahlzeit genießen, ja?"
Und er lächelte, so als hätte er seinen geliebten Bruder seit Jahren nicht mehr gesehen und könnte ihn nun das erste Mal wieder in die Arme schließen. Genauso aufgeregt zitterten auch seine Finger, als er sie in den wundervollen Haaren seines Bruders versenkte wie ein klappriges Bötchen in den stürmisch aufgepeitschen, dunklen Wellen der See.
"Oh Gott, ich liebe dich so sehr...", seufze er noch schnell, ehe er ihn wieder an sich zog, halb überwältigt, halb fassungslos und voll und ganz glückselig.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 14 Okt 2015 - 20:57

Raphael wusste genau wie grausam es war vor eine Wahl gestellt zu werden. Es war schlimmer als lediglich eine Wahl zu haben und er selbst, hätte sich ein solches Ultimatum niemals verziehen, hätte Dorian sich in diesen Sekunden tatsächlich zum Gehen umgewandt. Doch es war der letzte, verzweifelte Versuch zu bekommen, wonach er sich im Leben am meisten sehnte und was er zum Leben brauchte, denn jede Alternative wäre nichts weiter als eine bloße, graue Existenz, durchbrochen von einigen vereinzelt sonnigen Momenten vielleicht, wann immer es ihm gelingen würde sich selbst zu täuschen. Schließlich war er über all die Jahre wirklich gut darin geworden – und trotzdem, kam nichts diesem einen Gefühl gleich. Liebe war ein viel zu kleines Wort, für den riesigen Platz in seinem Herzen, in seinem Kopf, in seinem gesamten Innern, welcher für Dorian vorgesehen worden war.
Und er tat es. Dorian Maynard trat vor und küsste ihn, wie gewünscht und es war schöner als alles andere auf dieser Welt. Kein Traum, keine Vorstellung, nicht einmal die kühnste Hoffnung, vermochten dieses Gefühl zu beschreiben, dass durch seinen Körper strömte wie pures Glück. Flüssig und lebendig, als würde jedes einzelne Nervenende im Moment einzig allein auf seinen Bruder ansprechen und hunderte von Impulsen auf einmal losschicken. Alles in seinem Körper schrie nach mehr, als er sich von ihm löste und er ertrug es kaum, allein diese kurze Zeitspanne getrennt zu sein.
Sich einfach nur in der Umarmung seines Bruders verstecken, in dem blauen Ozean seiner Augen untergehen und glücklich sterben – denn jetzt war es vorbei, sie hatten verloren und nach diesem Urlaub würde jeder weitere Tag, den sie ohne einander verbringen mussten, die Hölle bedeuten. Allein diese knappe Minute jedoch war den Preis mehr als wert. Wirklich.
Henkersmahlzeit allerdings traf den Nagel auf den Kopf und ihn selbst direkt ins Herz, während er sich im stillen schwor jeden einzelnen Augenblick zu genießen, aufzunehmen, wie einen inneren Sommer, der ihn auch im kommenden Winter würde wärmen können.
„Natürlich“, wisperte er, nicht ganz sicher worauf genau er gerade antwortete, doch ja. Ja. Ja, verdammt!
Sie waren hier und jetzt und dieses Szenario war Wirklichkeit. Er spürte das Zittern fremder Finger in seinem Haar, legte die eigenen Hände sehr achtsam, sehr sorgfältig Dorians Brust, als wolle er sich vergewissern, dass das Herz darunter noch schlug und betrachtete nachdenklich die Narbe auf seinem Handrücken, welche sie für immer unterscheiden würde. Zwei Menschen, zwei Mal der gleiche Mensch? Nein. Es mochte vielleicht der Anschein erwecken, seine Augen sahen jedoch schon lange nicht mehr nur die Ähnlichkeit, sondern all die kleinen Details, welche seinen Bruder so einzigartig machten. Zum Beispiel die Art wie sein linker Mundwinkel mit dem Lächeln meist ein wenig schneller dran war als der rechte und seine Lippen so stets ein unheimlich kurzes, bezaubernd schiefes Schmunzeln aufblitzen ließen oder sein ordentliches Haar, das sich nach einem langen Arbeitstag aufzulösen pflegte, wenn eine Strähne nach der anderen aus der Reihe tanzte.
Er liebte ihn auch, und wie er ihn liebte!
Übermütig stahl sich einen weiteren Kuss, diesmal kurz und spielerisch. Und noch einen dazu. Und noch einen. Ließ ihre Blicke um die Wette funkeln, während er ihm tief in die Augen blickte und schließlich in eine innige Umarmung zog und drückte, als hätte er ihn seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Raphael konnte nicht genug bekommen, war hellwach und voller Freude.
„Ich habe dich so sehr vermisst“, murmelte er, irgendwo an Dorians Halsbeuge, sog dessen unverwechselbaren Duft ein und war zu Hause.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 15 Okt 2015 - 22:48

Selten in seinem Leben hatte er solche Angst gehabt, jeden Moment neben Bastian aufzuwachen und zu realisieren, dass das ganze nichts als ein Traum gewesen war, den er großteils damit verschwendet hatte, sich von Raphael fern zu halten. Er war so glücklich, dass es beinahe schon weh tat, nach der ganzen verdammten grauen Zeit. Sein Atem stockte, als er die Hände des anderen auf sich spürte, die vermutlich grade dafür sorgten, dass sein wie wild schlagendes Herz zwischen seinen Rippen verweilte, statt aus ihm heraus zu platzen und sich auf den Grund zu werfen, wegen dem es Tag ein Tag aus mit Freuden die unbezahlte Sklavenarbeit vollzog, seinen Körper am Leben zu erhalten, während sein Geist sich in schöne Erinnerungen geflüchtet hatte.
"Ich bin so scheiß glücklich... ich glaub nicht, dass ich dich je wieder los lassen kann, tut mir leid. Ich kann nicht glauben, dass das hier wirklich wahr ist...", antwortete er, das Kinn auf dem Scheitel seines Bruders ablegend. Und am liebsten würde er das wirklich nicht. Ihn je wieder los lassen. Er hatte sich lange nicht mehr so komplett gefühlt, der Gedanke, jetzt wieder von ihm getrennt zu werden, war momentan nicht bloß unerträglich, viel mehr war er sich ziemlich sicher, dass er allein wegen der physischen Trennung von Raphael dann sterben würde. So wie man eben starb, wenn einem jemand das Herz heraus riss oder den Kopf abtrennte. Ohne ihn ging es nicht mehr. Und ohne ihn würde es auch in Zukunft nicht gehen. Auch, wenn er grade viel zu trunken von der ganzen Situation war, um zu begreifen, dass es ein Ende haben würde und wie das auf sie beide wirken würde. Beinahe schon vorsätzlich verwandt er darauf keinen einzigen Gedanken, er nahm sich vor, jeden einzelnen Atemzug ihrer gemeinsamen Zeit nur zu genießen, irgendwie in seinem Gedächtnis zu archivieren und davon zu leben, wenn es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wieder schlimmer werden würde. 
Er ließ ihn nicht los. Er ließ ihn den ganzen Abend nicht mehr los, dabei machten sie eigentlich auch kaum mehr etwas, zu dem man freie Hände oder Bewegungsfreiheit gebraucht hätte. Als sich dann später einvernehmlich geeinigt wurde, dass es doch in Ordnung sei, sich ein Bett zu teilen, ging er erstmal dem dringenden Bedürfnis nach, jeden einzelnen Quadratzentimeter Haut Raphaels zu küssen ohne es wirklich fassen zu können, dass er ihn grade wirklich bei sich hatte und im stillen dankte er Catherine dafür, dass sie das hier möglich machte.
Am nächsten Morgen wachte Dorian auf und als das erste, was er nach einer kurzen Phase der Desorientierung sah, das friedlich schlafende Gesicht seines Bruders war, überkam ihn eine solche Erleichterung, dass das Erste, was er an dem Morgen unternahm, darin bestand, sich erstmal die Tränen weg zu wischen, sich auf die Seite zu legen und darauf zu warten, dass dieses anbetungswürdige Geschöpf aufwachen würde.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 17 Okt 2015 - 0:03

Er hatte von ihm geträumt, von Dorian, einfache, kleine und vor allem glückliche Ausschnitte aus ihrer Vergangenheit, angespült von den aufgewühlten Erinnerungen und als Raphael spürte, wie der Schlaf langsam floh und der Morgen ihn wach zu kitzeln versuchte, vergrub er das Gesicht im Stoff des Kissens, in dem verzweifelten Versuch der Realität noch ein Weilchen zu entfliehen. Doch sie war unerbittlich und so erwachten auch seine Sinne wieder zum Leben, einer nach dem anderen und das erste was er realisierte war ein Geruch – frisch, gewaschene Wäsche, so vertraut und unvermeidbar, Catherine? Doch nein, nicht ganz, derselbe Duft, jedoch mit einer anderen Note und irgendwo dahinter verborgen, lag ein so viel vertrauterer Ton. Die Augen zusammen gekniffen atmete er ein, in der Hoffnung es möge nicht nur Einbildung sein und tatsächlich, da war es, er konnte es riechen. Und das Kissen selbst, so groß und weich und vor allem ungewohnt, da dämmerte ihm langsam wieder, dass er nicht zu Hause war. Nein, er war hier, weit ab von allen Sorgen, an einem Ort, welcher es ihm erlaubte ohne Schuld und Stress, ganz unbesorgt, in den Armen seines Bruders einzuschlafen und neben ihm zu erwachen, in einem Bett, nur für sie beide ganz allein – es war alles gut.
Zumindest für diesen Moment, ebenso wie im nächsten, nun da er sich verschlafen blinzelnd umsah und die Wirklichkeit seinen Traum um Längen schlug, denn da war er, sein Zwilling, leibhaftig, zerzaust und herrlich verschlafen. „Guten Morgen“, nuschelte er, runzelte die Stirn und lächelte schwach, „Hmpf, du hast mir nicht ernsthaft zugesehen, während ich schlafe, oder? Dodo, du weißt doch wie klischeehaft das ist…“, spöttelte er leise, doch allein die Tatsache, dass es ihnen möglich war zu jeder Tages- und Nachtzeit merkwürdig kitschig übereinander zu wachen, ließ sein Herz höher schlagen. So hoch, dass es für einen Moment beinahe anhielt, als er sich auf den Bauch rollte um zumindest Dorians Schulter erreichen zu können und dieser einen zaghaften Guten-Morgen-Kuss zu geben, nur um dann mit einem munteren Hopser weiter zu poltern, aufgeweckt und voller Energie. Das konnte man von Raphael selbst allerdings weniger behaupten und mit ungelenken Bewegungen brachte er selbst sich wieder unter einer Decke in Sicherheit, als die frische Frühlingsluft im Raum eine sanfte Gänsehaut auf seinen Rücken zauberte. Kalt, viel zu kalt!
Andererseits war so ein Decken-Kokon auch relativ einsam, weshalb er sich umgehend versuchte näher an seinen Bruder zu schmiegen. „Ich bin froh, dass du da bist“, weiteres Gemurmel, „Und bitte sag mir, dass du mir entweder einen Kaffee machen kannst oder dass es okay ist den restlichen Tag im Bett zu verbringen, weißt du, ich hätte nichts dagegen…“ – nun, zumindest im Augenblick schien dies nämlich die vernünftigste Lösung die sein Hirn vorzubringen vermochte und jede einzelne, glückselige Faser seines Körpers, war voll und ganz damit einverstanden.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 21 Okt 2015 - 22:29

"Ich kann dir einen Kaffee machen aber es ist auch ok, den restlichen Tag im Bett zu verbringen.", strahlte der unwesentlich ältere Bruder, während er sein Ebenbild mit einer Intensität ansah, wie man es sonst vermutlich nur bei einer Mutter und ihrem neugeborenen Baby beobachten konnte und die schlicht Du bist mein Ein und Alles auf dieser Welt aussagte. Mit einem glücklichen Lachen, das alsbald durch vors Gesicht geschlagenen Händen gedämpft wurde, rollte er sich auf den Rücken und atmete einmal tief durch.
"Oh man, ich kanns nicht fassen, dass wir wirklich hier sind. Zusammen. Ich bin so verdammt glücklich, ich fühl mich, als hätte ich was genommen, ehrlich."
Im Vergleich zu der Phase zwischen dem Krankenhausaufenthalt seines Bruders und gestern, in der allein der Gedanke an Raphaels Namen weh getan hatte, war der emotionale Kontrast grade so extrem, dass er schlicht einer dauerhaften Überwältigungsschleife ausgesetzt war, mit der er nur schwerlich zurecht kommen konnte, auch wenn es eigentlich ein permanentes verstärktes Glücksgefühl hochbeschwor. Allerdings gab er sich dem nicht vollends hin, das würde nur dazu führen, dass er seinem Bruder für den Rest des Urlaubs weinend um den Hals hängen würde, das wäre eine unverzeihliche Verschwendung ihrer begrenzten gemeinsamen Zeit und er wusste, wäre es später mal vorbei, würde er sich das niemals verzeihen.
Er drehte sich wieder auf die Seite, richtete sich halb auf und schmunzelte Raphael einen kleinen Kuss auf die Wange, ehe er die Bettdecke zurück schlug, zum gekippten Fenster ging, es ganz aufmachte und sich dann auf den Weg ins Bad machte, um sich die Zähne zu putzen.
"Also Brüderchen, wie nutzen wir die Zeit heute? Wir sollten irgendwas zusammen unternehmen, auf was hast du Lust?", nuschelte er unverständlich an der Zahnbürste vorbei in dem sicheren Wissen, dass sein Bruder ihn auch verstanden hätte, wenn er einen Backstein im Mund gehabt hätte, allein durch seine Gestik. Allerdings schien da einer noch nicht so wirklich online zu sein, zumindest schloss Dorian das aus Raphaels Haltung und allgemein verschlafenen Ausstrahlung, die er nebenbei gesagt so an ihm liebte, dass er es am liebsten fotografiert hätte... hey, wieso nicht? Ein paar Erinnerungsfotos wären sicher nicht die schlechteste Idee und er sah grade einfach so verboten gut aus zwischen dem Haufen Kissen, mit den Wirren Haaren und dem verschlafenen Blick...
Und wahrscheinlich eben wegen dieses Blickes konnte Dorian seinen Bruder auch noch nicht gleich aus dem Bett scheuchen sondern versuchte sich viel mehr nach einem kleinen Jogging-Einkaufs-Ausflug hinunter ins Dorf an Pancakes mit Ahornsirup. Sogar ein kleines, natürlich sofort wegschmelzendes, Butterquadrat landete der vollkommen klischeehaft amerikanischen Frühstücksoptik zuliebe auf dem obersten goldbraunen Pfannkuchen, der dann auf einem Teller, der auf einmal Abstell-Tablett extra fürs Bett stand, lag und wenig später auf dem Schoß des sich verwundert die Augen reibend-aufsetzenden jüngsten Maynard-Sprösslings landete.
"Es sieht leider besser aus, als es schmeckt, aber du hast gestern Abend kaum was gegessen und das nach dem ganzen Tag im Flieger... du musst am Verhungern sein. Mund auf..."
Und ohne einen potentiellen Widerspruch auch nur abzuwarten war ein Stückchen des Pfannkuchenstapels vom Rest abgetrennt und auf eine Gabel gespießt worden, die wenig später über Dorians freie Hand, die als Auffangbecken für etwaige Krümel oder Sirup diente, auf Raphaels Mund zuschwebte.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 23 Okt 2015 - 0:06

Der bislang noch jüngste Maynard-Sprössling hätte seinen älteren Bruder wohl nicht gehen lassen, hätte seine Müdigkeit ihn nicht ganz und gar handlungsunfähig gemacht, denn der Vorschlag den Tag ebenso zu verbringen wie er begonnen hatte –genau hier, in diesem wunderbar gemütlichen Bett, zwischen den Laken und wohlig wärmespendend aneinander gekuschelt – war durchaus ernst gemeint gewesen. Dorian allerdings sah das trotz seiner Zustimmung wohl nicht so, schließlich schaffte er es aus dem Bett, bis ins Bad und putzte sich sogar die Zähne, was ein eindeutiges Zeichen von aufkeimender Unternehmungslust war, während sein Zwilling auch weiterhin nur auf der faulen Haut lag und alsbald erneut in das vertraute Land der Träume hinüber glitt, kaum dass er wieder alleine war. Ansonsten hätte er schließlich die Zeit gefunden seinen Bruder zu vermissen und nicht zuletzt deswegen war Schlafen in einer solchen Situation eindeutig die beste Wahl – und natürlich, weil das Kissen mehr als nur einladend wirkte und durch das aufgerissene Fenster noch mehr der kühlen Frühlingsluft herein wehte, was die Chance, dass er seinen jetzigen Platz verlassen hätte zusätzlich minderte. Seine Schlafstelle hingegen war noch warm und so überließ er seine Gedanken sich selbst, widmete sich voll und ganz dem Drang nach Entspannung und genoss das Wissen, dass auch der Rest des Tages in absoluter Glückseligkeit verlaufen würde. Hier oben waren sie sicher, niemand würde ihre gemeinsame kleine Blase zum Platzen bringen und es gab keine unerwünschten Eindringlinge zu befürchten, stattdessen hatte er frei und die Zeit jene morgendliche Trägheit bis zur letzten Minute auszukosten. Herrlich.
Zumindest bist leichter Lärm aus der Küche ihn wieder aufhorchen ließ und sich ein unverkennbarer Duft mit in den vertrauten Geruch nach Dorian schmuggelte. „Ich liebe dich“, nuschelte er dann, als, das ganze Geschehen sich (gewiss innerhalb von Sekunden) irgendwie in das Schlafzimmer verlegt hatte und auf einmal sein Bruder neben ihm war und er die sirupgetränkten Pfannkuchen auf einem Teller vor sich sah und dann die Gabel wie sie auf ihn zugeschwebt kam, wie in einem verworren schönen Traum über sein persönliches Schlaraffenland. Ohne auch nur zu zögern öffnete er den Mund, ließ sich bereitwillig füttern und ergab sich voll und ganz dem himmlischen Geschmack des ersten Bissens. „Ich liebe dich wirklich“, murmelte er kopfschüttelnd, leckte sich das letzte bisschen Ahornsirup aus den Mundwinkeln und gab Dorian einen dankbaren Kuss auf die Wange. „Auch wenn es natürlich unverzeihlich ist, dass du tatsächlich aufgestanden bist, dabei hatte ich mich doch so auf diesen nichtsnutzigen Tag gefreut…“, beteuerte er, ließ den Kopf nachdenklich auf die Schulter seines Zwillings sinken und dachte doch an gar nichts. Keine Sorgen mehr, nur noch Glück und Müdigkeit und mit Dorian neben sich, war ihm diese Kombination voll und ganz genug. „Und du musst unbedingt probieren, was du da gebacken hast, ernsthaft  - ich trags dir schon fast nach, hätte ich gewusst, dass du das kannst, hätte ich dich garantiert nicht so oft bekochen müssen Schatz“, stichelte er, schnappte sich dann jedoch – überraschend flink für jemand so träges – die Gabel und beschloss, dass es nun an ihm war seinen Bruder zu füttern, wobei er aufrichtig bedauerte, dass sich Pancakes nur mäßig für eine süßliche Kuss-Szene wie die mit den Spaghetti aus Susi und Strolch eigneten. Aber so ging es natürlich auch und mit Blick zum Fenster hin seufzte er leise. „Draußen ist es schön, oder? Hm, vielleicht, ganz vielleicht Bruderherz stehe ich doch auf und wir machen einen kleinen Ausflug, was meinst du? Laufen und .. reden?“, er hielt inne, denn für einen Moment war er sich nicht sicher, wie er den Satz am besten erklären sollte oder ob eine weitere Äußerung die Stimmung nicht verdorben hätte. Doch es war lächerlich, das hier war der Mensch, welchen er am meisten auf der Welt liebte, was sollte schon geschehen?
„Ich denke nämlich wir hm,… sollten reden, wir haben viel zu reden, aber nebenher können wir auch Händchen halten und die Natur genießen und dämliches Zeug machen, das sonst nur Teenager so treiben, denn hier sieht uns ja keiner … und morgen gehen wir dann richtig Essen, wie Erwachsene es tun würden und … alles okay Dorian?“ Doch der war anscheinend gerade ein wenig in den Pfannkuchen-Himmel abgetreten, so zumindest wirkte es oder ihm war es gelungen Raphael erfolgreich zu täuschen und er war doch schläfriger gewesen, als er aussah. Das hatte dieser schließlich nur schwer beurteilen können, da er selbst seine Augen kaum auf bekommen hatte.
Und mit einem durch und durch verliebten Seitenblick, der ebenso ironisch wie auch ehrlich war, setzte er zu einem verführerischen Flüsterton an - „Dorian, würdest du mit mir ausgehen?“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 24 Okt 2015 - 0:20

"Schhh... ich weiß ja."
Nicht, dass er es nicht gern hören würde, wenn Raphael ihm seine Liebe bekundete, es war nur alles grade etwas... viel. Ein bisschen viel zu viel, offen gestanden hatte er das Gefühl, gleich auf der Stelle tot umzufallen, einfach, weil sich sein ohnehin schon total glücklicher Zustand von Sekunde zu Sekunde mit ihm noch verbesserte und er sicherlich irgendwann nicht mehr damit zurecht kommen würde. Als hätte er sich eine Überdosis verpasst. Es zu sehr ausgereizt, sich zu viel zugemutet und dann musste er den Preis zahlen... den zahlte er auch - daran dachte er bloß jetzt noch nicht. Das erlaubte er sich nicht. Dann wäre er durchgedreht, dessen war er sich glasklar bewusst, er würde allein beim Gedanken an ihren letzten gemeinsamen Abend allein zu zweit, den Verstand verlieren. Weil der Moment, der sie beide danach wieder auseinander reißen würde, dann greifbar sein würde...
Den Kopf seitlich gegen Raphaels lehnend entschuldigte er sich mit einem leisen Murmeln und atmete kurz darauf seinen Geruch ein, der ihm immer vertraut sein würde, selbst wenn er wegen eines Unfalls sein komplettes Gedächtnis verlieren würde, Raphaels Geruch würde in ihm immer dasselbe Gefühl auslösen. Dass alles in Ordnung sei. Dass sie zusammen wären und ihnen nichts geschehen konnte, solange sie einander hatten. Und so ließ er sich brav mit den Pfannkuchen füttern.
"Laufen und reden klingt toll.", beantwortete er dann noch seine Frage, während Raphael offensichtlich mal wieder nichts besseres zu tun hatte, als seinen Herzschlag bis in Frequenzen hoch zu peitschen, einfach nur mit den paar verstreuten Worten, die er ihm vor die Nase hauchte, mit einer verspielten Wahllosigkeit und so viel kindlicher Leichtigkeit, dass er es ihm beinahe geglaubt hätte, dass er kaum eine Ahnung hätte, wie fertig ihn das grade machte. Nein. Im Pfannkuchenhimmel befand sich Dorian Maynard im Moment nicht, aber auf dem Holzweg war diese Vermutung auch nicht ganz.
Und dann noch diese Frage... unabhängig von dem Pfannkuchenstückchen, das sich im Moment in seinem Mund befand, musste er in diesem Moment schwer schlucken. In dem Moment fror die Erde für einen kurzen Augenblick in ihrer Drehbewegung ein und Dorian hatte mit einem Mal alle Zeit der Welt um sich zu fragen, wie sich Catherine Pines wohl in dem Moment gefühlt haben mochte, als sein Bruder sie gefragt hatte.
Es war so eine unernste Situation und es fühlte sich nicht richtig an, in keinster Weise, aber es ging nicht anders, er sah ihn einfach nur an, wie man eben jemanden ansah, von dem man vollkommen besessen war, und nickte mit einem lautlos gehauchten "Ja.", ehe er sich schnell räusperte.
"Würde ich sogar sehr gern...", präzisierte er dann nochmal, dieses Mal sogar mit deutlich festerer Stimme, räumte ihr gemeinsames, halb aufgegessenes Frühstück beiseite und ließ sich nochmal zu ihm ins Bett sinken.
"Ich bin so wahnsinnig glücklich, dass ich dich endlich wieder hab'."
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 24 Okt 2015 - 21:12

Bereitwillig rollte Raphael ein wenig zur Seite, damit auch sein Bruder ein Stück Platz auf dem warmen Teil der weichen Matratze fand. Sie mussten zwar zusammen rücken, doch störte es ihn schließlich nicht im Geringsten, sich letzten Endes unter der schützenden Daunendecke eng an Dorian schmiegen zu können. Durch das offene Fenster wehte nach wie vor ein kühl morgendlicher Wind herein, spielte träge mit den langen, hellen Vorhängen und ließ, begleitet von dem gerade noch zu erahnenden Gezwitscher der Vögel aus dem nahe gelegenen Waldstück, einen wundervollen Tag vermuten. Ein Tag der noch vor ihnen lag und ganz und gar den beiden Zwillingen gehörte, von den frühesten Morgenstunden bis tief in die Nacht, eine Zeit wie ein Geschenk.
„Ach, gib schon zu, dass die Pfannkuchen nur ein Köder waren, damit ich dich das frage“, wisperte er, doch in seinem Tonfall fand der Spott nur bedingt Platz und wurde verdrängt von dem Unterton eines Lächelns, das sich alsbald auf Raphaels Gesicht wiederfand, während er vorsichtig nach der Hand seines Bruders tastete, um die Finger liebevoll mit den seinen zu verschränken. Er war tatsächlich hier, er konnte ihn sehen, hören, fühlen, riechen, ja sogar schmecken wenn er den wollte und niemand konnte es ihnen verbieten – verlockende Aussichten wie er befand. Sie konnten tatsächlich zusammen ausgehen, den Ober irritieren, die restlichen Pärchen ausstechen was die verliebten Blicke betraf, gemeinsam irgendein sündhaft teures Essen oder auch einfach nur Pizza bestellen und endlich glücklich sein.
Er war schön genug einen erwachsenen Mann zum Weinen zu bringen, doch er weinte nicht, noch nicht zumindest, denn die Tränen würde er sich für den Abschied aufsparen, würden sie doch jede einzelne brauchen. Es würde eine Zeitpunkt der Trennung geben, doch noch waren sie zusammen und es gab wahrhaftig so viel Schöneres zu tun. Wie beispielsweise sich in die genaue Betrachtung ihrer ineinander liegenden Hände zu vertiefen und das Wunder zu bestaunen, wie perfekt sie zusammen passten, selbst jetzt noch, da sie nicht mehr vollkommen identisch erschienen.
„Laufen und reden und ausgehen also?“, frage er noch einmal, wobei er seinen Blick wieder hob. Ein nicht mehr ganz so unschuldiger Ausdruck war in seine Augen getreten, so dass man hätte meinen können, das Sturmgrau ließe einen verschmitzten kleinen Sonnenstrahl hervor blitzen. „Fehlt da nicht noch was Bruderherz?“,  und nach seinem mürrischen Seitenblick in Richtung Dorians Kragen, ließ spätestens ein recht eindeutig verlangender Kuss erahnen, worauf der Jüngere hier gerade hinaus wollte. Die Natur würde ihnen nicht davon laufen, dieser Augenblick hier allerdings könnte jeden Moment verfliegen und so galt es doch die Chancen zu nutzen, so lange sie sich einem noch boten.
„Hmm, ich hab dich vermisst“ – mit einigen weiteren, federleichten Schmetterlingsküssen begann er sanft den Hals des Älteren zu bearbeiten – „Das heißt jetzt gerade. Du hast mich einfach so allein gelassen, um uns ein fabelhaftes Frühstück zu zaubern – okay, … aber warum zur Hölle musstest du dich dafür schon wieder so ordentlich anziehen, Dorian?“
Das war eine gute Frage, doch leider blieb keine Zeit mehr für eine Antwort, zumindest nicht ehe Raphael verspielt wie ein junger Kater begann an den ersten Hemdknöpfen herum zu nesteln, um mehr Platz für die sanfte Arbeit seiner Lippen zu haben. Deren Zärtlichkeit stand gerade im starken Kontrast zu seinen herausfordernden Worten, mit welchen er seinen Zwilling aus der Reserve zu locken versuchte und mit einem schelmischen Grinsen rollte er schließlich weit genug herum um es sich auf ihm bequem zu machen. Den Kopf nun abwartend auf seine Unterarme gebettet blinzelte er neugierig zu ihm hinauf und konnte sich auch dieses Mal der Erkenntnis nicht entziehen, wie unheimlich hübsch dieser Mann doch war. Er sah in ihm kein Spiegelbild seiner selbst, allerhöchstens eine undeutliche Skizze der eigenen Züge, verborgen hinter diesem geliebten Gesicht und er war tief genug in den Anblick versunken, um für einige Sekunden die Sprache zu verlieren – so fühlte sich vollkommenes Glück an. Zumindest eine Facette davon und sie, die herrlich Verdammten, ihrem Los Ergebenen, die Liebenden die nicht wagten ihren Namen zu nennen, konnten sie alle haben.
„Dorian?“, gedankenverloren zeichneten seine Finger verworren kleine Muster auf das Schlüsselbein seines Bruders, „Ich will dich… also wärst du bitte so nett und wirst dieses Hemd los?“
Und da war es wieder, dieses schiefe, doch durch und durch vieldeutige Schmunzeln.
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 26 Okt 2015 - 21:43

Er hatte ihn vermisst... war das Absicht? Er hatte ihn wirklich allein gelassen. Und das für zwei verdammt lange Zeiten. Das Lächeln verlor einen Moment lang ein bisschen an Intensität.
"Ich werde dich nie wieder allein lassen."
Seine Augen blitzten, während er das sagte und das hatte leider nichts damit zu tun, dass er spaßte, wie beim nächsten feierlichen Versprechen, wobei das Lächeln sich wieder an das Grinsen seines Bruders anpasste, der sich soeben der Aufgabe seiner Entkleidung widmete, sich aus heiterem Himmel auf ihn arbeitete und ihn mit diesem Blick ansah...
"Und ich werde ebenfalls nie mehr auch nur das geringste anziehen."
Die letzten Worte seines Bruders vor diesem schiefen, dreckigen Lächeln gepaart mit diesem Blick, mit dem er ihn wahrscheinlich zu absolut allem hätte überreden können, gaben die Initialzündung und wenig später zierte das Hemd den Lampenschirm der Stehlampe in der anderen Ecke des Zimmers.


Ihre Eltern waren aus gegangen, was hieß, dass sie vor Mitternacht auf keinen Fall wieder kommen würden und Dorian sich mit Raphael den ganzen Abend lang Filme ansehen und selbstgemachtes Popcorn essen konnten, bis ihnen irgendwann beinahe die Augen zu fielen, worauf dann für Dorian Maynard der schönste Part folgte - Raphael endgültig ganz für sich zu haben und das die ganze Nacht und am nächsten Tag bis in den späten Vormittag hinein, da ihre Eltern auch länger zu schlafen pflegten, wenn sie am Abend vorher ausgegangen waren. Dann konnte er ihn nach dem Bad vorsichtig fragen, ob er Angst hätte, sein Bruder konnte mit einem bemüht tapferen Ausflucht antworten und letztendlich konnten sie zusammen sein, sich gegenseitig in den Armen liegen, bis sich ihre Herzschläge synchronisierten und sie vor nichts mehr Angst haben mussten weil sie genau wussten, dass nichts schlimmes passieren konnte, solang sie nur zusammen sein konnten. Dann wäre immer jemand da. Und das machte selbst die schlimmste Lage erträglich, zumindest war das bei ihnen so. Meist hatte Dorian das Gefühl, Raphael müsse nur an ihn denken und schon ginge es ihm besser. Er liebte seinen Bruder abgöttisch, es gab niemand, der ihm auch nur ansatzweise so wichtig war, wie er, er war regelrecht besessen von ihm. Und entsprechend glücklich konnte er sein. Entsprechend glücklich war er in diesem Augenblick. Grade jetzt, in der Sekunde, als er einschlief in der sicheren Gewissheit, geliebt zu werden von einem Menschen, wie Raphael einer war. Von jemandem, der in sich alles vereinte, was man anstreben konnte, der gütig war und freundlich und liebevoll, nicht auf eine herablassende oder selbstgerechte Art sondern einfach von Natur aus. Er liebte einen Engel, der ihm irgendjemand, der es sehr gut mit ihm gemeint hatte, zur Seite gestellt hatte, als er noch im Bauch seiner Mutter gewesen war. Und er war so unsagbar glücklich...
Kein Kunststück zu erraten, von wem genau Dorian geträumt hatte, bis er am nächsten Morgen aufwachte. Raphael allerdings schien noch nicht erwacht zu sein. Meistens wachten sie genau im selben Moment auf, das kam oft vor, wenn sie dasselbe träumten aber im Moment schien sein Bruder noch weit weit weg im Land der Träume zu sein, zumindest lag er noch ganz ruhig da, auf dem Rücken, einen Arm angewinkelt neben sich liegend, sodass seine Hand neben seiner Wange auf dem Kopfkissen ruhte, der andere Arm lag zwischen ihnen, als habe er direkt vor dem Einschlafen nochmal nach Dorian gegriffen und hätte das Vorhaben nicht ganz beenden können. Er sah so schön aus, wenn er schlief. Sein ganzes Gesicht war dann vollkommen glatt und perfekt, kein einziges Lachfältchen war zu sehen, die Stirn war nicht gerunzelt, er sah aus wie ein Engel. Wie ein vollkommener Engel... 
Ganz vorsichtig streckte er die Hand nach seinem Gesicht aus und strich ihm behutsam und ganz leicht über die Wange, woraufhin sich die Augen hinter den locker geschlossenen Lidern kurz in seine Richtung bewegten und sein Bruder ein leises Brummen von sich gab, ehe er den Kopf leicht in die Richtung seines Bruders drehte und sich gegen dessen Hand schmiegte wie eine Katze, die ihre Streicheleinheiten forderte. Er könnte ewig hier liegen und ihn ansehen, er brauchte nichts anderes, er wollte nur für den Rest seines Lebens diesen Anblick genießen dürfen. Mehr nicht. Nichts anderes. Er würde glücklich sterben. Ein liebevolles Lächeln bildete sich auf seinen Lippen und er rollte sich leicht auf die Seite. Wie er immer noch so schlafen konnte... er selbst wachte bei jeder sich bietenden Kleinigkeit auf und war auch schon immer eher ein Morgenmensch gewesen als sein Bruder, der morgens erstmal seine Zeit brauchte, bis er wirklich wach war. Aber er liebte ihn auch für diese Eigenschaft, es war so unsagbar niedlich, wie er war, wenn er verschlafen war. Wie ein großer, tapsiger Teddy, der gegen Dinge lief, Milch neben seine Müslischale schüttete statt hinein, sich am Tee verbrannte, wenn man nicht auf ihn aufpasste... aber er passte auf seinen Bruder auf. Das war seine Aufgabe. Er musste immer auf ihn aufpassen, Raphael war sein Geschenk und er musste viel dafür tun, um ihn zu verdienen. Dazu gehörte es unter anderem, dass er dafür sorgte, dass sein Bruder sich früh morgens nicht den Mund verbrannte... was er wohl träumte? Versonnen beobachtete Dorian, wie nach einer kurzen Weile die Gesichtsmuskeln seines Bruders leicht zu zucken begannen, er träumte eindeutig, das hieß wohl, dass er noch einige Zeit schlafen würde. Ob er einen Alptraum hatte? Vorsichtig näherte er sich seinem Bruder und legte einen Arm um ihn, sorgte für ein bisschen Körperkontakt und konnte sogleich erleben, wie sich das auf das Verhalten des Jüngeren auswirkte, der sogleich ruhiger und entspannter wurde. Zufrieden mit seinem erreichten Ziel lächelte er und ließ die Hand die warmen und wieder entspannten Rückenmuskeln seines Bruders herunter wandern, an der Wirbelsäule entlang die schöne, glatte, weiche Haut herunter, bis sie irgendwann oberhalb des Beckenknochens über die schmale Taille herüber nach vorn glitt, die Bauchmuskulatur entlang bis hinauf zu der Stelle auf der Brust, über der man seinen Herzschlag spüren konnte. Dorian schloss die Augen, bettete den Kopf wieder ins Kissen und zählte leise mit so weit er konnte, wovon er selbst auch wieder ziemlich schläfrig wurde, was auch kein Wunder sein konnte, denn die Sonne war noch nicht aufgegangen, draußen war es nur ein bisschen dämmrig und es konnte noch nicht viel später als sieben sein. Gestern waren sie lange auf gewesen, er merkte grade, wie müde er eigentlich noch war. Also dämmerte er selbst auch nochmal für eine ganze Weile weg. 
Als er wieder aufwachte, fühlte sich sein Mund total trocken an und ihm war viel zu warm. Komisch. Hatten sie etwa die Heizung aufgedreht gelassen? Raphael hatte Recht, sie sollten nachts das Fenster zumindest gekippt lassen, solange es noch nicht bitter kalt war und der Schnee nicht schon mindestens zwölf Zentimeter hoch lag. Leise wegen der Hitze stöhnend wollte er grade seine Füße unter der hitzigen Decke freistrampeln, um sich eine kleine Abkühlung zu verschaffen, da bemerkte er, dass es ihm schon wieder passiert war... zum zweiten Mal in dieser Woche schon! Jetzt war es auch kein Wunder mehr, dass ihm so warm war... schnell und vorsichtig nahm er die Hand, die noch immer an der sich regelmäßig heben und senkenden Brust seines Bruders lehnte, zurück und rückte ein Stück von seinem Bruder ab, damit der auch ja nichts von dieser peinlichen Sache mit bekam, die da zwischen seinen Beinen abging. Er rollte sich auf den Rücken und seufzte lautlos auf, während er den Hügel beobachtete, der sich vor ihm erhob und darauf wartete, dass er doch bitte verschwinden möge. Und Raphael... schlief noch immer wie ein Stein. Als er seinem Zwilling einen Seitenblick widmete, bemerkte er allerdings auch auf dessen Seite eine Erhebung! Das hatte er noch nie bemerkt... nicht bei seinem Bruder! Aber wenn er ehrlich war, war er froh, dass nicht nur sein eigener Körper sich derartige Scherze mit ihm erlaubte, sondern sein Bruder mit denselben Macken zu kämpfen hatte. Es hatte etwas tröstliches, auch wenn es irgendwie traurig war. Sie hatten mit ihrem Vater dieses Gespräch gehabt und er meinte, dass es an den Mädchen liegen würde, wenn sich bei ihnen und ihrem Körper etwas verändern würde. Dass er selbst anscheinend mehr an Mädchen dachte, als an irgend wen sonst, war ja schon schlimm genug, zumal er das gar nicht beabsichtigte, zumindest nicht in dieser Weise, aber dass es bei seinem Bruder scheinbar genau so war... was, wenn er demnächst mit einem Mädchen zusammen kam? Dann hätte er keine Zeit mehr für ihn, das wäre die absolute Katastrophe! Außerdem tat allein die Vorstellung, dass Raphael für jemand anderen mehr empfinden könnte als für ihn, Dorian so dermaßen weh, dass ihm beinahe allein aufgrund der Vorstellung die Tränen in die Augen stiegen. Innerlich seinen Körper verdammend rollte er sich zusammen und vergrub den Kopf wieder im weichen Stoff des Kissens, als ihm ein Gedanke kam. Also... wenn es wirklich nur um die Sache mit dem Hügel ging... dafür brauchte sein Bruder doch kein Mädchen. Er wusste, wie es ging, dass es verschwand. Leicht scheu schaute er zu Raphael herüber und blinzelte dann wieder zu der Stelle, an der die Decke sich aufbäumte, ehe er sich ein Herz fasste, schluckte und seine Hand vorsichtig unter die Decke auf der Seite seines Bruders gleiten ließ, erneut über die flachen, langen Muskeln bis zum Bund der Shorts seines Bruders, wo seine Fingerspitzen eine Weile verweilten und er erneut überprüfte, dass sein Bruder auch ja noch schlief. Das tat er zum Glück noch... er wollte nicht erwischt werden! Wenn sein Bruder ihn dabei erwischte, wäre er bestimmt böse. Wer weiß, vielleicht wollte er es ja mit einem Mädchen machen... er wollte aber nunmal nicht, dass er es mit einem Mädchen machte, er wollte kein Mädchen zwischen ihnen! Und so folgte er der sich stauenden Hitze unter den Stoff und tastete sich langsam an das heiße, ziemlich harte Ding heran, dass seinen Bruder in die Fänge von irgendeiner dummen Tussi drängen wollte. Als er es berührte, quittierte sein Bruder das mit einem kurzen Wenden des Kopfes, woraufhin Dorians Hand wieder zurück zuckte, als er sich allerdings sicher war, dass sein Bruder grade nicht aufgewacht war, nahm er ihn erneut in die Hand und beobachtete mit wachsender Faszination, wie sein Bruder auf seine Berührungen reagierte. Zunächst öffnete sich lediglich nur seine Lippen für einen kleinen Spalt, dann legten sie sich wieder zusammen, während seine Atmung sich langsam vertiefte, mal die Position von einem Arm oder Bein änderte und sich eine belebte Röte auf seinen Wangenknochen ausbreitete. Nach einer Weile dann begann er sogar seicht die Hüfte zu bewegen, sich abwechselnd aus der Hand seines Bruders zurück zu ziehen und wieder hinein zu schieben und dabei leise Geräusche zu machen. Dorian ließ sich derweil vollkommen von dem Schauspiel fesseln, beobachtete das Mienenspiel des Schlafenden, lauschte den leisen Lauten, die er von sich gab und dachte sich insgeheim tückisch, dass sein Bruder dann wohl doch kein Mädchen brauchen würde, während er seinerseits genervt feststellen musste, dass er selbst auch immer noch hart war und wohl auch zu bleiben gedachte. Entsprechend wanderte seine freie Hand dann auch eher zweckorientiert unter die Decke und umfasste ihn grade in dem Moment, als sein Bruder den Mund aufmachte und Dorian Raphael zum ersten Mal in seinem Leben auf diese Weise stöhnen hörte.


Zuletzt von Newa am Do 29 Okt 2015 - 15:40 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 27 Okt 2015 - 19:21

„Dorian…“, der Name kam ihm ganz unvermittelt über die Lippen, ein Wort, so vertraut wie kein zweites und seine Stimme verriet deutlich, was für Anstrengungen es ihn kostete sich in diesem Moment zusammen zu reißen und ordentlich zu artikulieren. Am liebsten wäre er doch einfach nur unter den geschickten Berührungen seines Bruders zerflossen, während sich sein Rücken wie von selbst durchbog und er, verzweifelt die Decke von den Beinen strampelnd, versuchte dem Spiel seiner Hände mehr Platz zu verschaffen, wo er sich doch zugleich nichts sehnlicher wünschte, der Intensität dieses vernichtenden Gefühls zu entkommen. Der Versuch allerdings blieb nicht mehr als eine vage Idee, da sein Körper bereits begonnen hatte eine ganz andere Sprache zu sprechen, noch ehe sein Kopf zu Ende denken und sich fragen konnte, wie um alles in der Welt er es schaffen sollte, die nächsten Minuten, wenn nicht nur Sekunden zu überleben.
Eine sanfte Gänsehaut zog sich derweil über seine Arme, wanderte die Schultern hinauf und breitete sich über seinen Rücken, als seine Nervenenden die plötzliche Kälte registrierten, welche ihm nun, da die Decke verschwunden war, langsam unter die Haut kroch und ihn daran erinnerte wo sie beide sich befanden – nein, das hier war nicht ihr Zimmer und es lag auch keine weiche Matratze unter ihnen, sie waren nicht zu Hause und er selbst musste sich zusammen reißen leise zu sein. Zelturlaub, Feriencamp, nur sie beide, keine Eltern, doch leider nicht allein – im Gegenteil. „Verdammhhmm… nicht hier!“, zischte er kaum hörbar in die dämmrige Dunkelheit hinein. Seinen Einschätzungen nach war es früher Morgen, sehr früher Morgen und hätte er Zeit gehabt darauf zu achten, wären all die gleichmäßigen Atemzüge um ihn her Beweis genug gewesen, dass der Rest noch schlief, vermutlich viel zu verkatert und müde um zu solcher Stunde bereits auf den Beinen zu sein. Und auch er verwünschte seinen Zwilling im Stillen, konnte ihm jedoch zugleich nicht böse sein, was unter anderem auch, allerdings nicht zuletzt, an der tastend, neckend und drückenden Hand in seiner Hose lag, die gerade dabei war seinem besten Stück eine liebevolle Abreibung zu verpassen. Großer Gott, es war zu gut um wahr zu sein, gerade verboten genug für einen herrlichen Traum und trotzdem mehr als real, wie er seinen eigenen Reaktionen nur zu gut entnehmen konnte. Was konnte er schließlich dafür, dass er, nun ja, was gewisse Dinge betraf ein Frühaufsteher war? Kein Grund diese Schwäche auszunutzen und sich direkt über ihn her zu machen – es war unfair, auch wenn er es liebte so geweckt zu werden, wirklich. Er liebte und verfluchte es zugleich, ebenso wie seinen Bruder, dem er gerade nur zu gern in die Augen hätte blicken wollen, um ihn die Lust und zugleich drohende Rache in seinem Blick sehen zu lassen und anschließend zu kommen, während sie einander in den Armen lagen und ansahen. Aber das war wohl etwas zu viel des Guten und so verlegte er es auf ein nächstes Mal, wohlwissend dass dieses kommen würde, nun da es ihnen hin und wieder nicht mehr ausreichte das Bett lediglich auf brüderliche Weise zu teilen. Die Küsse waren mehr geworden, die Unschuld war einem Verlangen gewichen und über kurz oder lang war klar gewesen, dass Mädchen wohl nicht in Frage kommen würden. Kerle? Vielleicht, manchmal, es war schließlich nicht so, dass sie nicht neugierig wären, doch dabei blieb es auch – bloße Neugierde, rein technisches Interesse, maximal freundschaftliche Gefühle und jeden Abend, wenn sie wieder nebeneinander einschliefen, wurde ihm wieder klar wohin er eigentlich gehörte. Über das richtig und falsch konnten sie sich wann anders Gedanken machen, wirklich, jetzt war garantiert nicht der richtige Zeitpunkt, immerhin bekam er gerade in einem Zelt voller schlafender Menschen einen heimlichen Handjob und kämpfte entschlossen eine letzte Schlacht mit seinem Lautstärkepegel. Nachdenken war fehl am Platz, einfach nur wünschen, hoffen, flehen, dass diese süße Folter bald ein Ende fand und hoffentlich doch bin in alle Ewigkeiten andauern würde – tja, das war wohl ein Widerspruch, doch auch darauf kam es nun nicht mehr an. Stattdessen wurde sein nächstes Stöhnen vom Kissen erfolgreich gedämpft, ehe er sich noch näher an Dorian schmiegte, an seinem Hintern deutlich spürend, dass dieser kleine Überfall auch bei ihm nicht ohne Folgen geblieben war und  mit einem letzten, ergebenen Seufzen übergab er sich dem mehr oder minder erlösendem Gefühl gerade eine ordentliche Sauerei in seiner Jogginghose angerichtet zu haben.
„Musste das sein?“, grummelte er ein klein wenig atemlos, aber er kannte die Antwort bereits und ein Lächeln lag auf seinem sanft geröteten Gesicht, als er sich langsam zu seinem Bruder hinüber rollte, so dass er dessen Züge irgendwo im Halbdunkeln gerade noch ausmachen konnte. Auch er lächelte, vermutlich triumphierend, doch auch ein kleines bisschen gequält - ach ja, er hatte schließlich noch mit seiner Beule in der Schrittgegend zu kämpfen. Und die Tatsache, dass Raphael ihm nun auch noch auf die Pelle rückte und einen verschlafenen Kuss abverlangte, machte es wohl nicht viel besser.
„Mhmm, guten Morgen Dorian“; nuschelte er derweil, angelte gähnend wieder nach der Decke und verkroch sich bis zum Kinn unter dem weichen Stoff, von wo aus er nun auch ein frecheres Grinsen wagen konnte. „Wofür war das denn? Nicht etwa gestern Abend oder– oh, also doch … und du wolltest doch noch tauschen, tss beruhigt es dich, dass ich auch eifersüchtig war?“, stichelte er leise, was sich auf die gestrige Nacht bezog, als sie zur Genüge angetrunken mit einem anderen Pärchen ein kleines Bäumchen-wechsle-dich begonnen hatten. „Tobi hat dich behandelt als wäre es ihm egal wen von uns beiden er abkriegt, nur weil wir gleich aussehen – aber gut, falls ich anschließend immer so geweckt werde lohnt es sich vielleicht, meine Zunge doch noch öfter in fremde Münder zu stecken…“ , provozierte er vergnügt, denn es war gewiss nicht das erste Mal, dass er auf diese Weise erwachte, auch wenn er sich nicht mehr genau entsinnen konnte, wann sie damit begonnen hatten. Hätte er allerdings gewusst, dass sein Bruder darin einst eine Präventionsmaßnahme gesehen hatte um ihn von potentiellen Mädchen fern zu halten, so wäre sein Blick nun garantiert nicht mehr so ernst geblieben, während er ein Stück zur Seite rückte um seinem Zwilling Platz unter der Decke zu verschaffen und ihn mit einem auffordernden Blick hinüber bat. „Na los, bevor ich mir den Hintern abfrieren muss, rutsch rüber Bruderherz, uns wird schon warm“ – gesagt getan, denn kaum dass sie nebeneinander lagen, hakten sich seine Finger bereits in den Hosenbund seines Gegenübers, zerrten diesen langsam tiefer und legten frei, was gerade so sehnlichst nach Aufmerksamkeit bettelte. Den Ständer vorsichtig ertastend schmunzelte Raphael, fuhr mit einem einzelnen Finger sanft über die Länge seines Bruders und leckte sich die Lippen– „Denk dran, wir müssen leise sein, aber zur Not tarn es als Schnarchen oder so, von den Schnapsdrosseln wacht eh keiner auf“, sprachs eine letzte Warnung und tauchte ab, wo er sich unter dem Stoff verborgen ausgesprochen gründlich um eine ordentliche Revanche bemühte.
Was sein Bruder konnte, schaffte er doch mit links – und war nebenbei bemerkt so nett, im das Malheur einer klebrig nassen Hose zu ersparen.  
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 29 Okt 2015 - 16:35

Raphael konnte ein wahrer Sadist im Bett sein, wenn er wollte, dann konnte er die Zeit nach Belieben quälend langsam und rasend schnell vorbei ziehen lassen, man konnte wirklich davon sprechen, dass er einen schneller um den Verstand bringen, als man den solchen gebrauchen konnte, jedenfalls ging es Dorian grade genau so. Als würde er wahnsinnig werden, jeden Augenblick. Als wäre es möglich, jede Sekunde das letzte bisschen Beherrschung über sich zu verlieren und sich ganz dem hinzugeben, mit dem der andere einen lockte. Dieses süße Gift, das sich als Versuchung tarnte, um sich als verführerischer und weniger zerstörend ausgeben zu können, dabei wäre es schon sehr bald vollkommen um ihn geschehen und er würde zu nichts anderem mehr in der Lage sein können, als um Erlösung zu bitten, zu betteln und schließlich zu flehen während Raphael sich einen Spaß daraus machen würde, ihn weiter und weiter und weiter und weiter zappeln zu lassen. Ja, er genoss es. Es kam durchaus manchmal vor, dass sich der unwesentlich Ältere manchmal ebenso diesbezüglich Gedanken machte, wie es ihn immer weiter und weiter reizte, bis jedes einzelne Nervenende für jede einzelne Berührung so unendlich, schrecklich sensibel war, dass in seinem Kopf eine derartig enorme Vermischung an Eindrücken und daraus entstehende Überforderung quoll, dass er schier durchdrehte. Da half alles nichts. Auch nicht, dass er Halt-suchend Finger und auch die Zehen der irgendwo links und rechts von Raphaels Schulterblättern abgestellten Füße abwechselnd angespannt und entspannt in das Laken bohrte, wenn es mal wieder kaum zum Aushalten gut war und entspannt darauf nieder legte, wenn ihm eine kurze Verschnaufspause gegönnt wurde. Allerdings fing sein böser Zwilling irgendwann an, anstehende Attacken als Verschnaufspausen zu tarnen und spätestens daraufhin war es um Dorian geschehen, er schluckte seinen Stolz nach einem tiefen Stöhnen herunter und teilte seinem Bruder mit, dass er nicht mehr konnte, was dieser natürlich nur mit einem kurzen Auftauchen unter der Decke hervor und einem spöttischen Grinsen quittierte, während er sein Becken ziemlich gefühlvoll und mit einer überraschend fließenden Bewegung an Dorians legte, während dieser seine Augen nach einem kurzen Flattern schloss und sich machtlos zurück ins Kissen fallen ließ.
"Raphael, ich kann nicht mehr...", keuchte er vollkommen außer Atem. Mittlerweile war er verschwitzter als nach einer einstündigen Jogging-Tour, dabei unternahm er streng genommen nicht einmal etwas! Raphael machte die ganze Arbeit und zeigte sich grade an dem Punkt, wo für Dorian die Grenze zum endgültig nicht mehr Ertragbaren, weil viel zu gut, überschritten wurde, gnädig, indem er mit statt gegen seinen Bruder arbeitete und dieser dann auch alsbald zum Ende kommen konnte, was heruntergebrochen eigentlich nur daraus bestand, dass er wieder und wieder seinen Namen stöhnte, ehe es dann nach der letzten, überzeugendsten und intensivst gemeintesten Liebesbekundungen ziemlich ruhig um den großen Bruder wurde, der erstmal wie vom Donner gerührt einfach so da lag, die Beine wieder ausgestreckt, auch wenn immer noch so weit gespreizt, dass Raphael dazwischen Platz fand, ehe sich dieser wieder zu ihm hoch arbeitete und es mit der Sprechstundenpause vorbei war.
"Ich... hab total vergessen, wie abartig gut du das kannst.", stotterte er, noch immer nicht wieder ganz Herr seiner Sinne, die nun erstmal wieder eingefangen werden mussten, nachdem Raphael sie mit derart viel Nachdruck auf Reisen geschickt hatte.
"Okay, also wegen mir könnten wir jetzt auch noch ein bisschen liegen bleiben."
Tja, er hatte ihn erfolgreich leer gespielt, das grade reichte ihm fürs Erste wirklich aus, er hätte grade ehrlich nichts gegen eine kleine Weile Augen-Zumachen. Allerdings gab es da etwas, das er grade auch sehr gern wollte.
Behutsam rollte er sich und seinen Bruder auf die Seite und gab ihm seinen wohlverdienten Kuss, ehe er ihm durchs Haar strich und ihn für eine kurze Weile einfach nur bewundernd und leicht ungläubig ansah, als sei er zu gut, um wahr zu sein und er traue dieser wundervollen "Realität" hier grade noch immer nicht ganz über den Weg.
"Was machst du bloß mit mir?"
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 29 Okt 2015 - 21:48

Raphael lächelte – er konnte es immer noch, wie sein Bruder gerade deutlich erfahren hatte, selbst nach all der Zeit war er immer noch im Stande ihn um seinen brillanten Verstand zu bringen und das machte ihn seltsam stolz. Dorians Herz war nicht das einzige, welches gerade hoch und höher schlug und sich des Lebens erfreute, auch wenn es vielleicht ein klitzekleines bisschen mehr Recht dazu hatte, immerhin hatte der Jüngere seinen Zwillings gerade mehr oder weniger ins Jenseits der emotionalen Verkraftbarkeit und wieder zurück geschickt. Nicht umsonst trugen diese bedeutsamen kleinen Sekunden der absoluten Ekstase den Beinamen le petit mort und so gesehen war Dorian gerade zwar nicht in seinen Armen, doch unter seinen Küssen gestorben und an alldem was eine geschickte Zunge sonst noch so anzustellen vermochte. Und er hatte sein Bestes gegeben, somit hatte er durchaus Grund stolz auf sich zu sein und das Glück zu genießen hier mit seinem Bruder zu liegen, während sie beide spüren konnten, wie die Welt ausnahmsweise einmal nicht gegen sie war.
Durch das Fenster fielen sanfte Streifen des Sonnenlichts, ließen den Staub glitzernd tanzen, die Vorhänge wehten noch immer verschlafen im Raum und es roch nach Frühling, morgendlichem Sex und ihnen beiden – müde, aber selig.
„Grade mache ich gar nichts“, antwortete er mit einem leichten Schmunzeln, tastete langsam nach Dorians Hand und ergriff diese sobald er sie fand. „Und das gerade eben ... naja, ich hab zumindest gehofft, dass du nicht lang genug ohne mich warst um sowas grundlegendes zu vergessen, aber ich kann es dir gerne nochmal erklären“, frotzelte er leise, da eine ehrliche Antwort so viel schwerer zu finden war. Er wusste doch selbst nicht, was mit ihnen beiden geschehen war und immer wieder geschah, sobald sie sich sahen – als wären es mehr als Gefühle, sondern irgendeine hintergründige Reaktion, wie ein Magnetismus, der sie immer wieder zueinander zog. Viel zu kompliziert, als dass es ein paar Sticheleien nicht auch getan hätten und mit ernstem Blick verschränkte er die Finger mit denen seines Zwillings, führte die Hand in seiner sanft zu seinem Mund und gab ihm einen vorsichtigen Kuss auf den Handrücken. Und dann noch einen und noch einen, als müsse er immer wieder auf neue die weiche Haut spüren um zu realisieren, dass er menschlich, echt und hier war.
Doch  nach wie vor war da dieser ganz bestimmte Geschmack in seinem Mund und es waren sicherlich nicht die Pancakes, welche ein solches Gefühl hinterließen – „Ich mache mit dir, dass du mich liebst und du tust umgekehrt dasselbe, indem … indem du einfach nur hier liegst und dein Hemd dahinten und du zerzauste Haare und rote Wangen hast und mich küsst. Das ist alles.“, womit es tatsächlich nichts mehr zu sagen gab, doch das war egal. Es gab im Moment schließlich wichtigeres, viel wichtigeres: Er wollte Pfannkuchen. Der Gedanke hatte ihn wieder darauf gebracht und nun ging dieser plötzliche Appetit nicht mehr aus seinem Kopf. Das Schweigen nutzte Raphael also um sich leise ächzend weit genug hinüber zu wälzen um mit gestrecktem Arm nach dem Teller mit dem Frühstück zu angeln, sich ein ganzes Stück abzureißen und anschließend grinsend in den Mund zu schieben, ehe er auch seinen Bruder mit einem Fetzen des leckeren, klebrigen und sirupgetränkten Pancakes fütterte.
„Mich freut übrigens, dass du so gerne noch ein wenig im Bett liegen bleiben magst“, erklärte er währenddessen mit einem deutlich belustigten Unterton und schleckte sich nicht anschließend ohne einen ausgesprochen anzüglichen Blick den Ahornsirup von den Fingern, bevor er auch das letzte bisschen Rest der verlockenden Süße von Dorians Lippen zu küssen begann und wieder näher an ihn heran rückte. „Und nachher…nachher können wir immer noch spazieren, aber jetzt sind wir erstmal hier, okay? Es ist grade so schön.“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 3 Nov 2015 - 22:11

Schweigend lag er da und starrte zu Raphael herüber. Was hätte er darauf auch noch sagen können während sein Zwilling ihm sanfte Küsse auf den Handrücken drückte, ehe er über ihn hinweg griff und wenig später damit anfing, ihn mit zerrissenen Pfannkuchenfetzen zu füttern, ihm mitteilte, dass er sich bestens darüber amüsierte, wie manipulierbar seine Tagespläne doch waren, sich die klebrigen Pianistenfinger von dem Sirup frei leckte wie eine Katze in der Gestalt eines unverschämt gutaussehenden und verführerischen Kerls und ihn im Anschluss küsste.
Er nickte ergeben und hauchte in einer kleinen Zwischenpause ein leises, lächelndes "Ok" zurück. Wie könnte er ihm auch je etwas abschlagen? Und es war ja auch wirklich einfach nur noch schön grade, die ganze morgendliche Atmophäre und es ging ihm momentan so gut, dass man sich beinahe schuldig fühlen könnte. Aber eben auch nur beinahe...
"Wie kannst du nur so perfekt sein, Raphael? Ich meine...", nach Worten ringend lächelte er ihn nur hoffnungslos gefangen im Anblick seiner Augen an und unterdrückte ein leises Lachen, "... das ist doch unfair. Wie könnte je jemand das Gefühl haben, dich zu verdienen? Du bist zu gut für einen einfachen Menschen. So wie du... so wie du bist, verdienst du etwas, was es gar nicht geben kann. Und stattdessen musst du nun mit mir Vorlieb nehmen... ist das nicht irgendwie frustrierend?"
Nun war es an ihm, die vernarbte Hand seines Bruders zu küssen, wobei er seine Lippen ein Stück weit über die leicht aufgeraute Oberfläche der Narbe rutschen ließ.
"Ich glaube, ich bin von dir besessen, kleiner Bruder."
Nachdenklich schaute er zu ihm herüber und nickte irgendwann leicht, wie um seine eigene These zu bestätigen.
"Und ich liebe dich außerdem. Hab ich dir das heute schon gesagt?"
Ein schelmisches Lächeln trat auf sein Gesicht, er rollte sich auf den Rücken, zog Raphael nach sich, angelte nach einen Pfannkuchen, rollte ihn auf und konstruierte daraufhin dann doch noch irgendwie die Susi und Strolch Spaghetti-Situation, was eine ganze Weile später damit endete, dass sein Bruder einen ansatzweise Herz-förmigen Knutschfleck am Hals davon trug und sein Gehirn irgendwann keine Endorphine mehr übrig hatte, um sie weiterhin auszuschütten, zumindest fühlte es sich so an als er aus heiterem Himmel plötzlich beim Beobachten des flatternden, seidig-weißen Vorhanges stiller wurde und sich etwas in sich zurück zog.
"Du hättest sie nicht heiraten dürfen..."
Kaum waren die Worte aus seinem Mund gefallen, hätte er ihn sich am liebsten zugehalten, um eine Wiederholung zu vermeiden und die sechs Wörter schnell wieder eingesammelt und zurück an den Ort der Entstehung gestopft, nur um sie irgendwie ungeschehen zu machen. Was fing er auch jetzt wieder damit an?! Er konnte das doch nicht bringen, wieso wollte er ihm denn jetzt mit Gewalt ein schlechtes Gewissen einreden und so die Stimmung versauen? Und trotzdem konnte er es nicht ungeschehen machen und sich ebenso wenig von seinem Bruder losreißen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 4 Nov 2015 - 21:32

Nachdenklich lag Raphael da, tastete versonnen nach seinem liebevoll malträtierten Hals und dachte nach. Zumindest machte er den Eindruck, denn seine Antwort ließ lange auf sich warten und kam sicherlich nicht von ungefähr, auch wenn es schwer zu ertragen war in einer solchen Situation an Catherine erinnert zu werden. Es wollte sie so sehr vergessen – nicht für immer, nicht einmal vollständig, nur lang genug um Dorian glücklich machen zu können. Das wiederrum würde nur funktionieren wenn auch er es war, denn selbst ihre Gefühle schienen ein Spiegelbild voneinander. Oder möglicherweise auch nicht, vielleicht hinkte der Vergleich und sie waren viel mehr zwei Abzüge derselben Fotographie, während allerdings Dorian das farbenfrohe Positiv darstellte, war er selbst das oftmals gräuliche, merkwürdig verzerrte und dennoch vertraute Negativ des Bildes, zwei Seiten derselben Münze und seelisch verbunden wie siamesische Zwillinge. Deswegen würde es auch so wehtun – doch jetzt noch nicht.
„Ich weiß“, seufzte er deswegen leise, geradezu versöhnlich „Ich weiß. Und du hättest mich nicht verlassen und unsere Eltern hätten uns nicht trennen dürfen, aber es ist nun mal passiert und jetzt, gerade in diesem Moment sollten wir nicht hier liegen und was tun wir?“, aus dem Augenwinkel linste er zu Dorian hinüber, schenkte ihm ein Lächeln, um über diese harten Worte hinweg zu trösten und schluckte schwer. Irgendwann mussten sie gesagt werden – laufen und reden, das war der Plan gewesen, denn so gern er auch nur da lag und den Tag träge verstreichen ließ, so dringend war es doch, dass sie sich endlich aussprachen. Das hier war eine der wenigen, kostbaren Chancen, denn andernfalls würde es ihre Seele zerfressen – der Vorwurf war seinem Bruder sicherlich nicht leichtfertig über die Lippen gekommen, nicht unbegründet und er war berechtigt. Nur ändern würde sich nichts. Doch es tat gut zu wissen, was der andere dachte, sogar sehr gut.
„Weißt du, Bruderherz, manchmal wünsche ich mir fast, du würdest mich anschreien … wütend, so richtig wütend, dann könnte ich mich fühlen, als hätte ich wirklich etwas falsch gemacht und trotzig und sauer sein und … und mich nicht fühlen, als wäre ich einfach nur ein Versager – nein, sag nichts, okay? Ich weiß dass du vielleicht anders denkst, aber man akzeptiert eben die Liebe, die man glaubt zu verdienen und ich habe es verdammt nochmal nicht verdient, dass du bei mir bist, während irgendwo zu Hause meine Frau auf mich wartet…“, Raphael endete indem er sich wieder auf seine Seite der riesigen Matratze rollte und zum ersten Mal an diesem Tag wirklich aufsetzte, was sein Kreislauf ihm sogleich heim zu zahlen gedachte und er erst einmal einige Sekunden brauchte um sich zu sammeln. Kurze Augenblicke die seinem Zwilling sie Zeit gaben das eben gesprochene zu verarbeiten, ehe sich der Jüngere bereits wieder hinüber beugte um die Spannung zu zerstreuen, indem er Dorian freundlich durch das dunkle Haar wuschelte und ihm noch einen Kuss gab. Er konnte nicht genug von ihm bekommen, ihn nicht oft genug schmecken, fühlen, spüren, sehen, ehe sich ihre Wege wieder trennen würden – und er wusste es auszunutzen. Jede einzelne Minute.
„Du kannst es nicht oft genug sagen, mein Schatz – und frustriert bin ich nicht, keine Spur, nur überglücklich, also komm jetzt … ich bin mir sicher die Natur ruft uns schon! Du hast versprochen, dass du mit mir ausgehst, also musst du zuerst mit mir raus gehen – ein bisschen Sonne tanken“, erneut griff er nach seiner Hand, diesmal um sie festzuhalten und seinen großen Bruder mehr oder weniger effektiv aus dem Bett zu zerren. Sie mussten dringen etwas anziehen und ein wenig auf andere Gedanken kommen, was eignete sich also besser dafür als ein sinnloser Entspannungsspaziergang durch das frühlingshafte Grün des nahe gelegenen Wäldchens?
„Und außerdem kennt uns hier keiner, also werde ich dich zwingen müssen Händchen zu halten. Ich hoffe, das ist dir klar.“ Und mit diesen Worten pflückte er das Hemd von der Stehlampe, schlüpfte hinein und schloss die ersten Knöpfe – jetzt war es seins. Und es roch nach Dorian.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 8 Nov 2015 - 15:56

Langsam aber sicher keimte in Dorian der dringende Verdacht, dass das hier wirklich nicht gut für ihn war. All das hier... sein Bruder. Es fühlte sich gut an, solange es weilte und in Wirklichkeit machte es ihn nur entsetzlich und unheilbar krank, riss tiefe Krater in seine Seele und zerstörte ihn nachhaltig Stück um Stück wie ein Parasit, der seinen Wirt aus eigener Profitsucht am Leben ließ bis er ihn nicht mehr gebrauchen konnte und gnadenlos verenden ließ. 
Aber natürlich wurde dieser Aspekt so schnell verdrängt, dass er ihn selbst kaum aushegen konnte. Ein einfacher Schutzmechanismus. Stattdessen nahm er Vorlieb damit, Raphael dabei zu beobachten, wie er auf die Beine kam, ihm sein letztes Hemd stahl und Bemerkungen übers Händchen-Halten machte, sie ihm ein Lächeln aufs Gesicht zauberten.
"Manchmal wünschte ich, wir wären keine Zwillinge... und würden uns nicht ähnlich sehen. Dann könnte ich dich entführen und irgendwo gaaanz weit weg als meinen Freund ausgeben..."
Ein bisschen träge tat er es ihm gleich und verließ das Bett.
"Stell dir das mal vor..."
Ein verträumter Ausdruck nahm sich Gesicht ein, während er sich leise seufzend streckte, kurz gähnte und seine Gelenke knacken ließ, bis seine Muskeln allesamt einmal aufgeschüttelt waren, wie man es mit verknautschten Daunenkissen am Morgen beim Lüften eben auch tun sollte.
"... nie mehr Gedanken machen... oh Gott, ich würde nie wieder aufhören, dich zu küssen. Ich würde deine Hand so lange halten, wie ich atme und dich so lieben, wie du es verdienst. Weil du nämlich alles verdienst, was gut für dich ist, kleiner Bruder."
Verspielt schlug er die abgelenkten Hände seines Zwillings weg und machte sich daran, dessen Hemd, das ja eigentlich seines war, wieder aufzuknöpfen, weil Raphael es nicht hinbekommen hatte, es richtig zuzuknöpfen und er am Ende aussehen würde, wie ein kauziger, sexy aber alleinstehender Philosophieprofessor, der mit der gnadenlosen Wirklichkeit des täglichen Lebens überfordert war während er sich gedanklich anspruchvollsten Problemen annahm.
"Stell dir vor, wie unkompliziert alles wäre, wenn wir nicht dieselben Eltern hätten.. Wie glücklich wir sein könnten. Wie einfach alles wäre."
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 8 Nov 2015 - 20:01

„Du müsstest mich gar nicht weit weg entführen, denn wer außer unsere Familie oder engsten Freunde wüsste dann schon, dass wir Brüder sind?“, gab er zu bedenken, während er beobachtete wie Dorian Knopf für Knopf seines Hemdes nun in richtiger Reihenfolge schloss, ihm seinen Kragen zurecht rückte und sich letztlich, anscheinend zufrieden mit seinem Werk, wieder umwandte. Schließlich brauchte auch der Ältere irgendein Oberteil, seines hatte Raphael ja gerade leise, aber sicher an sich gerissen und würde es so schnell auch nicht wieder heraus rücken. Im Gegenteil, vermutlich hätte er es sogar mit nach Hause und ins Bett genommen, wie ein vertrautes Schmusetuch, das all die schlechten Träume vertrieb – doch das wiederrum hätte er Cat wohl nur schwerlich erklären können, weshalb sie es wohl bei diesem Urlaub belassen mussten. Und erneut erinnerte er sich daran, dass jeder einzelne Moment dieser Zeit zu genießen war, selbst die Sekunden, die sein Bruder mit dem Rücken zu ihm stand, da er sich an einem der Regalfächer zu schaffen machte, die Hauptsache war schließlich, dass er hier war, hier bei ihm und nirgendwo anders.
„Aber wir wären nicht dieselben, zumindest glaub ich das nicht, immerhin wären wir dann nicht gemeinsam aufgewachsen, wüssten nicht wie es ist Tag für Tag im selben Bett aufzuwachen oder die Tage am Strand verbringen zu können und wie es ist dich zu lieben“, selbst wie er in diesem Moment davon sprach deutete auf die merkwürdige Selbstverständlichkeit hin, welche mit diesen Gefühl und ihrer gemeinsamen Vergangenheit einher ging. Es hatte nie eine Distanz zwischen ihnen gegeben, nie ein Kennenlernen und die Sehnsucht der Trennung hatten sie erst viel später erfahren müssen.
„Wir wären eben wir irgendwelche Kerle, die sich irgendwann kennen lernen und mögen und nett finden und auf Dates gehen können und es wäre schön Dorian, wunderschön vermutlich, ja okay – aber niemals so perfekt wie das hier.“
Und mit diesen Worten trat er hinter ihn, schnappte sich die Krawatte nach der sein Zwilling gerade eben hatte angeln wollen und warf sie zurück in den Schrank, ehe er die Arme um seinen großen Bruder legte und sanft dessen Nacken liebkoste. Wie schon gesagt perfekt.
Im Moment brauchte es nichts weiter als ihn um seine kleine Welt zu vervollständigen. Hätten sie also nicht bereits andere Pläne gehabt, wäre er vermutlich für immer und alle Zeit hier stehen geblieben, hätte die Zahl seiner kleinen Küsse ins unermessliche getrieben und wäre langsam mit seinem Zwilling verwachsen, wie zwei junge Bäume, welche sich bereits von Beginn ihres Lebens an die Wurzeln teilten. Ihre Herzen hätten im selben Takt schlagen können, ihr Atem hätte sich einen gemeinsamen Rhythmus gesucht und niemandem wäre es möglich gewesen sie zu trennen.
Vielleicht eine beängstigende Vorstellung, allerdings nicht in seinen Augen, im Gegenteil.
Doch sie hatten bereits etwas vor. „Hm, ich glaube wir wollten los…“, murmelte er leise, als die Realität wieder vorsichtig bei ihm anklopfte und mit einem entschiedenen Seufzen ließ er die Tagträume ziehen, schloss das Fenster und suchte sich selbst die restlichen Kleidungsstücke beisammen. Am Ende fehlten nur noch die Schuhe, die allerdings im Flur auf die beiden warteten und als sie irgendwann gemeinsam hinaus an die frische Luft traten bereute er seine Entscheidung keineswegs.
Es schien, als könne er seit Ewigkeiten wieder durchatmen und mit jedem Schritt in die Natur hinein, wurde das Gefühl stärker, endlich an einem Ort angekommen zu sein, der sich ein zu Hause nennen ließ. Zwar kannte er die Hütte keine zwei Tage noch war er je in diesem Wald unterwegs gewesen, aber Hand in Hand mit Dorian, war dieser Spaziergang wie ein Puzzlestück ihrer Kindheit. Ein greifbares Déjà-vu nur viel, viel besser. Denn er kam schließlich nicht umhin ihn mit Catherine zu vergleichen und seine Frau hätte diese Umgebung ob sie wollte oder nicht, wohl eher durch die beruflichen Augen einer Landschaftsgärtnerin betrachtet, während sein Bruder einfach nur er selbst war, schwieg und sie im Stillen gemeinsam das aufkeimende Grün des Frühlings genossen.
„Danke – für das Haus meine ich … und dafür, dass du jetzt hier bist. Es ist wirklich wundervoll“, und mehr gab es dazu wirklich nicht zu sagen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 13 Nov 2015 - 22:29

Die Leute reden. Das hielt er ihm innerlich entgegen, auch wenn er seine Gedanken für sich behielt und stattdessen weiter nach einem Ersatz für sein entwendetes Hemd suchte.
„Nein... Raphael, das stimmt nicht.“, meinte er dann allerdings doch stirnrunzelnd als sein Zwilling fortfuhr, während seine Finger sich unbewusst am Stoff eines grauen Kaschmir Pullovers zu schaffen machten.
„Ich würde dich immer lieben. Ich könnte gar nicht anders. Selbst wenn du am anderen Ende der Welt geboren worden wärst, als 60 Jahre ältere japanische... Kalimarifischerin oder was weiß ich... ich hätte dich nur finden müssen und ich würde dich lieben, weil du du wärst. Weil ich deine Seele liebe. Ich bin ja... ich bin ja nicht krank, zumindest liebe ich dich nicht nur deswegen, weil du mein Bruder bist und wir eine gemeinsame Vergangenheit haben, ich weiß nicht, ob es das besser macht, aber deswegen liebe ich dich nicht, ich liebe dich wegen dir. Deiner Art. Wir könnten doch nie nur irgendwelche Kerle sein, die sich normal auf einer Party kennen lernen und dann irgendwas miteinander anfangen... Nein. Das wäre Liebe mit de, ersten Moment an dem ich dich wahrgenommen hätte. Es wäre perfekt. Und nach einer Weile wäre es so, als würden wir uns schon ein ganzes Leben kennen...“
Ein kleines neckendes Schmunzeln passierte seine Züge und er wandte sich leicht um, um die Nasenspitze seines kleinen Bruders mit einem kurzen Schnipsen zu versehen.
„So facettenreich bist du nämlich auch wieder nicht, Raphael Maynard, dass man dich nicht innerhalb von ein paar Jährchen in- und auswendig lernen könnte... und das würde mir Spaß machen. Ich würde ziemlich viel Freude dabei haben, zu lernen.“, zog er ihn auf, wandte sich schließlich vollkommen zu ihm um und legte seine Stirn einen Moment gegen die seines Zwillings, ehe er die Lippen nochmal zu deren spiegelverkehrten Ebenbildern wandern ließ. Allerdings nicht für allzu lange, denn Raphaels plötzlich aufkommendes Verlangen nach frischer Luft und Sonnenschein trieb sie in die Arme des angrenzenden Wäldchens, was streng genommen nicht mal eine sonderlich schlechte Idee war, selbst wenn er auf das Dankeschön hätte verzichten müssen.
„Nichts zu danken. Ich bin froh, hier zu sein. Mit dir...“
Es tat so gut, mal die Wahrheit sagen zu können. Seit so langer Zeit hatte er so viel lügen müssen, dass es beinahe zur Gewohnheit geworden war, auf einmal wieder das laut aussprechen zu können, was einem durch den Kopf ging, hatte etwas eigenartig befreiendes. Als würde man lernen, richtig durchzuatmen oder gerade zu gehen. Es tat gut, auch wenn es davor auch möglich gewesen war, weiter zu machen. Und auch würde er jetzt nicht alles aussprechen, was er sich im Stillen dachte, wie zum Beispiel, seinen Bruder darum zu beten, um Gottes Willen endlich den verdammten Ring abzunehmen, ihn in den Koffer zu schmeißen und ihn erst wieder aufzusetzen, wenn Catherine ihn am Flughafen abholen würde, weil es ihm weh tat, seine Hand zu halten und ihre Präsens zu spüren, aber zumindest entsprach das, was er laut aussprach, der Wahrheit.
„Ehrlich gesagt kann ich mir nichts Schöneres vorstellen.“
Und das, obwohl sie im Prinzip nur nebeneinander her durch die Natur liefen und bloß redeten, es sogar nicht allzu lange Zeit später anfing, aus wörtlich kurz zuvor noch heiterem Himmel heraus wie aus Eimern zu schütten und sie vollkommen durchnässt, bis zu den Knien hoch mit Schlamm bespritzt und völlig außer Atem, größtenteils wegen des Lachens aber auch wegen des Rennens, wieder an der Hütte ankamen, die Tür laut lachend ins Schloss geworfen wurde und sie sich gegenseitig erst mal aus den klitschnassen Klamotten schälten ehe sie gemeinsam unter eine im wahrsten Sinne heiße Dusche hüpften.
„Lass uns heute Nacht nicht schlafen gehen, ja? Wir bleiben einfach auf so lange wir können, die ganzen nächsten Tage. Ich habe solche Angst, ich wache auf und bin nicht mehr hier bei dir weil das alles nur ein Traum ist.“
Mit einem seligen Ausdruck fuhr er mit einer Ecke des Handtuchs durch die Haares seines Bruders während sie beide vor dem Spiegel standen und er sich einen Moment in dem Anblick von ihm und seinem Bruder gemeinsam verlor. Er hatte schließlich vor vielen, vielen Jahren mit ihrer Kindheit seine Selbstverständlichkeit verloren und war es mehr als nur wert, ihn sich genau einzuprägen für die Zeit, die kommen würde, sobald sie zurück reisten.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 20 Nov 2015 - 12:09

Lachen schüttelte er den Kopf, so dass einige flinke Tropfen sich aus seinen Haaren lösten und munter durch den Raum flogen, auf dem Spiegel landeten und das merkwürdig real wirkende Bild von vier, sich gegenüberstehenden, Klonen zerstört wurde. Es war nur eine Scheibe, während Dorian, hier neben ihm, tatsächlich Wirklichkeit war und gerade wieder schaffte er es beinahe seinem jüngeren Bruder mit diesem fantastisch bescheuerten Plan den Kopf zu verdrehen. „Du weißt schon, dass man nach einigen Tagen Schlafentzug einige nicht besonders angenehme Halluzinationen bekommt?“, warf er gespielt kritisch ein, doch selbst gemeinsame Wahnvorstellungen hatten etwas eigenartig Verlockendes an sich. Es schien, als hätte die Dusche nicht nur sie beide, sondern die ganze Welt gewissermaßen rein gewaschen – die Farben waren ein klein wenig heller, seine Stimmung ein klein wenig sonniger und es war, als könnte sich ihnen nichts und niemand mehr in den Weg stellen. Nicht, dass es hier jemanden gegeben hätte, doch es war einfach alles möglich.
Unbesiegbar, so wie sie sich als Teenager gefühlt hatten, wenn sie es mal wieder geschafft hatten, jemanden mit ihrem Verwechslungsspiel zu verwirren und danach laut Prustend um die nächste Ecke verschwunden waren oder gemeinsam nach irgendeiner dämlichen Party gemeinsam durch die nächtlichen Straßen liefen, obwohl sie auch den Bus hätten nehmen können, einfach um in aller Ruhe noch ein klein wenig Zeit zusammen zu verbringen, während die Welt quasi still stand.
Straßenlaternen, warmer Asphalt und nur sie beide, genau dieses Gefühl war es, das ihn nun wieder erfüllte – „Aber weißt du was? Ich halte es für eine ganz großartige Idee großer Bruder – wer braucht schon Schlaf, wenn er stattdessen auch dich haben kann?“, und mit einem Grinsen bekam dieser einen Kuss auf die Wange, ehe Raphael sich wieder seinem Spiegelbild zuwandte. Eine Augenbraue skeptisch in die Höhe gezogen musterte er den Anblick und während Dorian wie immer absolut tadellos perfekt schien, machte sein eigenes Auftreten einen leicht herunter gekommenen Ausdruck. „Denkst du der Bart sollte ab?“ Immerhin war es nicht länger nur die harmlose Drei-Tage-Version sondern irgendwas, das ganz gewiss in Richtung einer Woche oder länger ging – hm, zugegeben, manchmal war er einfach nur ein wenig zu faul, bei seiner Arbeit scherte es keinen und auch Cathy konnte damit leben. Doch jetzt sein lebendiges Ebenbild vorgesetzt zu bekommen, war dahingegen wohl eine andere Sache. „Oder magst du ihn? Oh Gott, wetten, dass ich mit Vollbart einfach nur aussehen würde wie Grandpaps auf alten Fotos?“ – okay, vielleicht doch lieber nicht. Zwar hatte er sich schon immer gerne die alten Fotoalben ihrer Großeltern und auch Eltern angesehen, doch ganz gleich wie schick die alten Bilder auch waren, es wäre an dieser Stelle wohl doch etwas fehl am Platz. Mal ganz abgesehen davon, dass es einen Unterschied zwischen ihnen kreieren würde und nun ja, das wollte er irgendwie nicht. Er sah in Dorian seinen Zwilling und ja, in gewisser Weise auch die Ähnlichkeit, wenn gleich dies mehr einer Gewohnheit entsprang als seinem persönlichen Geschmack – kein Narzissmus, wirklich nicht. Sein Bruder war auf gewisse Weise viel hübscher und wer weiß, vielleicht hatte er tatsächlich recht gehabt und sie würden sich lieben, ganz egal wo auf der Welt sie geboren worden wären. Andererseits waren sie aus ein und derselben Zelle hervor gegangen und sofern man an Dinge wie eine Seele glaubte, wäre es doch nur allzu logisch, wenn sie sich zwei Teile, ein und derselben teilten – wie sonst, würde man sich diese Liebe erklären können?
Es war schließlich schon schwer genug, einfach nur hier neben ihm zu stehen und sich anschließend wieder ordnungsgemäß anzuziehen, bei dem alleinigen Gedanken, dass diese Zeit ein Ende haben könnte, ja sogar ein Ende haben würde. Und Gott, er wollte sich wirklich nicht ausmalen, wie sie es überstehen sollten, denn so sehr er sich auch anstrengen würde, gab es keine einzige realistische Möglichkeit – sie würden zerbrechen, und wie.
„Hm, denken wir sollten wach bleiben – ich denke, wir müssen sogar wach bleiben Dorian. So lange es geht, ehe wir irgendwo total übermüdet einschlafen. Aber erst kommt der Bart ab, ehrlich, du kannst mir nicht erzählen, dass das okay aussieht“, und mit diesen Worten machte er sich daran, seinen, aus reinster Unordnung bestehenden Waschbeutel, nach dem Rasierer zu durchwühlen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 13 Dez 2015 - 21:59

Für den Moment konnte der ältere Zwilling gar nichts erwidern, da auch er sich ein bisschen im gemeinsamen Spiegelbild verloren hatte. Als sein Bruder dann allerdings damit anfing, sich anzukleiden und den Rasierer zu holen, hielt er ihn irgendwann dann doch am Handgelenk zurück und zog ihn zu sich zurück auf die Holzbank vor den Ganzkörperspiegel neben der Badezimmertür.
"Er steht dir, der Bart. Ich mag ihn.", antwortete er ihm ehrlich, während er sanft den Kopf seines Bruders zu sich drehte, ihm das Haar zurück strich und ihn eingehend betrachtete wie das vollkommene Kunstwerk, das er für ihn darstellte.
"Du siehst damit aus wie ein richtiger Naturbursche!"
Ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln und wenig später sank er vor Lachen ein bisschen in sich zusammen, ehe er stoß-weise Luft holte und einmal kräftig niesen musste.
"Oh mein Gott... bitte entschuldige."
Schnell griff er nach der Box mit den Taschentüchern und putzte sich die Nase, die daraufhin genau zwei Minuten frei blieb und verfluchte insgeheim den Regen, der sie überrascht hatte.
"Aber ich meine es Ernst, der Bart sieht toll an dir aus, er steht dir ehrlich... ganz im Gegensatz zu dem unmöglichen Hemd!"
Besagtes Kleidungsstück wurde dann auch sogleich wieder von Raphaels Schulter gestreift bis es nur noch lose auf halber Höhe von den Ärmeln in den Armbeugen gehalten wurde, einzig und allein zu dem Zweck, dass er seine freigelegte Schulter küssen konnte, zumindest, bis er dann doch fröstelnd den bereithängenden, wundervoll warm und weich aussehenden Bademänteln einen sehnsuchtsvollen Blick zuwarf, der beinahe auch Raphael hätte gelten können.
"Oh shit... Bruderherz? Haben wir irgendwo ein Fenster offengelassen und es zieht oder werd ich grade ernsthaft wegen dem bisschen Regen eben krank?", jammerte er los, stand auf, schnappte sich ein weiteres Taschentuch und den Bademantel und mummelte sich naseputzenderweise hinein.
"Ich will nicht krank werden, wir haben nur die paar Tage zusammen, das darf doch jetzt wohl nicht wahr sein! Mach was!"
Verzweifelt musterte er den anderen während er fröstelnd die Arme um sich legte und die Augen verdrehte.
"Ich bin wirklich einfach so dämlich, ich hab noch nicht einmal den Wetterbericht gecheckt seit wir hier sind aber Hauptsache ich mach erstmal einen Spaziergang mit dir... oh Gott, dir gehts doch gut, oder? Komm mir bloß nicht zu nahe, ich bin bestimmt ansteckend... ach verdammt!"
Sein Blick fiel auf den verspiegelten Schrank und er meinte, sich an diverse kleine Döschen erinnern zu können, als er ihn am ersten Abend mal geöffnet hatte. Als er diese dann allerdings betrachtete und feststellte, dass sie dankenswerterweise nur in einer Sprache beschriftet waren, die er nicht mal ansatzweise sprach, seufzte nur kurz auf, bat seinen Bruder, ihm einen Tee zu kochen, hauptsächlich, um ihn von sich fern zu halten, schnappte sich sein Telefon und googlete erstmal die ganzen Namen der Medikamente, bis er sich ziemlich sicher war, dass vier Esslöffel von dem Saft in der großen, braunen Flasche gegen die aufkommende Erkältung arbeiten würde. Um sicher zu stellen, dass sie morgen auch wirklich weg war, nahm er fünf (ungeachtet der Tatsache, dass die Packungsbeilage von Tee- statt Esslöffeln sprach, was er allerdings völlig falsch übersetzt hatte) ein, schlang sich zusätzlich zu dem warmen Bademantel noch in eine Decke nachdem er warme Socken übergezogen und Pantoffeln gesucht hatte, ehe er sich seinen Weg hinab zu seinem Bruder in die Küche bahnte, sich in den Türrahmen stellte und seitlich gegen den Balken lehnte.
"Morgen bin ich wieder fit, versprochen, ich ersticks im Keim."
Das bekräftigende Nicken stand in dem Moment wirklich im krassen Gegensatz zu seinem Befinden, das er, zunächst auf die aufkommende Erkältung schiebend, nun aber in seinem plötzlichen Auftreten dann aber doch nicht mehr ganz erklären konnte. Jedenfalls war die mehr als doppelte Menge der Arznei selbst bei dem erwachsenen Mann im Moment ein kleines aber feines Problemchen.
"Raphael..? Ich fühl mich irgendwie..."
Wie genau er jetzt von der Küche ins Bett gekommen war, wusste Dorian, als er die Augen wieder aufmachte, dann auch nicht mehr so genau.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 13 Dez 2015 - 22:52

Naturbursche? Hm, es war nun nicht gerade sein Ziel auszusehen wie der Ziegenpeter oder ähnliche Figuren, welche sich laut idyllischer Darstellungen der Medien in diesen Breiten der Welt tummelten, doch was Dorian gefiel, konnte er so einfach auch nicht wieder vernichten. Eine längere Diskussion wiederrum fiel aus, da sie sich gemeinsam einem viel dringenderen Problem zu stellen hatten – Schnupfen. „Oh nein, du Armer – doch bestimmt war es sogar der Regen!“, fiel er ihm sogleich ins Wort, gab ihm trotzig wie er nun einmal sein konnte trotz der bakteriellen Gefahr einen entschlossenen Kuss auf die Stirn und seufzte leise. „Wir hätten uns wärmer anziehen sollen, so was passiert ganz schnell, bei so einem Wetter merkt man die Kälte kaum, aber sie kriecht einem in die Knochen. Mach dir keine Sorgen Schatz, ich bin mir sicher, ich fang mir das Zeug so oder so noch ein, also pssch“, und mit tapferer Entschlossenheit wurde der nächste Angriff zielsicher auf den Lippen seines Gegenübers platziert, ehe Raphael auf seine Bitte einging und sich brav in Richtung Küche verzog.
Sein Bruder würde es wohl hinbekommen sich selbst entsprechend zu versorgen, immerhin war er ein erwachsener Mann und hatte Jahre seines Lebens alleine gelebt – gewiss wusste er was zu tun war. Und doch musste der Jüngere sich dies ganz entschieden einreden, während er mit dem Wasserkocher zu Gange war, um nicht doch noch einmal umzukehren, seinen Zwilling bei der Hand zu nehmen und umgehend ins nächste Bett zu packen. Doch würde er selbst gerne derartig bemuttert werden? Hm, okay ganz ehrlich – im Falle von Dorian wäre es vermutlich nicht einmal so übel, andererseits … erwachsene Menschen und so weiter, Tatsache – er hatte mittlerweile schließlich sogar einen schicken Bart. Er war ein Naturbursche. Er würde seinen Bruder für fünf Minuten unbeaufsichtigt lassen können.
Stattdessen machte er sich also daran seine grauen Zellen zu aktivieren, zumindest den Teil des Ganzen, der etwas über die passende Teesorte gegen Erkältungen beizutragen hatte –Kamille, Fenchel, Minze? Irgendein Zwischending vermutlich und so griff er schließlich nach etwas, das wirkte wie ein vertrauenserweckender Kräutertee, setzte direkt eine ganze Kanne auf und fand in einem der Regale sogar eine gelbe Packung Schweizer Kräuterbonbons gegen Husten.
Das alles wäre auch schnell zusammen gepackt gewesen, wäre nicht just in diesem Moment sein Bruder im Türrahmen erschienen, besser verpackt als ein ägyptischer Pharao in zahlreichen Sarkophagen aus dicken flauschigen Stoffen, darunter Bademantel, Decke und natürlich Wollsocken.
„Du siehst zauberhaft aus, fehlt nur noch der Pullover von Tante Rosie und du bist… Dorian? Hey, was ist denn?“, doch der schien bereits weg getreten, nuschelte irgendetwas undeutliches vor sich hin und schien, als würde er in Folge eines plötzlichen Schwindelanfalls jeden Moment vorne über kippen. Was sicherlich auch geschehen wäre, wenn Raphael sich in diesem Augenblick nicht geistesgegenwärtig bei ihm untergehakt hätte und nun, seinen schwankenden, schwer an seinem Arm hängenden Bruder hinüber ins Schlafzimmer beförderte. Vollkommen hinüber und das, obwohl er gerade eben doch noch guter Dinge, wenn auch dezent verschnupft gewesen war – „Was ist denn los?“, bekam ebenso wenig eine Antwort wie die restlichen Fragen, welche er ihm stellte und erst als auch Tee, Bonbons und ein großes Glas Orangensaft auf dem Nachttischt neben dem Bett gelandet waren und auch Raphael es sich wieder auf der Matratze gemütlich gemacht hatte, begann auch sein Zwilling sich wieder zu regen. Fünf, vielleicht zehn Minuten hatte er einfach nur dagelegen, friedlich schlummernd, wie ein Baby oder entschwebt auf einer Watteweichen Wolke Sieben.
„Dodo, hörst du mich? Hier ist Tee für dich und Saft … ist alles okay, Dorian?“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 14 Dez 2015 - 21:49

Abgesehen davon, dass ihm vielleicht ein bisschen kalt war, war alles wirklich super als er wieder bei sich war. Nein ernsthaft: er lag in einem flauschig-weichen Bettchen, Raphael war da und redete total schön auf ihn ein ohne dass er wirklich verstand, was er sagte weil er, noch immer relativ eingelullt von dem Zeug, das grade erst dabei war, seine volle Wirkung zu entfalten schien, dalag und berieselt war.
So verstand er beispielsweise beim besten Willen nicht, wie genau er von der Küche hier her gekommen war, allerdings spielten andere Dinge grade auch eine wirklich wichtigere Rolle. Zum Beispiel sein Bruder.
"Ich finds so schön, dass wir zusammen hier sind. Nur du und ich... das ist wie früher!", nuschelte er sich glückselig in den Bart, hangelte leicht energielos nach den Schultern seines Bruders und zog sich zu ihm rauf, was erneut eine derartige Schwindelattacke auslöste, dass er beinahe weiter gegen ihn gekippt wäre, weil er den Schwung falsch einschätzte und sich so kaum im Sitzen halten konnte.
"Weißt du was? Der Bart steht dir wirklich... so riiiichtig... gut."
Verträumt strich er unter den Wangenknochen am oberen Bartansatz seines Zwillings herum was natürlich früher oder später in verhältnismäßig heftigen und intensiven Küssen endete, ehe er sich, fest in die Rückseite des Oberteils des anderen gekrallt, mit ihm in die Untiefen nach hinten fallen ließ und es sehr genießen durfte, dass es sich der andere sogleich zur Aufgabe machte, seinen Kopf zur Seite zu drehen und von den heißen Küssen, die sich durch das wohl aufkommende Fieber und das eigenartig durch die Medizin verzerrte Empfinden noch heißer anfühlten, als sie ohnehin schon waren, immer größer ausschlagende Schauerwellen durch seinen gesamten Körper zu schicken, woraufhin er zunächst zufrieden Seufzend den Kopf selbstständig weiter zur Seite drehte um ihm mehr Platz für diese wundervolle Behandlung zu lassen ehe ihm dann allerdings einfiel, dass er bestimmt sterbenskrank war und das grade überhaupt keine gute Idee war.
"Raphael, du wirst dich a-aah...ansteckennnh."
Soeben hatte Raphaels Knie zwischen seine gefunden und hatte sich mit (nicht nur Besorgnis erregender) Kontinuität immer weiter nach oben geschoben, bis es schließlich sein Ziel erreicht hatte. Und das in mehr als nur einer Hinsicht! Da war es jetzt schon so auf den Kaltstart beinahe ein bisschen zu schnell ein bisschen zu viel, dass der Jüngere in dem Moment seine Hände in Beschlag nahm und diese hinter seinem Kopf auf das Laken nieder drückte, ehe er mit ungewohnt rauer Art sein Gesicht zu sich drehte und ihn ansehen, woraufhin er sich kurz umwendete, als habe er etwas gehört nur um ihm dann mit einem vorfreudigen Lächeln zu bedenken, loszulassen, sich halb umzuwenden und Bastian mit einem einladenden Griff und einem mindestens genauso einladenden Kuss mit dazu ins Bett zu holen, ehe die beiden den noch immer ziemlich flach liegenden Dorian mit vor Tatendrang glänzenden Augen ansahen und dann gemeinsam begannen...
"... hörst du mich? Hier ist Tee für dich und Saft... ist alles okay, Dorian?"
Oh nein... Oh! Nein! Das konnte doch jetzt unmöglich nur ein Traum gewesen sein oder?
Beinahe ein wenig fassungslos blinzelte der Dunkelhaarige sein Ebenbild an, der sich grade halb über ihn lehnte und ihn besorgt musterte.
"Raphael...", jammerte er, was sein, in jeder Hinsicht perfekter, Bruder zum Anlass nahm, seine glühende Stirn mit einem nassen Handtuch zu betupfen um sie abzukühlen, dabei hätte er ihm eben um ein Haar erzählt, dass er ihn hätte schlafen lassen sollen, weil er und Bastian grade dabei gewesen waren, unheimlich nett zueinander und auch zu ihm zu sein und das so ziemlich der perfekteste und geilste Sextraum zu werden versprochen hatte, den er je gehabt hatte!
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 21 Jan 2016 - 22:31

Nein wirklich, an Sex war gerade so gar nicht zu denken, ganz im Gegenteil! Und nicht im Traum hätte der Jüngere gerade in dieser Situation daran gedacht, sein Knie in empfindlichere Regionen wandern zu lassen – nein, nicht einmal Küssen stand auf dem Plan, stattdessen fleißig weiter tupfen und beruhigende Worte vor sich hin murmeln. Sein armer großer Bruder schien sich nämlich ganz schön was eingefangen zu haben und das mit einer wirklich rekordbrechenden Inkubationszeit, wenn man sich mal überlegte wie schnell seine Laune von milde erheitert zu kränklich und schließlich ganz und gar benebelt umgeschlagen hatte. „Ruhig Dorian, ganz ruhig … ich bin hier. Magst du einen Schluck Tee haben?“, bot er wispernd an, doch er hätte ihm ebenso gut ein schönes Glas Arsen anbieten können, der ihm begegnende Blick hätte nicht verdutzter sein können. Gut, im Falle von Gift wäre es wohl etwas mehr Entsetzten gewesen, als jetzt, denn in diesem Moment schien es viel mehr … nun, viel mehr was? Er konnte selbst nicht genau sagen, was da in den himmelgrauen Augen seines Zwillings lag, doch es trieb ganz eindeutig auch ihm den Schweiß auf die Stirn und das obwohl ihr Zimmer wirklich ausgesprochen wohl temperiert war. Apropos, darum konnte er sich kümmern!
Und schon war er wieder auf den Beinen um geschäftig hinüber zur Heizung zu eilen, ein wenig an dem Knauf herum zu drehen und mehrmals mit der Hand nachzufühlen, bis er sich sicher war, die passende Richtung erwischt zu haben und so dass ihr Raum sich wohl alsbald mit einer wohligen Wärme füllen würde. Das zumindest hoffte er, ehe es ihn wieder ins Bett und mit unter die Decke schlüpfte, einen seiner Arme um Dorian legte und mit dem anderen nach dem Henkel der Tasse, auf dem Nachttisch angelte. „So, jetzt aber, na komm – nur einen Schluck, mein Schatz, bitte. Ich mache mir wirklich Sorgen“, und diesen Worten gab es nichts mehr entgegen zu setzen, sein Bruder trank brav und wurde sogleich mit einem sanften Kuss auf das dunkle Haar belohnt.
„Ohje, du glühst ja beinahe… und riechst trotzdem unglaublich gut“, verkündete Raphael weshalb er sich auch sogleich ein klein wenig enger an ihn schmiegte, den Kopf auf seine Schulter gebettet und bereit die nächsten Stunden schweigend dem Atem seiner, wie er es sah, besseren Hälfte zu lauschen. Natürlich konnten sie auch reden, darum ging es nicht, viel mehr um die Tatsache, dass allein die Anwesenheit des anderen ihn bereits Vollkommen berauschte. Doch damit stand er wie es aussah nicht alleine da. Denn mal abgesehen von der Tatsache, dass er Catherine definitiv viel zu weit ins hinterste Kämmerlein seiner Gedanken verbannt hatte und die Erinnerung an sie dort, wie er befand, auch wirklich gut aufgehoben war, auch der reizende Kerl hier neben ihm, schien im Moment nicht mehr so ganz bei Sinnen zu sein. Irgendwie niedlich. Merkwürdig, aber süß – hach, wenn er doch nur wüsste, welch noch viel süßeren Freuden sich die Gedanken des Älteren bis gerade eben noch gewidmet hatten.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 28 Feb 2016 - 12:11

Als Raphael sich aus seinem Sichtfeld zu entfernen drohte, kostete es den unwesentlich Älteren einiges an Überwindung, um ihn nicht in irgendeiner Weise davon abzuhalten, allerdings war er dann ja auch wenige Augenblicke später wieder da, sogar neben ihm im Bett, legte sich so, dass er seinen Kopf an seiner Schulter betten konnte und bequatschte ihn, nochmal von dem Tee zu trinken, was wirklich keine schlechte Idee war, er fühlte sich irgendwie ausgetrocknet, und nahm den Kräuteraufguss so sehr dankbar entgegen.
"Du solltest dich fern halten... ich will nicht, dass du dich ansteckst.", meinte er schließlich widerwillig, als sein Bruder ihn über seine erhöhte Temperatur aufklärte. Immerhin fühlte er sich mehr als nur fertig und führte dies allein auf seine plötzliche Erkältung und nicht etwa auf die falsche Dosierung des Medikaments zurück, dass ihn jeden Augenblick wieder in die Traumwelt zu reißen drohte. Nicht, dass er wollte, dass Raphael ging - der Gedanke war richtiggehend unerträglich, er genoss die Nähe zu seinem Zwilling, seine Haut fühlte sich deutlich kühler an als seine eigene und allein die physische Nähe wirkte grade heilsamer, als irgendeine irdische Medizin es zu können vermochte... und dann driftete er erneut ab, sein Kopf sank noch schwerer gegen seine bessere Hälfte und als er das nächste Mal wieder ansprechbar war, fühlte er sich ungefähr so, wie eine Frau in den Wechseljahren nach einem Hitzeflash nach 3 Stunden Extremsport. Das Zimmer war mittlerweile in das dezente Halbdunkel der Dämmerung getaucht, er musste also weit mehr als nur 2 Stunden geschlafen haben, die Silhouette seines Bruders nahm er, nachdem er sich zögerlich aufgerichtete hatte, im flackernden Kerzenschein einer kleinen Laterne auf dem Nachttisch neben ihm war, die eine Bienenwachskerze beinhaltete... Sein Kopf war zurück an die hölzerne Vertäfelung des Kopfendes des Bettes gesunken, seine Augen waren geschlossen, die Lippen minimal geöffnet, sein Gesicht minimal in seine eigene Richtung geneigt. Auf Höhe seines Schoßes lagen seine Hände um ein Buch, das zuvor nebst ein paar anderen auf dem Nachttisch geruht war. Dorian giff danach. Es war auf Seite 89 aufgeschlagen... Gott, er musste wirklich stundenlang geschlafen haben - das war ja wirklich mal ein ganz besonderer Urlaub, den er seinem Bruder bescherte. Spannung und Aktion nonstop. Langeweile ausgeschlossen... so, dass sie gar keine Zeit haben würden, an etwas anderes zu denken, als Sightseeing und Genuss des fremden Landes. Erst recht nicht für einander... und er? Fing sich eine scheiß Erkältung ein und ließ es zu, dass sein Bruder sich die ganze Zeit in unmittelbarer Nähe aufhielt um ihn zu bemuttern, damit auch ja nicht die Gefahr bestand, dass dieser die Krankheit ausließ. Oh Gott, er hatte sich das bestimmt auch alles anders vorgestellt... ab morgen würde er seinem Bruder den Urlaub zum schönstmöglichsten machen! Aber jetzt musste er erstmal was trinken, sonst würde daraus wohl kaum etwas werden, da er vorher vertrocknet war. Vorsichtig hob er die Decke an und schlüpfte aus dem viel zu heißen Kokon um daraufhin festzustellen, dass der gesamte Raum überhitzt war. Stimmt, Raphael hatte die Heizung angestellt und vermutlich vergessen... Noch ein bisschen taumelig tappte er zum Heizkörper unter dem Fenster herüber, stellte ihn ab und kippte die Glasfront, ging daraufhin ins Bad und verleibte sich bestimmt einen Liter herrlich kühles Leitungswasser ein, ehe er auch gleich bei der Gelegenheit unter die Dusche sprang um den Schweiß von sich abzuwaschen... oh man. Wenn er die Erkältung jetzt nicht ausgeschwitzt hatte, dann wusste er auch nicht. Er musste unbedingt die Bettwäsche wechseln, die war momentan bestimmt mindestens genauso eklig wie er... und sein armer Bruder hatte die ganze Zeit über darin ausharren müssen...
Wieder im Zimmer angekommen und mit handtuchtrockenen Haaren ging Dorian nun erstmal zum Fenster zurück und schloss es, nicht, dass sich jemand einen Zug holte denn mittlerweile war es auch schon Nacht und entsprechend frisch draußen. Außerdem war es mittlerweile recht angenehm von der Temperatur her - nicht zu kalt aber auch nicht zu warm. Weiter ging es wieder zurück in Richtung Bett, um dem noch immer Schlafenden einen kleinen Besuch abzustatten. Lächelnd blieb er zunächst seitlich neben dem Bett stehen, entzog das Buch den Fingern seines Bruders, die dagegen nicht den geringsten Widerstand leisteten, ehe er behände und ohne großartige Bewegungen der Matratze zu verursachen, zu seinem Bruder zurück kletterte, der noch immer nichtsahnend und friedlich vor sich hin schlummerte und dabei so unsagbar schön aussah, dass es eine schöne Beschäftigung gewesen wäre, ihn einfach nur stundenlang anzusehen. Unweigerlich fragte er sich, wovon Raphael träumen mochte. Sein erster Gedanke war ein schöner: Natürlich von ihm, wem sonst. Danach kam die Vermutung, dass er seine Frau vermisste und wahrscheinlich eher von dieser träumen würde, als von der kranken, verschwitzten Ausgabe seiner selbst, die im Übrigen direkt neben ihm lag und von der er somit nicht mal träumen musste, um sich ihr nahe zu fühlen... sein Kopf hatte sich leicht schief gelegt und er beugte sich, auf Knien und Händen abgestützt, so weit vor, dass sein Gesicht vor dem seines schlafenden Bruders schwebte.
Er war so schön. So absolut perfekt, dass es kaum zu fassen war, er hatte ein solches Glück, ihn für diese paar Tage für sich zu haben! Vorsichtig, ganz sachte, um ihn nicht zu wecken, hob er eine Hand an und schmiegte sie gegen die linke Wange seines Bruders, der daraufhin tief einatmete und sich leicht in seine Finger lehnte. Er würde doch aufwachen... ok, aber vielleicht war das gar nicht schlecht. Er saß mehr, als er lag, diese Position war nicht gut für seinen Rücken, außerdem könnte es wohl auch ihm nicht schaden, mal zwischendurch was zu trinken, im Zimmer hatte eine ganz schön lange Zeit wüstenhafte Bedingungen geherrscht. Er drückte ihm einen kurzen Kuss auf die andere Wange, schnappte sich dann das Buch und ließ sich wieder auf seine Seite des Bettes sinken.
" Das Bildnis des Dorian Gray... immer noch dein Lieblingswerk von Wilde?", fragte er, amüsiert den Buchtitel zitierend, nach und warf seinem, immer noch vor sich hin erwachenden, Bruder ein Lächeln zu. Das Buch hatte er zu seinem 16. Geburtstag von Tante Judy bekommen und direkt innerhalb von zwei Tagen verschlungen! Sie hatten es gemeinsam gelesen, darüber amüsiert, dass es um einen Dorian ging und wie unähnlich dieser seinem real existierenden Namensvetter war. Oft hatten sie rumgealbert, sich in die einzelnen Romanfiguren hineinversetzt, wobei es Dorian natürlich vorbehalten war, sich in den narzisstischen jungen Mann zu denken während Raphael mal Wotton und mal Hallward war.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 28 Feb 2016 - 18:28

Raphael hatte nicht bewusst mitbekommen eingeschlafen zu sein – wie denn auch? Doch die Müdigkeit hatte sich wohl ebenso wie die plötzliche Wärme der Heizung im kleinen Zimmer eingeschlichen, so dass auch ihn die schläfrig ruhige Stimmung der Umgebung schließlich eingehüllt hatte, wie eine große Daunendecke der Entspannung. Davor hatte er gelesen, das wusste er noch und auch sein Bruder bemerkte es gerade, als er ihn mit einem deutlichen Lächeln in der Stimme nach dem Titel fragte und auch Raphael unvermittelt Schmunzeln musste. Dorian Gray – „Mein zweitliebster Dorian, mein allerliebster Schatz, das weißt du doch“, murmelte er, während er sich verschlafen einige Strähnen des dunklen Haars aus dem Gesicht strich und blinzelnd versuchte mehr als nur unscharfe Schatten im Zimmer zu erkennen. Das war gar nicht so leicht, beim dämmrigen Licht der Kerze, doch kaum, dass sich seine Augen an deren schwachen Schein gewöhnt hatten, wurde er mit einem Anblick belohnt, wie ihn nur die Götter selbst hätten erschaffen können.
Die Konturen von Dorians Gesicht, nun wieder matt und mit einer gesunden, aber keinesfalls beunruhigenden röte auf den hohen Wangen, gemalt in den warmen Farben der leise lodernden Flamme und dem graublau des finsteren Zimmers, welches einen wunderschönen Kontrast bot und seine Regenwolkenaugen dunkel schimmern ließ. Es gab mehr als einhundert Unterschiede zwischen seinem Zwilling und dessen selbstverliebten, egozentrischen Namensvetter aus dem Roman, doch was die Äußerlichkeiten, das reine Aussehen der Figur betraf, so wusste Raphael, dass er stets seinen Bruder vor Augen haben würde, wenn er an jenen zauberhaft hübschen Jüngling dachte. In seiner Welt gab es schlichtweg nichts vollkommeneres, niemand perfekteres als ihn und oh wie wünschte er sich im Moment, dass es auch von ihnen ein Bildnis geben würde. Keines, das an ihrer statt altern würde, sondern ein solches, dass  die Schmerzen der Trennung auf sich nehmen würde oder gar an ihrer Stelle die Heimreise antreten könnte. Ein quälend süßer Traum und er verscheuchte ihn, mit einem Gähnen, ehe seine Hand vorsichtig zuerst prüfend nach der Stirn seines Zwillings tastete, nur um anschließend sanft über dessen Wange zu wandern und zu verharren.
„Noch immer Wilde und noch immer mein Lieblingswerk – und du, geht es dir besser?“, doch im Grunde war die Frage überflüssig, er wusste es bereits, so wie sie immer wussten, wie es dem anderen ging – man spürte es einfach. Nicht auf magische, sondern auf vollkommen natürliche Weise und es beruhigte ihn, dass der Anflug der Krankheit sich so schnell verflüchtigt hatte. Und so erlaubte er sich, noch eine kurze Weile über das Werk des Künstlers nachzusinnen, für welchen sie in ihrer Jugend beide so geschwärmt hatten. Ob Dorian immer noch etwas für Oscar Wilde übrig hatte?
Ihn selbst hatte das Werk dieses Mannes schließlich zum Theater geführt, seine Faszination für die Bühne geschürt und nichts anderem hatte er letztlich seinen jetzigen Job zu verdanken – hinter den Kulissen, eifrig dabei das zu bilden, was die Zuschauer als Illusion wahrnehmen sollten. Mal modern, mal klassisch – auch wenn er zugegeben, für die guten alten Bühnenbilder, die großen Kulissen, die aufwendigen Kostüme weit mehr übrig  hatte, als für jene karge Ausstattung, die zur Zeit in Mode war. Und tatsächlich, ließ sich in jenen Details und Vorlieben nicht genau das erkennen, wofür sie dieses eine, ganz besondere Buch so begeistert hatte?
Und plötzlich, ganz unvermittelt richtete er sich auf und rutschte auf dem Bett eilends ein Stück zurück, bis er an die hintere Bettkante stieß und ein kurzes Lächeln flog über sein, nun ebenfalls im Schatten liegendes Gesicht. „Wahrlich … dir geht es besser und noch immer bist du so, ich wag es nicht zu sagen, kaum zu denken und doch weißt du es, du bist vollkommen Dorian, nach all der Zeit“, kopfschüttelnd betrachtete er das Gesichts seines Bruders, genoss jede Sekunde des Anblicks und erlaubte sich ein kurzes Zwinkern, ehe er vollends in die Rolle des Malers wechselte. Basil – er war wieder Basil, so wie er es schon immer gewesen war und obgleich er viele Male die Rolle des Henry übernommen hatte, so lag sie ihm dennoch nicht so vollkommen wie Hallward.
Denn Raphael verstand den Künstler, dessen Begeisterung für die Schönheit und zugleich schuldiges Verlangen, während Wotton stets eine Herausforderung bedeutete – und doch, es verbarg sich eine ganz andere Art der Versuchung hinter dessen rücksichtlosen, herrischen und zugleich merkwürdig anziehenden Wesen. Doch hier und jetzt war er Basil, leidend unter den Freuden der plötzlichen Nähe, in Angst um seinen ehemaligen Schützling, besorgt und noch immer bewundernd.
Sein Herzschlag beschleunigte sich, kaum dass Dorian verstand und sich zwischen ihnen eine unausgesprochene Spannung ausbreitete, sich warm und knisternd über seine Haut breitete und den Raum erhitzte. „Wo bist du nur gewesen? All die Zeit und die Leute, sie erzählten sich die schrecklichsten Dinge über dich, Dorian – ich wollte es nicht glauben, ich konnte es nicht glauben, doch jetzt da ich dich sehe, befürchte ich doch sie hatten Recht. Du solltest von mir weichen, diese Nähe, sie ziemt sich nicht, du bist … ich weiß es nicht, doch auch wenn mir dieses Wissen versagt bleibt, so erinnere ich mich dennoch, an all das was ich in dir sah, ehe du gingest. Ich vermag kaum zu glauben, dich wieder hier vor mir zu sehen. Oh Dorian, was hast du nur getan?“ – und dasselbe fragte er sich selbst, während sich das Bild seines Liebsten langsam aber sicher für immer in sein Hirn einbrannte. Was hatte er nur getan um einen solchen Menschen zu verdienen?
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 1 März 2016 - 15:57

Mit der bedingungslosesten Form der puren Liebe, die man eigentlich nur für den einen Menschen, für den man gemacht war, empfinden konnte, sah Dorian Maynard seinem Bruder dabei zu, wie er langsam zu sich kam und nickte auf seine Frage hin bloß - wie könnte es ihm auch in Gegenwart seines Zwillings schlecht gehen? Er könnte grade im letzten Stadium der Beulenpest krepieren und wäre immer noch glücklicher, wenn auf der anderen Seite der Quarantänestation sein Raphael sitzen würde, als würde er allein in bester Gesundheit Cocktails am Strand seiner Privatinsel schlürfen. Als der Jüngere zu gähnen ansetzte, musste auch er erfolglos gegen ein langgezogenes Gähnen ankämpfen, den Effekt kannte wohl jeder, doch bei den beiden war er besonders zwingend. Der eine konnte nicht gähnen, ohne dass der andere es ebenfalls musste, das gehörte genauso dazu, wie sie oft im Chor sprachen, dasselbe träumten und dergleichen.
Dass Wilde einer der liebsten Autoren seines Bruders waren, wusste Dorian auch nur zu gut. Und er passte auch wunderbar zu ihm, der Schreibstil, dieses schlichte, ungewollt schöne. Das war einfach er! Dass er sich in seinem Job in der Hinsicht verwirklichen konnte, hatte ihn schon seit er am Theater angefangen hatte, unsagbar gefreut, da man merkte, dass es ihn erfüllte. Als sein Zwilling dann natürlich auch noch den Mund aufmachte und aus dem Stegreif etwas von sich gab, bei dem wahrscheinlich kein Laie mehr hätte entscheiden können, ob Wilde-Zitat oder Maynard-Gespinst, musste er schwer an sich halten, nicht den Kopf zur Seite zu neigen und ihn verträumt anzuseufzen. Er könnte das einfach nie... und Raphael schien es so mühelos von der Hand zu gehen, wie eine Raupe irgendwann einfach beschloss, sich in ein Kokon zu quetschen, um daraufhin als Schmetterling durch die Gegend zu fliegen. Im Moment fühlte er sich einfach neben ihm wie ein ungelenker Hirschkäfer, dem man seine Stärken sicherlich irgendwie auch zugestehen konnte, der allerdings sicher niemals schön, elegant oder wundervoll sein würde, so wie Raphaels Interpretation von Basil. Er bezweifelte, dass die Romanfigur Dorian dem Künstler je derart verfallen war, wie er ihm jetzt grade und wusste genau: die überhebliche Arroganz würde ihm nie so von der Hand gehen, wie er es früher manchmal dargestellt hatte. Dazu hatte sich zu viel verändert, so könnte er seinen Bruder heute nicht mehr sehen. Erst recht nicht, wenn er derartige Geschütze auffuhr und ihn mit Wortgespinsten die Sinne vernebelte. Ja, auch er spürte die Aufregung, die es stets mit sich brachte, wenn man die Rollen wechselte. Bei gänzlich anderen Personen war das ja noch mal etwas ganz anderes, als würden sie sich nur für den je anderen Zwilling ausgeben um andere über ihre wahre Identität zu täuschen, grade schlüpfte sein Ebenbild viel mehr sehr galant in eine andere Rolle als würde er einen Schalter umlegen und er konnte lediglich daran denken, wie gern er ihn jetzt küssen würde. Allerdings wusste er auch, wie viel Spaß es mit Raphael machen konnte, wenn man ihm die Chance gab, im wahrsten Sinne aus sich heraus zu treten, sich eine andere Stellung anzumaßen und somit Dinge zu tun, die er sonst vielleicht ohne Weiteres nicht tun würde - daher wollte der Ältere ihm diese Möglichkeit nicht verwahren und biss sich kurz nachdenklich lächelnd auf die Unterlippe, ehe sein Ausdruck die gewohnte Mischung von damals aus verspieltem, katzenhaften Verhalten und üblem Schlafzimmerblick zurück erhielt, die er sich irgendwann mal für seine Version des Dorian Gray zurechtgelegt hatte.
"Ich bitte um Verzeihung, Basil.", schnurrte er, fasste den anderen fest in seinen Blick und kam ihm währenddessen nur noch näher, als könnte er nicht anders, was zu einem nicht unbeachtlichen Teil schlicht der Wahrheit entsprach. Seine Fragen ließ er bewusst unbeantwortet. Dann erhob er sich leicht von der Seite, nur um die Decke nach hinten zu schlagen und sich daraufhin, wie selbstverständlich und als gäbe es nichts, was normaler sei, auf den Schoß des 'Anfertigers seines Gemäldes' nieder zu setzen, woraufhin er den Blick zunächst zu einem unbestimmten Punkt im Zimmer und wieder zurück zu ihm gleiten ließ, ehe er sich durchs Haar fuhr und ihn einfach mit der Behaglichkeit eines jungen Mannes anzusehen, der sich sicher sein konnte, vergöttert zu werden und das nur genießen konnte.
"Ich schätze, ich war das Sitzen schlicht leid..."
Dezent kippte er sein Becken nach vorn und schob sich provokant, noch immer mit unschuldiger Engelsmiene, ein Stück weiter nach oben.
"Bist du es denn nicht auch leid, mich immer bloß anzusehen?"
Seine Hände suchten die des anderen und legten sie, sobald sie fündig geworden waren, rechts und links auf seinen Hüften ab, die sich immer wieder unablässig und in einem gewissen Rhythmus gegen seine bewegten.
"Sag mir, was die Leute über mich erzählen, Basil... Berichte mir von all den schrecklichen Dingen, ich sterbe vor Neugierde!"
Das durchaus echte Funkeln, dass in seine Augen getreten war, kündete davon, dass dies nicht die einzige Art von Gier war, unter der er im Moment litt.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 1 März 2016 - 22:01

Er war hin und her gerissen, zwischen der Verlockung ihr kleines Schauspiel an Ort und Stelle enden zu lassen, um zu jenem süßlich lockenden Part überzugehen, dessen Versprechen dort im Blick seines Bruders bereits lauerte und dem Vergnügen seine Rolle beizubehalten, was jedoch auch beinhalten würde jenen wundervollen Menschen von sich zu weisen, dessen dringliches Begehren ihm die Sinne langsam aber sicher zu vernebeln begann. Die Wärme, die sich unter seiner Decke angetaut hatte, bekam kaum Gelegenheit zu weichen, ehe sich bereits eine ganz andere Form der Hitze zwischen ihnen auszubreiten begann und ihm eine aufgeregte Röte in die Wangen trieb. Die Stimmung war knisternd, ihre Blicke sprachen Bände und er sog mit einem scharfen Zischen die spannungsgeladene Luft ein, nur um gleich darauf die natürliche Reaktion seines Körpers als Scham von seitens des stets zurückhaltenden Künstlers auszuspielen.
„Dorian…“ – er stockte, seine Stimme erzitterte, wie die Seite einer Harfe gespielt von nichts anderem als einem leichten Sommerwind. Entzücken oder Furcht? Es lag so nah beieinander und der Moment war perfekt. Ebenso perfekt, wie das Antlitz seines Bruders, seines Zwillings, seiner Muse.
„Nicht ich bin es, den du um Verzeihung bitten musst und ich befürchte nicht einmal der Herrgott wüsste deiner Seele zu helfen, wäre sie noch dort, wo ich sie vor Jahren fand – zart und rein, vollkommen wie eine weiße Blütenspitze, das Glück deiner Jugend … hinfort“, seufzend ließ er den Kopf in den Nacken sinken, sah auf zu jener fremdartigen Gestalt, die lauernd wie ein Panther auf ihn hinunter blickte. Seine spitze Zunge schien nichts im Vergleich zum Angriff, sollte er sich entscheiden seinem Opfer die Zähne in den Hals zu rammen und dem armen Hallward das letzte zu nehmen, was diesem im Leben noch geblieben war. Raphael schüttelte den Kopf in dem Versuch das Geschehen greifbarer zu machen, doch ohne dass  er etwas dagegen tun konnte begann sein Bruder immer mehr mit jener Märchenfigur zu verschmelzen, dessen Charakter sie durch zahlreiche Stunden ihrer Jugend begleitet hatte. Und es wäre zum Fürchten gewesen, hätten die beharrlich näher rückenden Stöße jene Bedenken nicht bereits längst in pure Erregung verwandelt.
„Ich wollte lange Zeit nicht hören, war jene Leute sprachen, habe mich auf der Suche nach der einzig wahren Kunst mehr als einmal verloren und doch konnte ich dich nie vergessen, denn sie redeten und im Laufe der Jahre wird es schwerer diese Worte zu vergessen, Dorian – man sagt du seist gegangen, gestorben erzählte man, ertrunken, in den Tod gesprungen, vom Wahnsinn befallen. Du liebst die Frauen hörte ich, mehr als eine, mehr als es sich geziemt und nicht nur jene. Jede Straßenecke flüstert, du seist verflucht, wenn nicht gar selbst bereits ein Hexer und andere denken, dein Reichtum sei dir zu Kopf gestiegen, ehe du dir eigenhändig den Jungbrunnen gegraben hast und darin versunken bist…“, seine Worte waren nicht mehr als ein Wispern im Rhythmus des fordernden Reiters, die Hände fest in dessen Hüften gekrallt, als wollte er überprüfen, ob sein Gegenüber wirklich aus Fleisch und Blut bestand, nicht sicher ob er ihn von sich stoßen oder näher ziehen sollte. Einem vollkommenen Basil wäre es leichter gefallen, hätte der Ekel noch in jener Sekunde gesiegt, als er Dorian das erste Mal nach all den Jahren wiedersah. Raphael hingegen genoss es, sehr sogar.
„Als ich dein Gesicht auf Leinwand bannte, die deine Schönheit auf immer bewahren sollte, so fürchtete ich zu viel von mir in deinen Zügen zu erkennen, war es doch mehr als nur die Vernunft, welche meinen Pinsel führte – dies ist nun verloren. Müsste ich es wieder tun, so weiß ich nicht, ob ich überhaupt einen von uns beiden darin würde erkennen können. Der Geist dessen, was uns band ist verschwunden und du, du selbst hast den Teufel um einen Sünder betrogen, sitzt hier bei mir als ob nichts wäre und bist doch die Sünde selbst geworden“ – hm, Sünde, nichts anderes begleitete sie ihr Leben lang, bedachte man wie falsch ihre Beziehung in den Augen der meisten Menschen erscheinen musste. Ein wahrlich wundervolles Sinnbild für ihr Leben, wenn man es recht bedachte und doch machte ihn nichts glücklicher, als die Anwesenheit seines Bruders. „Einen Tag zu lang hingst du an Henrys falschen Lippen, wie ein Säugling an der Mutterbrust und nicht nur deine geistige Unschuld scheint unter jenen Küssen dahin geschmolzen. Dorian … nimm Abstand“, doch er tat nichts um auch nur einen Zentimeter zwischen sie zu bringen, verzog stattdessen das Gesicht, als würde es ihn selbst im Innersten quälen und stöhnte leise auf. Wahrlich, der gute Basil hatte es nicht leicht, da sein Körper so viel williger schien als sein Verstand, der in Raphaels Kopf verzweifelt nach Worten fischte. Sein Mund hingegen bewegte sich wie von allein, sprach weiter und setzte sich ohne zu zögern über Wildes wildeste Träume hinweg. „Nimm Abstand oder küss auch mich mit jenen kühlen Lippen, eisig wie dein Herz und lass mich spüren, wie die Sünde schmeckt, nach welcher ich mich vor vielen Jahren verzehrte – ich bin alt geworden, Dorian und gibt es einen Himmel, so wäre er nichts für mich, ist er doch meiner Muse auf ewig verwehrt.“
Und wahrlich, wäre Hallward nicht selbst Teil dieser Szenerie gewesen, so hätte er im jetzigen Anblick der Zwillinge trotz seines prüden Wesens wohl bewundern können,  ergaben sie doch in ihrer Position die Skizze einer zeitlos vollkommenen Liebe, wie sie ein Mensch nicht mehr als einmal im Leben finden würde.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 2 März 2016 - 23:06

Dorian hätte einfach gelogen, würde er behaupten, ihm würde die Reaktion seines Bruders nicht gefallen, denn wenn er ehrlich war, genoss er es in übertriebener Weise, wie Raphael seine Rolle nur teilweise wirklich spielen musste - der größere Teil schien einfach von ihm selbst aus zu kommen und natürlich gefiel das dem Provokateur. Fast so sehr, wie die honigsüßen Worte, die da aus seinem perfekten Mund flossen, ihn geschmeidig wie Seide umschlungen und auch ihn in den Bann zogen, von dem der andere vermutlich bereits verschluckt war. Und - oh Gott - er konnte das so gut, dass er von einer Gänsehaut überzogen wurde, als sein Zwilling sprach von Verkommenheit und Dunkelheit, bösen Mächten, Tod und schwarzer Magie, während er irgendwann einfach nur noch bewegungslos auf ihm verharrte und ihn voller stiller Bewunderung ansah wie er aus dem Nichts diese wundervollen Worthülsen nur mit Betonung und seiner Mimik so derart intensives Leben einhauchte, dass es nicht nur echt wirkte, sondern es einem irgendwie verbot, auch nur die geringsten Zweifel daran zu hegen, dass er nicht Basil war, der nun davon anfing, wie Grays Wandel vom unschuldigen, reinen Kind zum personifiziertem Sodom und Gomorrha zu beurteilen sei.
Er sei die Sünde selbst geworden. Süßes Gift sickerte durch seine Ohren und Augen in den Kopf des Älteren, vernebelten seinen Verstand und verlängerten seine Starre. Zumal er dann Henry erwähnte und er irgendwie gezwungenermaßen aus Reflex zuerst an Bastian dachte, weil dieser wohl die entsprechende Parallele bildete, obgleich sich Figur und Person nicht wirklich entsprachen.
Und dann stellte er ihn vor die Wahl, die keine war und er konnte nicht darüber nachdenken, was grade förderlicher wäre, was Gray getan hätte oder worauf sein Bruder hinaus wollte, er konnte sich auch keine Erwiderung ausdenken, denn sie wäre ohnehin den Ausführungen des Anderen nicht ebenbürtig gewesen, er wollte ihn einfach nur wissen lassen, wie die Sünde schmeckte und das nicht nur durch einen unschuldigen Kuss... er wollte ihn ordentlich kosten lassen, grade so viel geben, dass er von selbst nach mehr fordern würde weil er nicht anders könnte, ihn teils auch dafür belohnen, wie sorgfältig er sich hier im Moment Mühe gab, ihn bis zur Schwelle der Unerträglichkeit aufzugeilen, indem er sich der literarischen Figur eines Malers bediente, dem man im Original eigentlich nur zur Last legen könnte, dass er eventuell wirklich Eifersüchtig auf Wotton gewesen sein könnte. Mehr aber auch nicht! Und er lag da und philosophierte aus dem Nichts einen Monolog über Sünde und Versuchung zusammen...
Natürlich senkte er gehorsam seine Lippen auf die des anderen. Wie hätte er von ihm weichen können, nachdem er ihm gestanden hatte, dass es ein Leichtes für ihn sei, die Ewigkeit nach dem Tode hindurch zu leiden, weil er keine Chance mehr hätte, ins Himmelreich zu kommen. Wie eigenartig zutreffend. Jedenfalls ging das gelungene Vorspiel nahtlos in einen zunehmend wilden Kuss über, nachdem Basil endgültig auf die dunkle Seite der Macht gelockt worden war und, kaum dass er von der verbotenen Frucht gekostet hatte, nicht mehr genug davon bekommen konnte.
Er selbst war das Handtuch, dass er sich nach der Dusche um die Hüften geknotet hatte, schon länger los und hatte mithin genug Zeit, sich auch noch um die Bekleidung des Anderen zu kümmern, die im Wesentlichen eigentlich ohnehin nur aus einer Boxershorts bestand, die sehr schnell an seinen Knöcheln hing, sodass er sie sich ohne großen Aufwand gänzlich hätte abtreten können. Daraufhin konnte er endlich richtig auf dem anderen Platz nehmen und ihn unter einem langgezogenen Stöhnen endlich in sich aufnehmen, wobei er für kurze Zeit die Augen schloss und sich ein Stück zurück lehnte, um es sich zu erleichtern, ehe er sich gedanklich und körperlich wieder vollkommen der Sache widmen konnte.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 25 Sep 2016 - 10:29

Hinfort war die Vorstellung von kalten Küssen, verwehrten Paradiesen und dunkler Sünde. Nein, Raphael sprach ebenso wenig, wie er jetzt noch zu denken im Stande war und das einzige Geräusch, welches alsbald zu vernehmen war, bestand aus den gedämpften Tönen ihres angestrengten Atems. Es war, als würde sich all die angestaute Spannung entleeren und sich in Form einer Flutwelle der Lust über sie ergießen – malerische Worte, sie trafen genau den Stil des nachgespielten Romans und doch wiederrum waren sie alles andere als passend um jenes Bild der beiden Brüder in Worte zu fassen. Nicht greifbar genug um jene Gier zu stillen, die nun ungebändigt in ihren Augen glitzerte, während sie übereinander herfielen wie wilde Tiere an ihrem ersten Tag in der Freiheit.
Ungestüm und hungrig.
Beinahe grob zog Raphael seinen Zwilling noch dichter an sich heran und spürte wie seine eigenen Finger schmerzten, als er diese in den Rücken des anderen krallte. Der warme Atem seines leisen Stöhnens drang an Dorians Ohr, staute sich und ließ kleinste Schweißtröpflein auf der Stirn des Jüngeren treten, jeder einzelne glitzernd wie ein winziger Kristall. Es war viel zu heiß, doch er hätte es auch liebend gerne in Kauf genommen zu verbrennen, könnte er den Moment für diesen Preis doch nur verlängern. Verhindern, dass sie Sünde eines Tages schwer und schwarz über sie herein brechen würde, verhindern, dass seine Zukunft mit Cathy näher rückte und verhindern, dass sie beide Brüder wären, die allen Verboten trotzend das Bett miteinander teilten.
Nicht, dass er sich je etwas andere gewünscht hatte als Dorian seinen Zwillingsbruder zu nennen, doch die Sünde … die Sünde … die Sünde, das pochende Wort wurde eins mit dem Rhythmus seiner Bewegungen – scheiß auf die Sünde!
Basil war längst verschwunden, und was er zurück ließ war das Gemälde zweier eng umschlungener Gestalten und der Geruch nach Sex. Definitiv kein Stillleben, im Gegenteil: Raphaels tiefes, mittlerweile raues Stöhnen ertönte im Einklang mit dem Zucken seiner Hüften, über deren Kontrolle er schon lange nicht mehr verfügte. Sein Haar war durcheinander, eine Strähne zierte kalligraphisch seine Stirn und seine Lippen fanden immer und immer wieder die seines Bruders.  Zärtlich, wild, erschöpft und dann wieder verlangend.  Traf er nicht den Mund so tastete er sich zum Hals voran, biss in Schultern oder küsste Stirn und Schläfe.
Salzig, wie Tränen und Meer – weiter Dinge über welche er sicherlich nicht nachdachte. Zumindest nicht jetzt, in jenen Momenten äußerster Anspannung, ehe ein einziger Name, „Dorian…!“, ausgesprochen wie die rettenden Worte auf dem Pfad zur Verdammnis, die Stimmung kippen ließen.
Sich windend spürte er, wie jenes Hochgefühl der Erlösung über ihn hinweg fegte und langsam, nahezu zögerlich wieder verebbte. Er schnappte nach Luft und atmete wieder aus. Ein Muskel nach dem anderen begann sich zu entspannen und er war wieder Raphael, voll und ganz, mit einer Spur des Bedauernd im Blick, als der Zauber ihrer kleinen Märchenstunde langsam verflog.
Oder war es, weil er wusste, dass ihr Tun falsch war?
Nein. Denn sein Unterton versprach gewiss vieles, doch gewiss keine Reue, als er Dorian ein letztes Mal sanft in den Hals biss und jene Stelle anschließend mit einem sanften Kuss versah. „Basil hatte keine Ahnung von Schönheit. Das hat niemand,  der dich nicht so gesehen hat…“ – und mit so meinte er alles. Von Kopf bis Fuß, jeden kleinsten Zentimeter und einzelne Sekunde und überhaupt – es war einfach Dorian und etwas leiser entfuhr ihm ein bedauerndes, „…das wird mir fehlen“, ehe er sich eines Besseren besann und ein entwaffnendes Lächeln auf sein Gesicht zauberte. Sein Bruder durfte es nicht wissen und er nicht daran denken, an das Danach, an ihr zu Hause an Catherine und die Tatsache, dass diese Welt nicht fair war. Wie sagt man so schön: Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort. Nun, er hatte zumindest einen Countdown von neun Monaten gewährt bekommen und hatte dafür dankbar zu sein. Und das war er auch.
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Stay with me
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