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 Stay with me

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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 14 Jul 2015 - 14:17

Huh..? Komisch, wer konnte das sein? Die Nummer hier hatte niemand, normalerweise gingen die Telefonate an ihn über seine Sekretärin, die heute morgen versucht hat, ihn mit einem sogenannten 'Kaffee' zu vergiften, der weit ab von jeder Ekelhaftigkeit gewesen war, die man ihm je zugemutet hatte. Die Nummer sagte ihm auch nichts, die Firmen, mit denen sie sich ab und an austauschten hatten nicht mal dieselbe Vorwahl. Merkwürdig.
"Maynard Production, Sie sprechen mit dem Geschäftsinhaber, was kann ich für Sie tun?"
'Dorian, hier ist Catherine, hallo.'
Er hatte so ungefähr dasselbe Gefühl, als würde er durch die Luft geschleudert werden, nachdem er von einem aus dem Nichts aufgetauchten Auto angefahren worden war, der Füllfederhalter, den er schon mal vorsorglich, genauso wie seinen Notiz- und Terminkalender, hervorgeholt hatte, rutschte ihm aus der Hand und hinterließ einen kleinen blauen Klecks auf seiner Schreibtischunterlage. Sie wusste es. Sie hatte es herausgefunden.... Raphael hatte es ihr vermutlich selbst gesagt und jetzt war es vorbei, sie konnten sich nie mehr sehen und das für immer, wahrscheinlich würde sie ihn jetzt dazu auffordern, anstandshalber in einen anderen Bundesstaat zu ziehen und nie wieder auch nur in die Nähe von ihm oder seiner Familie zu kommen, die lustiger weise unter anderem aus mir und nicht ihr bestand.
'Dorian? Hörst du mich? Bist du noch da?'
Wie benommen nickte er leicht während seine völlig zugeschnürte Kehle zusätzlich noch einen bestätigenden Laut von sich gab, da sie ihn grade ja mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sehen konnte.
'Nun... also ich wollte dich nur fragen... Dorian, liegt das am Empfang oder gehts dir nicht gut?'
"Allen bestens. Was willst du?", kam die knappe Antwort des Schwarzhaarigen, der mittlerweile die freie Hand über sein halbes Gesicht gelegt hatte und sich damit abgefunden hatte, dass die Frau seines Geliebten ihm gleich das Leben ruinieren würde.
'Ich wollte dich nur zum Essen einladen. Deine und meine Eltern und dein Onkel kommen auch. Übermorgen um sieben bei uns, wir würden uns sehr freuen, wenn du kommst.'
Stille. Es war alles gut. Nichts war vorbei, sie wollte ihn nur zum Essen einladen. Er spürte, wie seine Stimme noch immer ähnlich zittrig war, wie seine Finger. Er hatte sie in Erwartung einer anderen Mitteilung derartig angeherrscht... und sie hatte ihn zum Essen einladen wollen. Im Nachhinein war es ihm unbegreiflich, wie sie noch nicht aufgelegt haben konnte, er war schrecklich unhöflich gewesen. Grade hatte er einfach nur noch das Bedürfnis, in eine Plastiktüte zu atmen, um wieder runter zu kommen.
'Dorian?'
"J-ja, das klingt wirklich gut, ich komm gerne, danke für die Einladung, bis morgen abend."
Er legte schnell auf, schnappte sich den Becher mit den schlechten Kaffee und schüttete ihn auf einmal in sich hinein, erhob sich von seinem Schreibtisch und nahm sich sein Jacket.
"Lavern, ich mach Schluss für heute.", teilte er seiner Sekretärin im Vorbeigehen mit, "Verschieben Sie bitte das Meeting von Übermorgen auf nächste Woche Montag."
Er musste jetzt hier raus. Im Fahrstuhl war er allein, was beinahe sowas wie ein seltenes Wunder war, allerdings konnte er so glücklicherweise auch schon mal einen Teil von seinem Nervenzusammenbruch abarbeiten. Ein Abendessen mit der gesamten Familie. Sein Vater, seine Mutter, die Frau seines Bruders, sein Onkel. Er musste schlucken und fuhr sich fahrig durch die Haare. Das war nicht seine Idee gewesen, das war sie gewesen. Er hätte ihm das nicht zugemutet. Das würde in einem schrecklichen Desaster enden, er konnte Henry keinen ganzen Abend ertragen. Und dann dieses Getue von wegen er war der Bruder und Catherine seine große, wahre Liebe. Von einem Moment auf den nächsten wurde er so schrecklich unsagbar wütend. Auf dem Weg nachhause fuhr er mal wieder wie das letzte Arschloch und als es dann immer noch nicht besser geworden war, nachdem er über zwei Stunden lang joggen gewesen war und daheim im Kühlschrank auf die liebevoll verpackten Reste von Raphaels Paella stieß, die noch von gestern übrig gewesen war und wo sich Dorian schon gewundert hatte, wohin Raphael sie hatte verschwinden lassen, gab ihm das den Rest. Es war so unfair. So schrecklich ungerecht! Und nachdem er durch Zufall herausgefunden hatte, dass Bastian ihm seine Nummer ins Handy eingespeichert hatte (es wunderte ihn einfach nicht, er hatte ja auch an seiner statt seine Anrufe entgegen genommen, wie es schien), machte er etwas, das wahrscheinlich genauso unfair war.

'Das war einfach... Oh Gott...'
Der nackte Blonde, der noch immer auf dem Bauch und dazu noch extrem durch und außer Atem und auf der Suche nach Worten auf seinem Bett lag, hangelte nach dem Klamottenhaufen neben dem Bett, unter dem sich seine Jacke befand, aus deren Tasche er ein Päckchen Zigaretten herauskramte.
'Geht das klar hier drin? Willst du auch eine?'
Es ging ihm grade so viel besser. Er hatte überhaupt nichts mehr im Kopf bezüglich ihr wisst schon wen und ihr wisst schon was... nein, eigentlich stimmte das nicht, er hatte es nicht verdrängt, es war nur grade nicht mehr so zerstörend.
"Passt, ja, danke."
Eine Kippe konnte er jetzt wirklich gut gebrauchen, die komplettierte es grade ganz gut.
'Besteht die Gefahr, dass du mir das letzte Mal nochmal erklärst? Und heißt du jetzt eigentlich Raphael oder Dorian? Du hast mich irgendwie ziemlich verwirrt, deswegen hab ich dich auch in Ruhe gelassen.'
Dorians Gesicht verzog sich leicht und er versuchte genau, sich an das letzte Mal zu erinnern, als sie drei zusammen hier gewesen waren. Ah, ja... das ergab Sinn, Bastian hatte nicht gecheckt, dass er ihm nicht das zweite Mal geöffnet hatte, sondern dass das sein Zwilling gewesen war... naja, die Wahrheit würde er ihm wohl kaum erzählen.
"Raphael ist mein Bruder, wir sind eineiige Zwillinge. Er hat mich an dem Abend noch besucht."
'Das bist nicht du gewesen!?'
"Nein."
'Krass... du verarschst mich auch nicht?'
Zum Beweis musste er ihm ein Bild zeigen, dass ihn und seinen Bruder abbildete, danach schluckte er es.
'Er hat ziemlich sauer gewirkt.'
"Er ist mit meinem Lebensstil nicht grade einverstanden."
'Aha?'
Dorian nahm einen tiefen Zug.
"Er ist ein besserer Mensch. Glücklich verheiratet, versteht sich mit Menschen, ist kein karriereversessener Arsch, kommt gut mit unseren Eltern klar - das volle Programm eben."
'Er kommt mitten in der Nacht zu dir gefahren, weil es ihm nicht passt, dass du erfolgreich und schwul bist?'
"Er hat sich sorgen gemacht."
'Und zwar weil..?'
"Der Kerl, mit dem ich was hab, hat an dem Wochenende geheiratet, als wir uns kennen gelernt haben."
Das brachte ihn dann erstmal zum Schweigen, ehe er die Beine anzog und das Kinn darauf legte.
'Ach du scheiße... klingt ganz schön kompliziert.'
"Wenn du wüsstest."
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 14 Jul 2015 - 23:19

Er beobachtete genau, wie die zwei schwarz gestrichenen Leitern auf der Bühne aufgestellt wurden, während irgendwo in einer entfernten Ecke, weit in den Tiefen seines Rucksacks vergraben ein altes Handy verzweifelt um Gehör bettelte. Doch ganz egal wie oft sich Mozarts „Kleine Nachtmusik“ wiederholte und ganz egal wie dringlich das kleine Nokia auch vibrierte, Raphael Maynard war viel zu sehr in seinem Element versunken um davon überhaupt Notiz zu nehmen. Sehr zum Verdruss seiner nicht mehr gänzlich ofenfrischen Ehefrau, die gerade verzweifelt versuchte ihn zu erreichen – denn drauf und dran in die Vorbereitungen der Tischdekoration, das Aufräumen umherliegender Socken, ordnen von Zeitschriften und Abstauben der Regale vertieft, hatte Catherine das Essen beinahe vollkommen vergessen. Das Ergebnis: Das Fleisch stand kurz vor der Versteinerung und wenn sie ihren Gästen keine gänzlich zähen Filets servieren wollte, musste schleunigst eine neue Flasche Wein herbei geschafft werden um das Essen noch zu retten.
Mit einem beinahe geknurrten, „Verdammter Mist“ (was sicherlich nicht der einzige Fluch an diesem Abend gewesen ist), pfefferte die junge Frau ihr Mobiltelefon schließlich auf die Theke und beobachtete wie es über das mit Tomatensaftflecken besudelte Holz dahin segelte, wo es in der trostlosen Ecke neben der Kaffeemaschine liegen blieb.
„Gut so, nur noch ein kleines Stück nach rechts, vielleicht so … um die fünf Zentimeter. Der Schatten sollte besser zur Wirkung kommen“, kommandierte währenddessen ihr Ehemann mit entschuldigendem Ton einige der Bühnenarbeiter herum, wobei er selbst das Gesamtbild von verschiedenen Plätzen des Theatersaals aus beurteilte. Die Ausrüstung für diese Aufführung hatte er gewollt sporadisch gehalten, bemüht die Lichteffekte zu nutzen und somit durch nur wenige Utensilien die passende Atmosphäre zu schaffen. Zweifellos nicht nur eine schwierige Aufgabe für ihn, denn auch die Schauspieler hatten sich dem anpassen müssen und so waren die heutigen Proben bis in die Überstunden gegangen. Denn vollkommen in seinem Element versunken, hatte er ganz verdrängt, welch eine Herausforderung ihm am Abend noch bevor stand.
Kaum hatte ihm Cat vor einigen Tagen eröffnet, dass sie ein gemeinsames Dinner mit all ihren Familienangehörigen plante, war ihm das Herz beinahe stehen geblieben, als er sich mit der Aufgabe konfrontiert sah sowohl mit seiner Frau als auch mit Dorian, wie auch seinem Vater und seinen neuen Schwiegereltern an einem Tisch zu sitzen. Die Mischung aus gedrückter Höflichkeit und Schuldgefühlen hätte kaum explosiver sein können und doch war es keinesfalls seine Absicht gewesen jenes Essen zu versäumen. Es waren einfach nur unglückliche Umstände.
So auch zu Hause, wo Catherine gerade versuchte mit einer Sahnesoße nachzuhelfen – doch je mehr sie den herzhaften Sud verdünnte umso fader wurde er, so dass sie alsbald vor der unmöglichen Entscheidung zu stehen schien entweder weiches Fleisch in geschmackloser Soße oder einige zähe Filets in noch halbwegs edlem Weinaufguss zu servieren. Beides eine Katastrophe, schließlich würden sowohl ihre Eltern, als auch ihre Schwiegereltern über das Gericht urteilen und wie ihr schien waren beide Mütter ähnlich uneinsichtiger Meinung was ihren eher frei-kreativen Lebensstil betraf. Jetzt auch noch als unfähige Köchin und Hausfrau dazustehen, hätte sie kaum verkraftet. Warum ging Raphael bloß nicht an sein Handy?
Siebzehn entgangene Anrufe. Alle von Cat. Dem jungen Mann rutschte das Herz in die Hose, bei einem Blick auf das kleine Display – verdammt, er hatte es vergessen. Und auch der reichlich spät erfolgte Rückruf, wie auch die Versicherung, dass er sich sofort auf den Weg machen würde änderte wenig. Wein würde er um diese Uhrzeit keinen mehr finden und in nun mehr einer viertel Stunde, halt nein, in zwölf Minuten würden die Gäste auf der Matte stehen. „Es tut mir leid“, murmelte er reichlich betreten in den Hörer, noch während er zu seinem Wagen hastete. Dann wurde zum zweiten Mal an diesem Tage ein Telefon in die Ecke gepfeffert, ehe er Gas gab, ein Stoßgebet in Richtung Himmel schickte und sein Autolein zu Höchstleistungen antrieb.
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 16 Jul 2015 - 15:57

Wie er keine Lust hatte auf diesen Abend. Er machte das alles nur für Raphael. Nur für seinen Bruder. Mit einem ziemlich tiefen und genervten Seufzen verließ Dorian Maynard seinen Sportwagen und spazierte auf den Hauseingang zu, hinter dem er wenigstens seinen Bruder vermutete. Außerdem dessen Lückenbüßerin, seinen Vater und Onkel Henry. Das würde einfach ein wunderbarer Abend werden. Zudem war er zu früh. Ja... das war keine gute Angewohnheit von ihm, zu solchen Anlässen kam man für gewöhnlich nicht zu früh um den Gastgeber nicht unter Druck zu setzen, er wusste das, bloß war es eine Angewohnheit bei Familienfeiern bei ihm. Wenn bei ihnen Tanten oder Großeltern zum Geburtstags-Kaffeekränzchen geladen hatten, war er sogar schon immer einen ganzen Tag vorher dort angereist und hatte bei den Vorbereitungen geholfen. Das würde hier sicherlich nicht der Fall sein aber anbieten konnte man es ja. Und wenn nicht konnte er sich vielleicht ein paar Minuten allein mit Raphael stehlen... immerhin hatten sie sich den gesamten gestrigen Tag und heute nicht mehr gesehen und er vermisste ihn. Folglich hatte er heute auch noch nicht viel mit seinem Leben anfangen können. Er hatte geschlagene zwei Stunden mit Bastian telefoniert, wie er zu seiner Schande gestehen musste. Es tat gut, mit ihm zu reden. Zwar erzählte er ihm nicht die Wahrheit und vermittelte ihm, sein Bruder und der verheiratete Kerl auf den er stand wären nicht ein und dieselbe Person, aber es sich mal von der Seele zu reden und das bei einem ungefähr gleichaltrigen Menschen der keine psychologische Ausbildung hinter sich hatte und pseudohilfreiche Tips und Tricks verriet, wie man den Bruder aus dem Kopf bekam, war unsagbar befreiend. Bei ihm stieß er auf eine Art resigniertes Verständnis und nicht auf unterdrückten Ekel und Unfassbarkeit.
Als er die Klingel drückte und das grade so lange, dass die ersten drei Glockenschläge des charakteristischen Big Ben Geläutes vernehmen konnte, musste er ein wenig lächeln. Genau so lange, bis ihm Catherine öffnete und sein Gesichtsausdruck erfror wie eine zu früh blühende Frühlingsblume in einer kalten Nacht.
'Was hast du dir gedacht, verdammt? Mir läuft hier alles aus dem Ruder und du tauchst nicht auf... sag jetzt nicht, dass du keinen Wein mehr bekommen hast, sonst kann ich gleich deine und meine Familie anrufen und das alles abblasen!'
Verdutzt starrte er die überraschend schroffe und offenkundig überforderte Gastgeberin an. War er doch zu spät? Aber... die Garderobe hing noch gar nicht voll mit Jacken und er hätte schwören können, dass er keine Autos gesehen hatte.
"Ehm... doch natürlich.", meinte er verwirrt und überreichte ihr sein Gastgeschenk, einen hübsch verpackten portugiesischen Rotwein, etwas unbeholfen, woraufhin Catherine ihn kurz irritiert ansah, ihn, seine Klamotten, die Art, wie er da stand und seine Frisur danach eingehend anstarrte und schließlich die Hand vor den Mund schlug.
'Oh nein... das darf doch nicht wahr sein... entschuldige bitte, Dorian, ich hab dich... ich dachte, du wärst Raphael, es tut mir so leid. Komm bitte rein!'
Und schon machte sie ihm Platz und hielt ihm mit einem entschuldigendem Lächeln die Türe auf, sodass er, noch immer ein bisschen nachwirkend verunsichert, in den angenehm warmen Flur treten konnte.
"Raphael ist nicht da?", mutmaßte er, während er seine Jacke aufhing, die Schuhe von den Füßen streifte, wie er es absolut immer tat, wenn er fremde Wohnungen betrat, egal, wie oft die Eigentümer 'Lass sie doch an!' sagten. Catherine nickte gestresst und entschuldigte sich wieder in die Küche.
'Du bist sehr pünktlich. Entschuldige bitte das Chaos, aber ich habe ein kleines Malheur mit dem Essen... hättest du eventuell etwas dagegen, wenn ich deinen Wein zum Kochen missbrauche? Nur ein ganz kleines bisschen? Dein Bruder wird keinen mehr bekommen und... Gott, wie unhöflich von mir, setz dich doch bitte! Willst du etwas trinken?'
"Ich nehm mir schon, danke."
... irgendwie tat sie ihm grade ein ganz kleines bisschen leid. Letztes mal, als er sie kennen gelernt hatte, war sie so ungefähr das hübscheste weibliche Wesen in einem Traum von einem Kleid gewesen, elegant, erhaben, herzlich und übertrieben glücklich und alles. Momentan wirkte sie eben gehetzt, ihre Frisur löste sich langsam, sodass einzelne Strähnen in und um ihr Gesicht hingen, sie hatte einen monströsen Soßenfleck am Ärmel ihres fliederfarbenen Oberteils und ihre gesamte Ausstrahlung schrie 'Überforderung'.
"Kann ich dir eventuell meine Hilfe anbieten?"

Eine Viertelstunde später trudelten die Gäste ein, Raphael traf ein paar Minuten nach Catherines Eltern, die als letztes ankamen, ein und fand ein entschärftes Chaos vor. Catherine und er hatten ganze Arbeit geleistet und sobald er ihr das Soßen-Zaubern abgenommen hatte (das wirklich einzige, worin er damals im Kochkurs immer wirklich gut gewesen war) war alles wie von selbst geschehen. Der Tisch war zauberhaft gedeckt und grade, als das letzte Besteckpärchen platziert war, klingelte der Big Ben erneut und Dorians Eltern standen vor der Tür. Ja. Auch hier musste er als erstes richtig stellen, dass er nicht Raphael war. Aber irgendwie war die Stimmung mittlerweile... beinahe gelöst, er verstand es selbst nicht so wirklich. Er befand sich hier in einem Haus voller Menschen, die er zu hassen allen Grund hätte, ohne Raphael und überhaupt, aber... nunja. Es ging total. Natürlich freute er sich trotzdem umso mehr, als Raphael auf einmal aus dem Nichts auftauchte und sich erstmal rechtfertigen und entschuldigen musste.


Zuletzt von Newa am Mi 2 Sep 2015 - 0:45 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 16 Jul 2015 - 22:56

„Es tut mir wirklich wahnsinnig leid“, wiederholte Raphael Maynard nun bestimmt schon zum siebten Mal an diesem Abend, nun allerdings mit gesenkter Stimme und nur für die Ohren seiner Frau bestimmt. Er half Cat gerade dabei das Dessert anzurichten und war froh über die wenigen Minuten, die sie ungestört gemeinsam in der Küche genießen konnten, denn so überschwänglich seine Entschuldigungen auch ausgefallen waren, es war doch vor allem sie gewesen, welche er im Stich gelassen hatte. „Ich hab die Zeit vollkommen vergessen, die Proben werden immer anspruchsvoller, weißt du? Nur … ach, das ist auch keine Ausrede, ich hätte einfach da sein müssen. Punkt aus und es wird nicht wieder vorkommen Schatz, versprochen.“
Und obwohl sie beide bisher wie emsige Bienen umeinander schwirrten, abwechselnd einen Spiegel aus Erdbeer-Rhabarbersoße, die wohlportionierten Panna-Cotta-Förmchen, wie auch einige dekorative Johannisbeeren und Minzblätter auf die Teller packten, schaffte er es irgendwie doch seine Arme für einige Sekunden von hinten um ihre Taille zu legen und ihr einen zärtlichen Kuss auf die nun beinahe vollkommen zerzauste Frisur zu geben. Doch so sah sie wirklich tausendmal besser aus. Es passte überhaupt nicht zu ihr so ordentlich zu sein, ebenso wenig wie sie es mochte aufzuräumen oder Ordnung zu halten – ihr Leben war ein geordnetes Chaos, doch es funktionierte.
Naja, meistens. „Ist schon gut Raphael, nur … in letzter Zeit bleibst du immer wieder so lange weg und das ist auch okay, weil es wirklich toll ist, dass deine Kollegen dich jetzt endlich auch wertschätzen, nur heute, ich habe gedacht das hier sei dir irgendwie wichtig.“
Ihr Tonfall traf eine bestimmte Oktave, irgendwo zwischen angesäuert und ernstlich besorgt, worauf er eine ganze Weile lang nichts mehr zu erwidern wusste. Es gab schlichtweg nichts zu sagen, noch einmal würde er es nicht mehr so weit kommen lassen, doch das Wissen, dass seine Frau hier alleine im Haus saß, während er sich mit seinem Bruder mehr als nur wundervolle Abende machte, versetzte ihm doch einen unangenehmen Stich. „Ich kümmere mich nachher um die Küche und den Abwasch“, versprach er schließlich, wenngleich es nur eine lächerliche Wiedergutmachung, angesichts seiner tatsächlichen Fehler war. Dennoch waren es anscheinend genau die richtigen Worte gewesen, denn über Catherines Gesichtszüge glitt ein Lächeln, ehe sie sich in seinen Armen umwandte und einen kurzen Kuss von seinen Lippen stahl.
„Danke Raphael und jetzt … trag das hier rein, der linke Teller ist für deine Mutter, der rechte für Onkel Henry!“, wies sie ihn an und keine zwei Minuten später saßen sie alle wieder gemeinsam am Tisch und genossen die einfach, aber dennoch raffiniert zubereitete Nachspeise. Selbst Lynette kam am Ende nicht umhin das Essen zu loben und Henry pflichtete ihr mit begeistertem Lächeln bei. Alles in allem verlief der Abend angenehmer als er es erwartet hatte und als die Schwiegereltern schließlich nach einem letzten Glas Wein mit vielem Hände-Drücken und Küsschen verschwanden, war es gar kein so großer Stein der ihm vom Herzen fiel – der größte Teil der Sorge, hatte sich im Laufe der letzten Stunden bereits verflüchtigt. Nur noch Onkel Henry blieb noch ein wenig auf ein letztes Gläschen Scotch mit Dorian, während Raphael und Cat gemeinsam den Tisch abräumten.
„Ich glaube er ist der einzige, der euch wirklich unterscheiden kann“, stellte seine Ehefrau dabei mit einem leisen Schmunzeln fest, während sie gerade einen besorgniserregenden Berg an Tellern in die Küche balancierte und er konnte nicht anders als ihr Recht geben. „Vermutlich, weil Henry bereits lange genug mit Dorian zusammengearbeitet hat – mich hat er dabei ja nie zu Gesicht bekommen, während sie beide ja sowas wie alte Kollegen sind.“ Zumindest war das die einzige Erklärung, denn sonst schafften es selbst ihre Eltern des Öfteren sie beide zu verwechseln. Doch schließlich machte auch er sich auf den Weg und Raphael blieb allein in der Küche zurück um seiner versprochenen Arbeit nachzukommen, da Cat seinen Onkel gerade noch einmal an der Tür verabschiedete und anschließend ins Wohnzimmer trat um Dorian noch einen Schluck Wein anzubieten.
„Da waren’s nur noch drei“, verkündete sie schmunzelnd, ließ sich dann nach kurzem Überlegen wieder auf dem Sofa nieder und schlug die Beine vergnügt übereinander. „So, das hab ich mir verdient. Magst du auch noch ein wenig, bevor ich die ganze Flasche leere?  Sieh es als Dankeschön für die Rettung in der Not… fühl dich wie zu Hause“, und mit diesen Worten ließ sie die halbwegs edle Fassade schließlich fallen, zog die Beine auf die Couch und machte es sich im Schneidersitz bequem. „Unsere Eltern in Ehren, aber so ein Abend – glaub mir, die nächste Einladung wird noch auf sich warten lassen. Also, an alle … du kannst ruhig jederzeit vorbei kommen, sofern du dich nicht störst, dass ich nicht jedes Mal extra aufräumen werde“, stellte sie leise lachend klar, ehe sie dem Zwilling ihres Mannes kurz zu prostete und dann das Glas mit einem müden Lächeln an die Lippen hob.
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 18 Jul 2015 - 8:39

Als seine Mutter schließlich das Glas auf die wunderbare Köchin und Gastgeberin hob, legte er ebenfalls rasch die Serviette beiseite, um dem Toast beizuwohnen und sein Weinglas zu Ehren der Frau seines Bruders zu leeren. Es war erstaunlich viel Zeit vergangen und sie hatten nach dem Dessert noch eine kleine Ewigkeit zusammen gesessen und über alles Mögliche geredet, ehe sich die ältere Generation bis auf Onkel Henry empfahl. Warum auch immer ausgerechnet dieser bleiben musste. Dann ließ Raphael ihn auch noch allein um Catherine beim Abräumen behilflich zu sein. Das folgende Gespräch war dann doch wirklich nur dank des starken Alkohols zu ertragen, da ihr geschätzter Onkel es mal wieder nicht zu Stande brachte, mit ihm wie mit einem normalen Menschen zu reden ohne gleich auf einer höchstpersönlichen Ebene einzusteigen und das Ganze dann mit einer erschreckenden Beharrlichkeit weiter und weiter zu steigern, bis er ihn irgendwann, nachdem die Grenze des Anstandes grade so wie üblich um ein Haar überschritten war, aufbrach, sich von Catherine hinaus bringen und ihn in Ruhe zurück ließ, mehr oder minder versunken an das stabile Scotchglas geklammert, ehe die Frau seines Bruders auch ihm noch einen kurzen Anstandsbesuch abstattete. Zunächst hatte er gedacht, sie würde ihn nun auch einfach auffordern, zu gehen, was ja auch nur recht und billig gewesen wäre, immerhin war er hier nicht zuhause und es war bereits weit nach Mitternacht, aber wenn er ehrlich war, wollte er Henry draußen nicht mehr über den Weg laufen und wäre für ein bisschen Asyle durchaus doch dankbar. Allerdings schien sich die Gute dann doch nur einen Absacker mit ihm gönnen zu wollen, was ihn sein vorübergehendes Glas beiseite stellen und sein Weinglas ergreifen ließ, um es ihr mit einem zerknirschten Lächeln entgegen zu halten.
"Nur her damit. Und gern geschehen, ehrlich. Deine Eltern sind übrigens bezaubernde Menschen, ich konnte sie auf der Hochzeit leider nicht wirklich kennen lernen. Und ich denke auch, das wird dir niemand übel nehmen, das Dinner war ausgezeichnet, jeder wird sich seine Gedanken gemacht haben, wie du das allein bewerkstelligt hast."
Er stieß mit ihr an und nahm ebenfalls einen Schluck. Das brauchte er jetzt irgendwie genauso wie sie. Auch, dass Raphael nun allein in der Küche stand und den Abwasch erledigte, störte ihn nicht übermäßig. Es störte ihn ja nicht mal übermäßig, hier mit seiner Frau herumzusitzen, Wein über den Durst zu trinken und nett zu plaudern. Gott, er musste schon viel zu betrunken sein, um selbst heim fahren zu können... am besten bestellte er sich ein Taxi.
"Mach dir da mal keine Sorgen."
Erstens würde er hier nicht ohne Anlass vorbei kommen, wenn sie da war und des Weiteren störte ihn Unordnung nicht, er selbst war nur einfach nicht der unordentliche Typ. Mit einem teils müden teils nachdenklichen Blick schaute er zu ihr herüber ohne sie anzustarren und mit einem Mal überkam ihn eine erschreckende Traurigkeit, die allerdings nichts an seinem fertigen Lächeln änderte, mit dem er den Blick schließlich senkte.
"Ich glaub', ich versteh langsam, wieso er dich so sehr liebt..."
Er gab es gern zu: Er würde sie unheimlich gern hassen. Aber ebenso klar musste er sehen, dass das ohne Weiteres bei ihr nicht möglich war. Und Raphael liebte sie, das hatte man heute noch deutlicher gesehen als auf der Hochzeit. Paradoxerweise.
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 18 Jul 2015 - 21:51

Catherine war sich nicht sicher ob es nun seltsam oder nur natürlich war mit dem Zwillingsbruder ihres Mannes hier im Wohnzimmer zu sitzen und zu plaudern. Denn so vertraut er ihr auch erschien, immer wieder musste sie sich ins Gedächtnis rufen, dass sie Dorian im Grunde kaum kannte und ihn gerade einmal zum zweiten Mal in ihrem Leben wirklich sah. Es lag wohl an der großen Ähnlichkeit zu ihrem Mann, der im Moment nach wie vor in der Küche vor sich hin klapperte und ebenso unsicher war sie sich auch, ob die aufkommende Müdigkeit in Kombination mit gemütlicher Trägheit etwas Gutes verhieß. Sie wusste schließlich gar nicht oder kaum etwas von dem, was in dem Kopf ihres Gegenübers vorging, was er von ihr dachte und noch weniger vermutete sie, dass seine Beziehung zu Raphael tiefer gehen könnte als die – wenn auch sehr innige – Geschwisterliebe der beiden. Und das war auch gut so.
„Deine Eltern sind … oh Gott, jetzt sollte ich auch etwas Nettes sagen, oder? Ich weiß nicht, eure Mutter ist wundervoll, aber ich komme mir dauerhaft vor wie ein Käfer unter dem Mikroskop. Sie ist bestimmt eine fabelhafte Hausfrau und ich … sieh es dir an, ich bin eine Katastrophe!“, sie lachte, nahm noch einen Schluck Wein und siehe da, sobald sie sprach verschwanden die unangenehmen Gedanken, die Unsicherheit wie von selbst. Es war okay hier zu sitzen, ja sogar mehr als das, es war gut und irgendwie auch wichtig. Sie hätte es nicht ertragen einen solch bedeutenden Menschen aus Raphaels Leben nicht wirklich zu kennen und das hier war zumindest einmal ein Schritt in die richtige Richtung.
Der Ton seiner nächsten Worte jedoch, als dieser eine Satz mit einem Mal halb im Raum hing, ließ ihr einen warmen Schauer über den Rücken laufen, welcher sich in ihrem Lächeln wiederspiegelte, wie auch in ihrer eigentlich scherzhaft klingenden Stimme. „Wirklich? Ich dachte das sei dir vielleicht schon klar gewesen, nachdem ich dir nicht den Kopf dafür abgerissen habe, einfach so von der Hochzeit zu verschwinden … aber ich wusste, spätestens den Wein hier reißt es raus!“, doch im Tonfall erkannte man, dass sich mehr dahinter verbarg, dass es ihr wichtig war, was der junge Mann, der gerade auf ihrer Couch saß von ihr hielt. „Das heißt, davor hast du es nicht verstanden?“, hakte Cat noch einmal nach, spürte aber zugleich, dass sie mit diesen Worten die Ebene des lockeren Gesprächs verließ und deutlich tiefer nachbohrte, als eigentlich beabsichtigt. Trotzdem, jetzt war die Frage raus und anstatt den Blick beschämt zu senken, wartete sie mit einem neugierig bangen Glitzern in den Augen auf seine Antwort. Was dachte Dorian von ihr, was wusste er überhaupt über sie?
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 18 Jul 2015 - 22:32

Sie beschrieb es sehr gut, und in einer einfachen wie bestechenden Ehrlichkeit: Sie war eine Katastrophe. Sie war das schlimmste, was ihm je hätte passieren können! Und doch konnte er nicht anders, als ganz hingegen seines Willens zu lächeln, als sie das mit seiner Mutter sagte. Was solls, es lag sicher am Wein, wieso jetzt ein Ekel sein? Raphael würde sich freuen, wenn er sich gut mit seiner Frau verstand und nett zu ihr war.
"Glaub mir, ich fühle mich da in ihrer Gegenwart nicht anders als du."
Das war nicht mal gelogen. Er hatte sich heute bei jedem Griff zur Gabel unter strengster Beobachtung seiner Familie, ausgenommen Raphael, gefühlt. Dass er sich auch ja benahm. Er hatte sich regelrecht gezwungen, nicht einmal öfter als unbedingt notwendig in seine Richtung zu sehen, es war anstrengend gewesen. Und dann noch dazu Henrys Kommentare zum krönenden Abschluss... ihm wurde nicht ohne Grund schlecht allein beim Gedanken an den Kerl. Es war eine wahrhaftige Leistung gewesen, überhaupt den Teller so leer zu bekommen, dass er beim zurückbringen nicht so aussah, als hätte es nicht geschmeckt.
"So ist sie immer...", murmelte er dann noch schnell, nur um noch etwas gesagt zu haben, ehe sie auch schon wieder das Wort ergriff und er den Blick wieder zu ihr hob. Dieses Mal unverwandter, forschender, wenn auch nicht neugierig sondern eher so, als würde er erst ihre Gedanken lesen müssen, ehe er ihr die passende Antwort geben konnte. Mit einem leisen Räuspern stellte er sein Glas auf den kleinen Couchtisch, lehnte sich dann wieder soweit zurück, dass er seine Beine so überschlagen konnte, dass der Knöchel auf seinem Knie lag und sein Bein ein schwebendes Dreieck bildete. Er sollte es ihr sagen. Jetzt. Alles aufklären. Es war alles zu verworren aber noch konnte man den Knoten ganz einfach lösen.
"Catherine, ich liebe meinen Bruder."
Als aus der Küche ein Heidenlärm kam, wurde er jäh unterbrochen und wandte erschrocken den Kopf in Richtung des klirrenden Lärms zerberstenden Glases, das von einer raschen Abfolge Verwünschungen und Flüchen ergänzt wurde. Als er in die Küche gestürzt kam, war es natürlich schon zu spät, Raphael hatte sich bereits nach den scharfkantigen Scherben der nun nicht mehr ganz so dekorativen Salatschüssel gebückt um sie aufzulesen, sah ihn mit einem Blick an, der Bände sprach, als Dorian hinzu kam, um ihm zu helfen, verlor dabei in seiner hockenden Haltung dummerweise das Gleichgewicht, rutschte in diesem Moment ab und stützte sich direkt auf eine der Scherben, die sich durch seine Handfläche drückte wie durch weiche Butter, ehe sie auf dem Handrücken wieder zum Vorschein kam.
Der Ältere gab sich genau zwei Sekunden, um geschockt zu sein, dann fuhr er herum, zog dabei sein Handy und bestellte einen Krankenwagen, während er Raphael ein Geschirrhandtuch reichte, dann sie Situation am Telefon schilderte und dann auflegte, während er seinen Bruder einfach nur in die Augen sah. Sie mussten es ihr sagen. Sie beide wussten das.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 30 Jul 2015 - 21:04

Als Raphael erwachte dauerte es einige Sekunden, ehe seine Erinnerungen so gnädig waren sich wieder in seinem Kopf einzufinden und er einen dumpf pochenden Schmerz in seiner Hand verspürte. Die Minuten davor war er lediglich irgendwo im Halbtraum geschwebt, gestört von dem hellen Licht des Krankenhauszimmers, dem Summen und Piepen der Geräte, doch noch ahnungslos, was sich in den letzten Stunden alles ereignet hatte. Nun fühlte er sich gerädert, wollte am liebsten wieder einschlafen und kam dennoch nicht umhin, neugierig zu seiner Linken hinunter zu schielen, welche er erfreulicherweise in einen ordentlichen Verband gewickelt vorfand.
Offenbar hatte er die gesamte Prozedur von der Fahrt ins Krankenhaus, wie auch die kurze Operation verschlafen – auch gut. Tatsächlich war er über den Lauf der Dinge vor allem eines, nämlich erleichtert, wenngleich jene Verletzung einen hohen Preis bedeutete. Doch immerhin war er jener komplizierten Konversation entronnen, die sein Bruder zu beginnen bereit gewesen war und eventuell würde Catherine im Eifer des Gefechts diesen letzten Satz sogar vergessen haben.
Ich liebe meinen Bruder. Noch immer kreisten die Worte in seinem Kopf umher, drauf und dran lange unterdrückte Schuldgefühle wieder wach zu rütteln. Was hatte sich Dorian nur dabei gedacht?
Dorian, Dorian, Dorian – bei dem Gedanken an seinem Bruder manifestierte sich langsam aber sicher ein Bild, ein Blick, dieser letzte Augenblick ehe er selbst ohnmächtig gewesen war. Und die verzögerte Wirkung der wortlosen Kommunikation ließ Raphaels Atem für einen Augenblick stocken, ehe die Luft aus seiner Lunge langsam und kraftlos wieder entwich. Sein Zwilling hatte Recht, sie würden es nicht länger verheimlichen können. Nur sah Raphael keinen Weg es seiner Frau zu gestehen, der ihr Leben nicht vollkommen zerstört hätte.
Aua! Bei dem Versuch seinen Arm zu bewegen, bemerkte er eine kleine Infusionsnadel im Handrücken seiner Rechten, seufzte resigniert auf und ließ die Hand wieder sinken, als sich auch schon ein wohlvertrauter Schatten in sein Sichtfeld schob. Da Dorian im Licht stand, war von seiner Gestalt nicht viel mehr als ein Umriss zu erkennen und als er sprach, verstand Raphael nicht viel mehr als den bloßen Klang seiner Stimme, doch er war froh ihn bei sich zu haben. Ihn und – „Wo…wo’s Cat?“, nuschelte er leise, irgendwie überraschend heiser.
Es folgte irgendeine Erklärung, die er nur halb verstand, da sein Hirn sich nach wie vor unfähig für die Verarbeitung von Informationen erwies, doch anscheinend hatte sie zur Arbeit gemusst oder so, was ihn bereits zur nächsten Frage führte: „Wie viel Uhr?“
Schon sehr viel besser, anscheinend kam er langsam in die Gänge und aus den Angaben seines Bruders konnte er schließen, dass er die Nacht anscheinend im Krankenhaus verschlafen hatte. Vermutlich weil man ihn hatte ausruhen lassen, der Eingriff selbst konnte wohl nicht allzu kompliziert gewesen sein, auch wenn die Wunde bestimmt eklig ausgesehen hatte. Nein, er durfte sich nicht an den Anblick seiner Hand erinnern, das war gar nicht gut, also sorgte er lieber durch einen spontanen Einwurf für ein klein wenig Ablenkung. „Immerhin kann man uns jetzt unterscheiden. Ich meine, falls es eine Narbe gibt … also es wird eine geben, aber darauf achtet man bestimmt nicht so sehr. Ich dachte nur, weil … oh Gott, Dorian was hast du dir dabei gedacht?“
Und damit war es raus. Die nur langsam weichende Müdigkeit in Kombination mit Schmerzmitteln machte ihn unkonzentriert, Gesprochenes und Gedachtes war schwerlich auseinander zu halten und nun tat es ihm beinahe leid, jene Frage gestellt zu haben. Er wusste doch, warum er es getan hatte, es war unnötig ihn nun derart zur Rede zu stellen. „Tut mir leid.“
Und dann, nach einigen Sekunden des Schweigens nickte er auffordernd dem Fußende des Bettes zu, schaffte es irgendwie ein halbes, gequältes Lächeln auf sein Gesicht zu zaubern und sah dann wieder zu seinem Bruder auf. „Setz dich…bitte. Wir sollten, wir … müssen reden, denke ich.“
Doch vermutlich würde auch jenes Gespräch ergebnislos bleiben, so oft hatten sie bereits versucht eine Lösung zu finden und waren letzten Endes doch immer wieder zu demselben Schluss gekommen – einfach so weiter wie bisher.
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Newa
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 13 Aug 2015 - 18:09

Nie im Leben hätte er gedacht, dass sein Bruder wenige Augenblicke nachdem er den Notruf abgesendet hatte die Besinnung verlieren würde, allerdings kam es dann doch so. Natürlich war er bei ihm noch lange ehe er den Boden erreichte während er parallel seine hysterische Frau beruhigen durfte, für deren Nerven das alles hier grade wohl ein Stück zu viel wurde. Das hier war schon irgendwie seine Schuld, ihm war bewusst, dass der Schrecken, wegen dem Raphael ungeschickterweise die Schüssel hatte fallen lassen, auf sein Gespräch mit Catherine zurück zu führen war. Dass er sie beide belauschte war auch nicht unvorhersehbar gewesen, immerhin war er nur ein Zimmer weiter gewesen. Trotzdem! Trotzdem hatte er nicht gewollt, dass der Abend im Krankenhaus ausklang! Tat er dann allerdings zwangsläufig, da Raphaels Hand unbedingt operiert werden musste. Eine Nervensache, wie uns sein Arzt erklärte. Die OP war kompliziert, dauerte aber auch nicht die ganze Nacht, in der Zeit konnte er sich wenigstens darum kümmern, dass sein Bruder ein angemessenes Einzelzimmer bekam wo man sich ungestört unterhalten konnte. Ihm war ja auch sehr wohl bewusst, wie dringend sie sich würden unterhalten müssen. Wie erwartete schlief der frisch Operierte dann auch die Nacht durch, etwas anderes war bei Raphael Maynard nicht zu erwarten gewesen, und Catherine entschuldigte sich irgendwann gegen fünf Uhr morgens, damit sie daheim noch duschen konnte ehe sie zur Arbeit musste.
Und wem bitte galt seine erste Frage? Dorian konnte es nicht unterdrücken, dass sein Gesichtsausdruck sich leicht verschattete. Eben hatte er noch wie ein Engel ausgesehen und er hatte sich die größten Sorgen um sein Wohlergehen gemacht, grade konnte er ihn mal wieder dafür verwünschen, dass er in seinem Leben anscheinend keine größere Rolle spielte als ein Stricher, den man jederzeit zu sich bestellen konnte. Herrgott, sie waren Brüder! War Blut nicht dicker als Wasser?! Jedenfalls war das einzige Gesicht, dass er selbst nach einer Operation je sehen wollte sicherlich kein anderes als Raphaels. Er versuchte, alle Bitterkeit in seiner Stimme weg zu räuspern, ehe er ihm erklärte, dass eine Operation nötig war, Catherine vor etwa drei Stunden hatte gehen müssen und wie viel Uhr sie hatten.
Er machte Anstalten, sich aufzusetzen und sofort bekam er ein weiteres Kissen aufgeklopft und hinter den Rücken gelegt damit er angenehm sitzen konnte. Und dann fing er an, von Unterscheidbarkeit und Narben und all dem zu reden. Seinem Zwilling entlockte er damit ein kurzes Lächeln. Zuerst klang es auch gar nicht schlecht für ihn. Immerhin war es nun zumindest leichter für Catherine, sie zu unterscheiden, wenn sie mal wieder jemandem die Zunge in den Hals rammen wollte. Momente später verfinsterte sich Dorians Gesicht, ohne dass er hätte sagen können, wieso und er bekam ein außergewöhnlich mulmiges Gefühl in der Magengegend, was allerdings von der Frage seines Bruders unterbrochen wurde.
"Ich hab nicht nachgedacht. Tut mir leid."
Die Entschuldigung der beiden war zeitgleich in den Raum gestellt worden und wieder herrschte kurzes Schweigen ehe Raphael ihn aufforderte, sich zu setzen. Kommentarlos kam er der Bitte nach und bedachte seinen Bruder mit einem langen, ausdrucksstarken Blick, der im Prinzip schon einiges aussagte, was er gleich gar nicht in Worte würde hüllen können.
"Ich war angetrunken, das wird nie wieder vorkommen, ehrlich Raphael, ich wollte dir da nichts kaputt machen, sie hat es nicht so aufgefasst und mich nicht mal nochmal drauf angesprochen, sie denkt einfach nur, wir hätten eine gesunde, familiäre Beziehung, das ist alles. Sie ahnt nichts. Wir können weiter machen wie bisher."
Der Abend war schwer für ihn gewesen. Die Konfrontation mit den Eltern und Henry und dieses ganze gezwungene und unechte - auf Dauer machte ihn das zu einem anderen Menschen und als es vorbei war, hatte er eben noch immer diesen Stress gehabt. Und auch das Bedürfnis, diese Dinge mal klar zu stellen. ein Glück, dass er unterbrochen worden war, das hätte ganz anders ausgehen können...
"Das ist so schrecklich dumm von mir gewesen, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Bitte sei nicht sauer auf mich."
Seine Stimme knickte weg wie ein trockener Ast bei einem Hauch von zu viel Wind und er biss hart die Zähne zusammen, damit er sich das drohende Rumgeheule sparen konnte, das ihm hier grade drohte. Mit der Feinfühligkeit einer Löwenmutter, die ihr Junges in den Nacken biss und herum trug ohne es zu verletzen, berührte er vorsichtig seine verletzte Hand, natürlich nicht direkt auf der Wunde.
"Das alles ist meine Schuld. Ich hab gewusst, dass es eine schlechte Idee ist, zu dem Essen zu kommen, ich hätte das mit dem Wein lassen sollen und spätestens den verdammten Scotch. Das wird nie wieder vorkommen, ich schwöre dir das, über meine Lippen kommt kein Wort mehr über uns deiner Frau gegenüber, nur bitte, bitte hass mich jetzt nicht."
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 13 Aug 2015 - 20:04

Raphael schloss für einen Moment die Augen, ließ die Worte seines Bruders sachte auf sich wirken und versuchte zu fassen zu bekommen, was Dorian ihm gerade zu erklären versuchte. So viele Entschuldigungen, so viele Versicherungen, dass es nie wieder passieren würde und schließlich eine kleine Bewegung, die ihm signalisierte, dass sein Zwilling seiner Aufforderung gerade nachgekommen war und am Fußende des Bettes Platz genommen hatte.
Näher ging nicht, der Infusionsschlauch war im Weg, das Bett zu klein und er selbst kaum in der Lage seine Arme zu bewegen, ansonsten hätte Raphael keine Sekunde länger gewartet Dorian an sich zu ziehen. Es war nicht seine Schuld, wenn dann waren sie es gemeinsam gewesen. Es war ihr Geheimnis, dass so schwer auf ihm lastete und Catherine wiederrum war einer der Gründe, warum sie es geheim halten mussten. Sie war seine Frau, wie konnte er auch von seinem Bruder erwarten, einen Abend lang nicht nur in dem Wissen auszuhalten, sondern es auch noch vor eigenen Augen ertragen zu müssen? Das Glück, welches sie beide nie erreichen würden, auf derart offensichtliche Weise in seiner Nähe zu demonstrieren – er hatte Recht, es war eine schlechte Idee gewesen. Nicht nur sein Kommen, sondern das gesamte Dinner – alles nicht mehr als eine witzlose Farce.
Und kaum, dass er die Lider wieder öffnete, brach ein leises Lachen hinter seinen Lippen hervor und durchbrach die entstandene Stille. „Nein, … nein Dorian, es war nicht dumm von dir. Es war dumm von mir, dich kommen zu lassen. Und dumm von uns, zu glauben, wir würden es aushalten, ganz gleich was Cathy jetzt auch glaubt, es wird nicht ewig so weiter gehen…“, er stockte und schwieg dann, während in seinem flehenden Blick all die unausgesprochenen Worte tanzten, die ihm im Moment schwer auf der Zunge lagen, jedoch noch schwerer sie laut zu hören.
Doch es konnte nun Mal nicht mehr so weiter gehen, irgendwann würde ihre Beziehung auffliegen und es würde nicht nur für das Leben, welches er bisher gekannt hatte ein Ende bedeuten, sondern auch für Dorians Karriere, für die Firma seines Onkels, das Ansehen seiner Eltern und nicht zuletzt Catherine. Cat, die ihn aus dem Loch der Depression heraus gezogen hatte, der einzige Mensch, der es zumindest annährend vermochte die Leere zu füllen, die sein Bruder hinterlassen hatte, ehe sie sich wiedergesehen und Raphael begriffen hatte, wie falsch er doch lag.
Sie war nicht die Richtige für ihn, doch nur, weil es niemals eine solche geben würde – aber sie waren glücklich gewesen, zumindest für kurze Zeit, konnten es immer noch sein.
Wirklich wollen jedoch, würde er immer nur Dorian – aber brauchte er ihn auch?
Nein. So hart es auch klang, sie wussten beide, dass ein Leben ohne den anderen möglich war, wenn es auch nie vollkommen erfüllt sein würde. Alles was aus ihnen beiden je werden könnte, war eine kurze Affäre, ein Rausch von Glück, auf Kosten der anderen, während die Alternative ein Leben auf emotionaler Sparflamme bedeutete, dafür aber verschonte, was ihm lieb und teuer war. Alle, außer Dorian. Und das, war der einzige Preis, den er nicht zu zahlen vermochte, obgleich er wusste, dass…
„Hör zu, wir … wir müssen aufhören, bevor es zu spät ist. Ein Woche, ein paar Monate, doch was ist in ein paar Jahren, wie soll es Enden Dorian?“, er schluckte die Tränen hinunter, die in seinen Augen aufstiegen, während er mit dem Blick suchend nach dem seines Bruders tastete und ihn letztendlich fand. Grau in Grau – genauso wie ihr Dasein, wenn sie aufgaben. „Es tut mir leid“, presste er mühsam hervor, die Stimme rau, als würde sie ihm jeden Moment gänzlich versagen. „Ich hasse dich nicht, nur … ich kann nicht mehr…“
Ganz genau, er konnte nicht mehr ohne seinen Bruder leben, wäre das rechtmäßige Ende jenes Satzes. Doch er durfte es sich nicht erlauben ihn zu beenden, denn so konnte er es zu Ende bringen und zumindest hoffen, dass er das Richtige tat, auch wenn er sich nichts anderes wünschte als die Augen wieder zu schließen, um der Situation zu entfliehen. Wie gerne hätte er die Arme um seinen Zwilling geschlungen, versprochen, dass alles wieder gut werden würde und ihn geküsst, bis er vergaß, dass nur ein Lügner, im jenes Versprechen geben konnte.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 14 Aug 2015 - 11:56

Das kurze freudlose Lachen seines Bruders riss ihn aus seinem Handlungsspielraum heraus und ließ ihn zu Raphael aufsehen, während dieser sprach. Und mit jedem Wort, das über die Lippen seines Zwillings kam, wurde es Dorian kälter. Er ließ die Hand seines Bruders los und zog sich mehr zu sich zurück, veränderte unbewusst die Position und begann, leicht den Kopf zu schütteln, schon in Erwartung dessen, was gleich folgen würde, denn ihm war klar, was jetzt kommen musste. Heiße Tränen brannten ihm jetzt nicht mehr in den Augen sondern flossen klammheimlich seitlich über seine Wangen, sammelten sich in der Nähe seines Kinns zusammen und tropften herunter auf seinen Anzug, der nicht mehr ganz so tadellos war, nachdem er Catherine heute zunächst in der Küche geholfen und dabei ein paar Soßenspritzer abbekommen hatte und ein wenig später seinen stark blutenden Bruder aufgefangen hatte. Er würde ihn wohl in die Reinigung bringen lassen, es war sein Lieblingsanzug. Anthrazit farben, leichter Stoff, wunderbare Qualität...
"Bitte, tu das nicht."
Eigentlich war es mehr ein Flehen als eine Bitte. Es ging hier nicht um eine bloße Gefälligkeit, wie es der Fall wäre, würde er seinen Bruder bitten, während seiner Abwesenheit seine nicht existenten Zimmerpflanzen zu gießen, hier ging es um so viel mehr und es lag ihm ebenso viel daran wie an seinem Leben, das er sich ohne seinen Bruder nun mal nicht vorstellen konnte oder wollte.
"Bitte."
Aber dann kam sein Bruder schließlich raus mit der Sprache auf eine ungewohnt direkte, grausame Art, die Dorian von vielen Menschen gewohnt war, nicht aber von seinem sanftmütigen, gütigen liebsten Menschen. Umso schmerzhafter schnitten die Worte sich durch ihn hindurch, schnürten ihm die Kehle zu und machten, dass seine unverletzten, narbenfreien Hände sich auf seiner Hose zu Fäusten ballten. Das konnte er nicht tun. Wie konnte er das auch nur sagen?! Das ging so nicht, es war vollkommen unmöglich, wie stellte er sich das denn vor? Sie schwärmten doch nicht einfach nur ein wenig füreinander, sodass man der Geschichte mit ein wenig vernünftigen Denken beikommen konnte, Gott, sie hatten das alles doch schon mal durchgemacht! Damals hatte man auch gesagt, dass das so nicht ging und sie hatten sich daran gehalten und beide jeweils ihr eintöniges unerfülltes Leben gelebt, aber zu welchem Preis denn bitte? Was war das denn für ein Leben? Was bitte sollte er damit anfangen, von seinem Bruder zurückgewiesen zu werden, wo sollte er denn jetzt hin? Er hatte doch sonst niemanden!
"Raphael..."
Er schluckte schwer und fuhr sich schnell über die Augen, damit seine Sicht nicht immer so verschwommen war.
"Das kann nicht dein Ernst sein, ich kann nicht einfach so tun, als..."
Verzweifelt suchte er nach den passenden Worten, die seinen Bruder umstimmen sollten, allerdings musste er sich eingestehen, dass sein Bruder die Seite der Vernunft vertrat und man da eigentlich nicht viel machen konnte, wenn es darum ging, vernünftig zu argumentieren. Er hatte ja auch Recht! Selbstverständlich hatte er Recht, das war auch Dorian voll bewusst, aber manchmal musste man eben unterscheiden zwischen dem, was recht und was richtig war. Sich nur für das geringere Übel entscheiden weil das Erstrebenswerte unmöglich war. Kompromisse finden. Verdammt, sie lebten in einer Demokratie, alles hier bestand darin, dass Leute unterschiedliche Ansichten hatten und sich schließlich für die entschieden wurde, mit der sich alle wenigstens ein bisschen arrangieren konnten. Jeder machte es so, wieso galt das nicht für sie gleichermaßen? DAS war ungerecht, unmoralisch und falsch!
"Ich brauch dich doch."
Und nein, er konnte da grade nicht das vorn an stellen, was das vermeidlich Beste für seinen Bruder war. Hier und jetzt einmal nicht. Nur ein einziges Mal musste er mal an sich selbst denken dürfen und sich nicht verbiegen und Dinge auf sich nehmen müssen, die besser für seinen kleinen Bruder waren. Nur dies eine Mal. Und auch, wenn er sich tief dafür verachtete.


Zuletzt von Newa am Sa 29 Aug 2015 - 15:02 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 16 Aug 2015 - 21:46

Es brach ihm das Herz. Nein, mehr als das, nicht nur sein Herz, sondern auch all die anderen Organe würden nach und nach versagen, sobald er Dorian verlieren würde – wie praktisch, dass er schon im Krankenhaus lag. Irgendein armer Mensch, würde sich sicherlich über die Spende freuen. Dorian beispielsweise, er war der perfekte Empfänger,  jede einzelne Zelle war praktisch auf ihn zugeschnitten, nahezu identisch und es wäre töricht zu glauben, ihm würde es in diesem Augenblick anders ergehen als seinem Zwillingsbruder. Dieser jedoch schien für den Moment erstarrt, ganz so als ob er Dorians Worte gar nicht mehr wahrnehmen würde, dabei war doch das genaue Gegenteil der Fall. Und er haderte mit sich.
Wie konnte er es auf sich nehmen einem lebenden, fühlenden Individuum derartige Schmerzen zuzufügen. Kein Lebewesen der Welt, hatte dieses Los verdient und schon gar nicht sein über alles geliebter Bruder. Über alles – hieß das nicht auch, dass sich ihre Liebe über eine derart lächerliche Beschränkung wie die Gesellschaft hinweg setzen sollte? Natürlich.
Doch die Gesellschaft war kein fernes, graues Tier mehr, nicht länger nur schemenhaft zu erkennen, verborgen hinter der Gestalt eines wütenden Mob, der ihnen Moral mit Fackeln und Mistgabeln einzuprügeln versuchte. Auch hier galt erneut das Gegenteil und nun, da der Feind ihnen nahe genug war um Freund zu werden, in Form ihrer Eltern, ihrer Familie, ihrer Freunde und nicht zuletzt auch Catherine, begannen die Grenzen zu verwischen.
Es war nicht alles nur noch schwarz und weiß – es galt sich zwischen Grautönen zu entscheiden und was bringt ein einzelnes, gleißend helles Licht, wenn man danach in Dunkelheit endet? Eine reichlich philosophische Darstellung ihrer Situation, doch gerade diese Dinge gingen Raphael aus dem Kopf, während er schweigend nachdachte. Nun gut, vielleicht lag ein kleiner Teil davon auch an der Schmerzmitteldosierung, was allerdings nicht heißen musste, dass er Unrecht hatte. Nein, im Moment sah er klar vor sich, was zu tun war und es war auch der einzige Moment, in dem er es tun konnte – würde er warten, wäre er verflogen und würde so schnell nicht wiederkommen, vielleicht sogar nie. Ein verlockender Gedanke, nah genug, als dass man ihn ergreifen könnte. Aufgeben, einschlafen und vergessen, was gesagt worden war. Aber das ging nicht, er hatte seine Entscheidung getroffen und nun blieb sie das einzige, woran er sich noch festklammern konnte, während sein Hass auf sich selbst mit jeder Sekunde wuchs.
„Ich denke, ich muss…“, murmelte er, doch selbst ihm war klar, wie schwach dieser Einwand klang und so begann er erneut. „Ich denke es nicht nur, ich weiß es – ich muss, es geht nicht mehr anders.“
Raphael spürte wie ein großer Stein langsam, aber sicher dieses winzige Pflänzchen der Hoffnung in seiner Brust unter sich begrub, welches dort gewachsen war, in dem irrigen Glauben, er selbst würde es einfach nicht fertig bringen können. Offenbar übertrag er seine Erwartungen an und von sich selbst gerade bei weitem – nur nicht im positiven Sinn.
„Und du musst auch, wir beide müssen einfach das Beste aus allem machen“ – nur nicht gemeinsam. Diese Worte standen so unausgesprochen im Raum, als hätte sie jemand mit roter Farbe an die kühle, weiße Wand gepinselt. Verräterisch und stechend, wie auch das Gefühl in seinem Innern. Und dagegen hatten Schmerzmittel wirklich keine Chance.
Ächzend richtete er selbst sich nun ein wenig auf, weit genug, dass seine unverletzte – jedoch ebenfalls verkabelte – Hand, nach der geballten Faust seines Zwillings greifen konnte. Ein leiser Abklatsch der Berührung, welche er sich gerade nur allzu sehnlich herbei wünschte. Raphael, aber verscheuchte dieses Verlangen sogleich wieder, um es tief in sich zu verschließen, dort wo auch all die anderen Wünsche und Geheimnisse zurück gehalten wurden, die ihn im Alltag als unnormal gezeichnet hätten. „Es tut mir leid, Dorian – bitte glaub mir, dass es mir leid tut“, wisperte er kaum hörbar, vielleicht weil er die Antwort fürchtete. Denn irgendwann wäre der Zeitpunkt erreicht, ab dem auch sein Bruder sich nicht länger in der Lage sah ihm zu verzeihen. „So etwas wie heute, darf nie wieder passieren… es ist gefährlich, für uns … für uns beide.“
Und es schmerzte ihn selbst, wie vernünftig diese Worte klangen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 29 Aug 2015 - 15:40

In ihm herrschte ein einziges Chaos, er wusste nicht mal mehr ansatzweise, wie er sich grade fühlen sollte, alles war so durcheinander und ungeordnet, es überforderte ihn und irgendwie hatte er das deutliche Gefühl, gleich platzen zu müssen, als sein Bruder so auf ihn einredete. Jedes einzelne Wort, jede Silbe verletzte ihn mehr, als er es sich jemals hätte vorstellen können von seinem eigenen Bruder verletzt werden zu können. Allein die Tatsache, dass Raphael ihm jegliche Hoffnung nahm, was auf lange Sicht sicherlich das gesündeste gewesen war, ließ ihn in ein bodenloses schwarzes Loch fallen und ungebremst auf dem Boden der Tatsachen zerschellen. So klar hatten sie sich noch nie damit auseinander gesetzt, was das Richtige wäre. Und das Schlimmste daran war vielleicht, dass nicht mal er derjenige sein konnte, der den Vernünftigen gab, sondern er diese Aufgabe seinem Bruder überlassen musste, weil er selbst einfach zu schwach oder bequem war. Vielleicht war das auch der Auslöser, wieso sich auf einmal diese unbändige Wut auch sich selbst, seinen Bruder und die Welt in ihm staute und er die mitfühlende Hand seines Bruders wie aus einem Reflex heraus wegschlug und aufsprang.
"Weißt du was? Schön! Mir tut es auch leid, Raphael. Weißt du, wie es für mich aussieht, das Beste daraus zu machen, dass ich dich nicht mehr sehen kann? Hast du eine Ahnung, was es mir bedeutet, aus dem Leben zu verschwinden, dass du jetzt mit dieser Schlampe teilst?! Aber um Himmels Willen nein, ich will euer kleines perfektes Glück natürlich nicht gefährden, wie könnte ich auch, am Besten, ich geh jetzt heim, betrinke mich und jag mir dann im Anschluss eine Kugel durch den Kopf damit auch ja nichts mehr zwischen dir und deinem Seelenfrieden steht, wieso auch nicht, Raphael, ich habe mein ganzes Leben immer nur das getan, was das Beste für dich wäre, wieso nicht auch jetzt, wo es darin besteht, dass ich verschwinde?"
Kaum war er fertig mit seiner Rede, wurde ihm klar, was er grade getan hatte und ein unwahrscheinlicher Ekel vor sich selbst überkam ihn, sodass er seinem Bruder nicht mehr in die Augen sehen konnte und seinen Blick abwenden musste. Die leise gemurmelte Entschuldigung, ehe die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, hörte Raphael vermutlich gar nicht mehr. Wie hatte er etwas derartiges sagen können? Er hatte sich selbst selten so aus der Fassung erlebt, es war bisher bestimmt noch nie vorgekommen, dass er jemanden derart angeschrien hatte, er war regelrecht erschrocken über sich selbst.
Auf dem Gang zum Ausgang kam ihm Catherine entgegen. Sie sah fertig aus, sicherlich war sie während ihres gesamten Arbeitstages nicht bei sich gewesen und krank vor Sorge weil ihr geliebter Ehemann sich in die Hand geschnitten hatte... sie war so liebevoll ihm gegenüber. Sie war so viel besser für seinen Bruder als er es je sein könnte. Wie hatte er denken können, dass das klappen würde? Er war ja so schrecklich dumm gewesen.
"Was ist passiert?", schleuderte sie ihm völlig aufgelöst entgegen, blieb direkt vor ihm stehen und rüttelte ihn in purer Verzweiflung und mit Tränen in den Augen an den Armen, so weit sie eben hoch kam, immerhin war sie nicht sonderlich groß. Erst da wurde Dorian klar, mit was für einer Miene er hier herumlaufen musste. Er hatte sich heute überhaupt nicht unter Kontrolle. Hastig setzte er ein anderes Gesicht auf und versuchte, seine Schwägerin zu beruhigen.
"Es ist alles in Bester Ordnung. Es geht ihm gut, er ist wach, beruhig dich, alles ist gut!", antwortete er schnell, bemühte sich dann jedoch, Abstand zwischen sich und die Frau seines Bruders zu bringen. Eigenartig. Von der Wut, die er eben noch auf Raphael projiziert hatte, war mittlerweile nicht mehr das Geringste übrig, er fühlte sich einfach nur noch eigentümlich leer und wollte nach Hause ins Bett. Dieser Plan wurde dann auch alsbald in die Tat umgesetzt sobald Catherine weiter in das Zimmer ihres Mannes gestürmt war.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 29 Aug 2015 - 16:40

„Oh Gott Raphael, was ist denn los?“, durchriss die aufgewühlte Stimme seiner Frau das schwarz seiner Gedanken, doch nur mit Mühe schaffte Raphael es die Augen zu öffnen und sie anzusehen. Die Dunkelheit seiner geschlossenen Lider hatte ihm Schutz geboten, vor der Außenwelt, der unerträglichen Helligkeit im Zimmer und dem Wissen, dass sein Bruder ihn unwiderruflich verlassen hatte, sobald die Krankenhaustür hinter ihm zugefallen war. Es schien als wären Ewigkeiten vergangen seit dem Augenblick, doch selbst wenn es so wäre, gäbe es trotzdem niemals genügend Zeit auf dieser Erde um die Wunde in seinem Herzen jemals heilen zu lassen. Und im Moment war sie noch frisch, viel zu frisch – am liebsten hätte er sich umgedreht, den Kopf ins Kissen gegraben und wäre eingeschlafen, doch das ging nicht, nicht während Cat im Zimmer stand und ihn mit besorgtem Blick musterte. Catherine, die ihn bereits das letzte Mal aus seiner finsteren Ecke gelockt und wieder zu leben gelehrt hatte. Nein, jetzt war es an ihm stark zu sein, für sie beide, dann wäre das große Opfer, welches sein Zwilling und er hatten erbringen müssen, zumindest nicht vollkommen umsonst gewesen. Doch allein der Gedanke an Dorian tat weh. „Er ist weg“, murmelte er tonlos, nach wie vor mit den Tränen kämpfend, doch man sah ihm an, dass er kaum noch die Kraft dafür aufbringen konnte. Er war müde, so unendlich müde.
Sanft spürte er eine Bewegung neben sich, als Cathy sich neben ihm niederließ und Raphael sanft das zerzauste Haar aus der Stirn strich. „Ich weiß, ich weiß, aber … das wird bestimmt wieder, Dorian kriegt sich wieder ein, genauso wie eure Eltern. Sie wollen doch nur das Beste für euch beide…“, versuchte sie ihn vorsichtig zu beruhigen. Wie unsagbar ironisch, dass ihre Worte auch noch genau ins Schwarze trafen, nachdem seine erfundene Geschichte über einen Familienstreit nichts mehr als eine Notlüge gewesen war um den Krach zwischen seinem Bruder und ihm irgendwie zu erklären.
Wollten nur das Beste für sie beide – oh ja und wie zufrieden sie nun sein konnten, ihre Söhne endlich getrennt zu wissen. Als hätte das Schicksal selbst, seine grausamen kleinen Hände mit ihm Spiel gehabt und auch er konnte nicht abstreiten, dass ein solches Ende schon beinahe absehbar gewesen war. Doch noch immer suchten ihn Alpträume heim, keine Monster, keine bösen Kreaturen, Zombies, Vampire oder was die menschliche Fantasie sonst noch bereit ist hervor zu bringen, sondern viel schlimmer: Nichts als die Wahrheit. Der Rückblick auf die Geschehnisse und immer wieder das Wissen, dass nichts mehr so werden würde, wie es einmal war. Dabei wünschte er sich nichts sehnlicher, als nur einen einzigen Hauch jenes Glücks, welches er verspürt hatte, wann immer sein Bruder und er einen freien Abend füreinander gefunden hatten.
„Tut mir leid, es ist albern, aber … es, es fühlt sich so an wie früher“, versuchte Raphael sich nun, mit bereits wesentlich festerer Stimme zu rechtfertigen, ehe er sich einen Ruck gab und langsam aufrichtete. Blinzelnd versuchte er sich an das helle Sonnenlicht zu gewöhnen, das zum Schlafzimmerfenster herein fiel und sah sich dann nach der Uhr auf dem Nachttisch um. „Schon nach zehn? Du hättest mich wecken können.“  Cathy nickte, doch man sah ihr deutlich an, dass sie ihm diese Gelassenheit nicht abkaufen wollte – sie kannte ihn so viel besser, als gut für sie beide war.
„Hätte ich machen können, aber du warst so kaputt, also dachte ich, ich lass dich schlafen und dann … naja, hast du geschrien und … also, denkst du nicht, es wäre besser ihn einfach Mal anzurufen?“
Nein. Ganz sicher nicht. Mit einem entschiedenen Kopfschütteln lehnte er ab, schwang sich dann über die Bettkante, wo er neben seiner Frau für einige Sekunden sitzen blieb und ihr einen leichten Kuss auf die Wange gab. „Glaub mir, es ist besser so“, versicherte er ihr anschließend, ehe er sich daran machte seine Hose zu suchen und hinüber in die Küche tappte. „Auch nen Kaffee?“
Vermutlich nicht, wie es aussah hatte Cat ihre morgendliche Aufwach-Tasse bereits gehab und Raphael selbst, würde seinen Becher wohl mit zur Arbeit nehmen müssen, wenn er nicht schon wieder zu spät kommen wollte. Und den vierten Tag in Folge, machte sich das wirklich nicht gut. Dort würde er wie bisher einige Leute auf der Bühne herum kommandieren, selbst ein wenig in den Gerüsten herum klettern und schließlich, irgendwo auf einem halbdunklen Parkplatz vorsichtig eine ganz bestimmte Nummer in sein Handy tippen, sich als irgendeine erfundene Firma ausgeben und so Lavern über seinen Bruder ausquetschen. Nicht viel, nichts Genaues – das würde er nicht verkraften. Nur so weit, dass er sich sicher sein konnte, dass Dorian nicht mit einer Kugel im Kopf in seinem Appartement aufgefunden worden war. Denn ganz gleich wie sehr er ihn auch von sich gestoßen hatte, er würde nie aufhören ihn zu lieben, sich um ihn zu sorgen und … Schluss jetzt, der Kaffee war fertig. Raphael auch. Doch er lächelte, der Kaffee nicht – beneidenswert.
„Bis heute Abend Cathy!“ – und auch hinter ihm, fiel eine Tür ins Schloss.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Sa 29 Aug 2015 - 23:53

Als großer Bruder hatte er ja sowas von total versagt. Und er schämte sich so zu Grunde für das, was er Raphael da im Krankenhaus angetan hatte. Auch am zweiten Morgen nach der Krankenhausnacht schaffte er es nicht, aus dem Bett zu kommen, davon abgesehen ging es ihm körperlich unheimlich dreckig und es war ihm einfach nur noch nach Heulen zumute. Nichts würde er lieber tun, als Raphael anzurufen und ihn anzuflehen, vorbeikommen zu dürfen, um ihn auf Knien zu bitten, ihm das zu vergeben, auch wenn er das nicht erwarten konnte. Wie hatte er ihm bloß all diese schrecklichen Dinge an den Kopf schmeißen können? Im Nachhinein machte ihn das selbst ziemlich krank und er machte sich fürchterliche Vorwürfe. Am dritten Tage zwang er sich zur Arbeit, verließ das Gebäude jedoch wieder nach zwei Stunden. Es war, als hätte ihm jemand sämtlichen Antrieb genommen, sein Leben fortzuführen, er war vollkommen lustlos, fühlte sich leer und schätzte die Lage mehr oder minder als aussichtslos ein. Er hatte nicht mal das Bedürfnis nach Zerstreuung und Ablenkung, was man irgendwie noch mit Alkohol oder Bastian stillen können würde, es war alles einfach nur ein einziger zähflüssiger schwarzer Morast und er steckte darin fest, kam nicht vor und nicht zurück, verdammt dazu, zu verharren und darauf zu warten, dass es eines Tages den Schlag tun würde und es beendet wäre. Fern liegend war das, was er Raphael da im Krankenhaus an den Kopf geworfen hatte, nicht und für jeden anderen wäre eine solche Verzweiflungstat auch nachvollziehbar gewesen, allerdings liebte er seinen Bruder zu sehr um ihm das je antun zu können. Es alleine in Aussicht zu stellen war etwas, was er sich selbst nie vergeben würde, genauso wie diesen ganzen Ausraster allgemein. Er konnte noch immer nicht sagen, was da in ihn gefahren war.
Zwei Monate später antwortete er Bastian dann doch auf eine seiner regelmäßig eintreffenden Nachrichten und sie verabredeten sich, wobei sich der Blonde als viel zu einfühlsam und mitfühlend entpuppte, als dass es nach ein bisschen Herumgejammere nicht zu ein wenig Frustsex und anschließendem In-den-Schlaf-Kuscheln hätte kommen können, auch wenn Dorian dabei ständig den deutlichen Druck der niederdrückenden Schuldgefühle spürte, die ihn in mehr als nur vereinzelt auftretenden Momenten überfielen und beinahe den Atem raubten. Andererseits war Bastian in dem Moment aber auch einfach nur noch Balsam für seine Seele, das musste er ehrlich zugeben. Zwar verstand er, weil Dorian ihm eben nur davon berichtete, dass es sich lediglich um einen anderen Kerl, nicht aber um seinen Bruder, handelte nicht in vollem Ausmaß, was ihn so zerfraß, aber er war da und er machte es besser, als es wäre, wäre er allein und müsste selbst mit der Situation fertig werden. So war es Raphael mit Catherine wohl auch ergangen. Und er hatte ihm Vorwürfe gemacht und sie einzig und allein deswegen gehasst. Wie hatte er das tun können? Was für ein Monster war er? Raphael war in seinem Haus über Bastian gestolpert, nachdem er quasi mit ihm telefoniert hatte und es irgendwie noch hinbekommen, teils den Schein zu wahren, er sei sein Zwilling! So ging man mit einer solchen Situation um, man respektierte die Entscheidungen des anderen!
"Dorian, bitte hör mal auf damit, du bekommst Falten davon...", flüsterte eine sanfte Stimme neben ihm im Bett, beugte sich über ihn und er spürte, wie schlanke Finger vorsichtig seine Stirn glatt strichen und sich Lippen auf seine legten, "Schlaf jetzt, ja? Du bist morgen sonst wieder total fertig."
"Bastian?", bestimmt schob Dorian die Hand des anderen von seinem Gesicht und stützte sich seitlich auf den Unterarm um den anderen besser ansehen zu können, dem sogleich ein enttäuschter Schatten übers Gesicht gehuscht war und den er grade noch davon abbringen konnte, sich zu entschuldigen, indem er weiter sprach. "Danke... dass du da bist."
Die Züge seines Gegenübers glätteten sich zunächst in Überraschung, ehe er wie die aufgehende Sonne zu strahlen begann, ihn an sich zog, sich gegen ihn schmiegte und er alsbald einschlief während sich der andere für einen Moment vorzustellen erlaubte, er halte seinen Bruder im Arm, in der Hoffnung, wenigstens von ihm zu träumen wenn er nun die Augen schloss.

'SCHEISSE DORIAN WAS MACHST DU DA?!'
Seit der Hochzeit seines Bruders war mittlerweile ein gutes halbes Jahr vergangen und Bastian war mittlerweile sowas ähnliches wie bei ihm eingezogen. Morgens wurde er von ihm wachgeküsst und mit einem liebevollen Frühstück versorgt, abends wenn er von der Arbeit kam von einem total verliebten, jungen blonden Ding begrüßt, erstmal ins Schlafzimmer gezerrt und danach an einen gedeckten Tisch gesetzt. Überraschenderweise stellte sich heraus, dass Bastian wirklich gut kochen konnte. Er meinte mal, er hätte einen Kochkurs mitgemacht als er studiert hatte oder so ähnlich... das schien ein toller Kochkurs gewesen zu sein, er konnte prima und vor allem auf abwechslungsreiche Weise mit allerhand an Gewürzen und exotischen Gemüsesorten umgehen für die er wahrscheinlich in die nächstgrößere Stadt fahren musste um sie zu bekommen. An den Wochenenden unternahmen sie, wenn sie beide nichts für die Arbeit erledigen mussten, kleine Ausflüge zusammen oder buchten spontan Kurztrips die darin endeten, dass den liebelangen Tag nur noch gevögelt wurde. 
Es war nicht so, dass Dorian seinen Zwilling vergessen hätte, allerdings war das hier im Vergleich zu den ersten paar Wochen das pure Paradies und er fühlte sich einigermaßen ganz und lebendig, nicht als hätte man ihm die Hälfte seiner Innereien herausgenommen, ihn mit Eiswürfeln aufgefüllt und wieder zugenäht. Er erlaubte es sich selbst, zufrieden mit seinem Leben und dankbar für Bastian zu sein, sah ihn quasi als seine Catherine an und versuchte, soweit das möglich war, gedanklich die Finger von Raphael zu lassen. Allerdings kam es in letzter Zeit dafür häufiger vor, dass er schlafwandelte. Bisher war er einmal komplett ausgebüchst und bis um vier Uhr morgens entlang des Highways gelaufen, der nach Süden aus der Stadt führte und dem man folgen musste, wollte man seinen Zwilling besuchen. Bastian hatte ihn, krank vor Sorge und nachdem er die Polizei zusammengeschissen hatte, was für eine unsinnige Regelung es sei, dass man jemanden erst nach 24 Stunden als vermisst melden konnte, auf eigene Faust gesucht und schließlich gefunden. Dann wiederum kam es vor, dass er einfach ins Wohnzimmer runter ging und sich das Album mit den Hochzeitsfotos ansah, dass Catherine ihm hatte zukommen lassen, was er dann allerdings in der Hoffnung, dass Bastian nichts kombiniert oder geschlossen hatte, im Safe eingeschlossen hatte.
Als er heute "aufwachte" stand er in der Küche neben dem Messerblock, eines der Schneidwerkzeuge gezückt und drauf und dran, es sich selbst in die Handfläche zu rammen, hätte Bastian ihn nicht aufgehalten und irgendwie wach gekriegt. Erschrocken ließ er das Messer los, das daraufhin vom Blonden vorsichtig beiseite gelegt wurde, und machte einen Schritt rückwärts.
'Du musst dringend mal zu einem Psychologen, Dorian, echt. Das ist doch alles nicht mehr normal, du bist ja krank. Das wievielte Mal ist das jetzt für diesen Monat? Das vierte? Was ist, wenn du dir irgendwann was antust und ich bin nicht da? Oder wenn du auf der Landstraße von einem verdammten Laster überfahren wirst, he? Hey, bist du wach? Sieh mich an...', seine Stimme wurde sanfter, er nahm die Hände des anderen und suchte nach Blickkontakt, 'ich mach mir verdammt große Sorgen um dich, verstehst du das nicht?'
"Es tut mir so leid, Bastian, ich weiß ehrlich nicht, wieso ich das mach'... ich lass mir gleich morgen einen Termin geben, ich versprechs."
'Das sagst du jedes Mal und nie machst dus. Ich werd dir einen guten Psychologen raussuchen, dir einen Termin machen und du wirst da hingehen.'
Ich werde nicht wieder etwas Dummes tun oder dir solche Angst machen, wirklich nicht. Versprochen! Und jetzt du … du musst auch versprochen sagen, sonst gilt es doch nicht.
Ist okay…Versprochen!
"Ich..."
'Scheiße, Dorian, hör mir zu: Ich hab keinen Bock drauf, ok? Du bist ein emotionaler Komplettschaden gewesen, es ist ein Wunder, dass du mittlerweile drauf klar kommst wenn du bei Bewusstsein bist und den Rest kriegen wir auch noch hin, ok? Wir schaffen das, du wirst wieder ganz gesund und ich kann wieder beruhigt schlafen. Im Ernst, ich stell mir alle halbe Stunde einen Wecker um zu kontrollieren, ob du überhaupt noch da bist, so geht das nicht weiter!'
Schuldbewusst ließ der Dunkelhaarige Schultern und Kopf hängen. Irgendwie bekam er mehr und mehr das Gefühl, dass er die Leute, denen er begegnete, zunächst an sich band um ihnen dann schrecklich weh zu tun auf seine eigene, erbarmungslos grausame, unmögliche Art. Das tiefe Seufzen ließ ihn wieder aufschauen zu dem schuldbewussten Ausdruck des anderen.
'Tut mir leid, ich wollte dich nicht anfahren, ich mach mir nur Sorgen und bin gestresst. Auf der Arbeit läuft grade nichts so, wie es soll, ich krieg nichts auf die Reihe weil ich einfach nicht bei der Sache bin, ich hab Angst, dass sie mich nicht übernehmen und allgemein... ach man, eigentlich wollte ich dich mit meinem Gejammere verschonen, als hättest du nicht deine eigenen Probleme.'
Ein flüchtiger Kuss landete auf Dorians vor Verwunderung leicht geöffneten Lippen, während seine Hand von der des anderen erfasst und er wieder nach oben zum Schlafzimmer gezogen wurde.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 10 Sep 2015 - 15:39

Catherine summte leise eine kleine Melodie vor sich hin und betrachtete zufrieden die Zahlungsbestätigung auf dem Monitor vor sich – alles gut. Entspannt, jedoch nicht vollkommen unbeschwert drehte sie sich auf ihrem Bürostuhl um und schenkte ihrem Mann ein kleines, beinahe schüchternes Lächeln. „Raphael?“, ihre Stimme war halblaut, sanft und trotzdem schien es als hätte sie den Angesprochenen gerade angeschrien, so schnell flog dessen Blick von dem Buch in seiner Hand zu ihr und wäre ihr dieser leere Ausdruck seiner Augen nicht schon viel zu vertraut gewesen, hätte sie sich mit Sicherheit Sorgen gemacht. Doch mittlerweile waren diese Phasen beinahe zu einem festen Teil ihres Miteinanders geworden: Im einen Moment konnte man noch herzlich mit ihm Lachen, im nächsten verstummte er und zog sich wie eine Schildkröte in seine eigene, kleine Gedankenwelt zurück. „Hm?“, war die einzige Antwort, wenngleich er sich anscheinend beeilte nicht ganz so unbeteiligt zu wirken. Schnell legte er das Buch beiseite. Es war ein Kriminalroman, den er schon seit Wochen las, aber einfach nicht weiterkam, da ihn der Hauptcharakter viel zu sehr an seinen Bruder erinnerte. Es gab so vieles, das ihn an seinen Bruder erinnerte und jedes kleine Bisschen schmerzte ihn ebenso sehr, wie der Moment in dem Dorian aus seinem Krankenhauszimmer gestürmt war. Doch beiseite damit, nicht jetzt, nicht hier – für seinen Zwilling gab es in diesem Leben keinen Platz mehr. Und wenn er diese Einstellungen nicht radikal verfolgte, würde er eines Tages an all den Erinnerungen zerbrechen.
„Ich habe Karten bestellt, für ein Theaterstück hier in der Nähe. Irgendeine Neuinterpretation von Shakespeares Sommernachtstraum mit einer neuseeländischen Tanzgruppe, die sollen wirklich gut sein, ich dachte das wird schön…“
Erleichterung zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sie feststellte, dass er offensichtlich auf das reagierte, was sie sagte und wirklich, Raphael gab sich alle Mühe die von ihm verlangte Begeisterung vorzubringen. Glaubwürdig, beinahe zumindest. „Das klingt prima Schatz, natürlich wird es schön. Wann denn, nächste Woche?“, und da er es nicht nur bei einer Gegenfrage belassen wollte, gab er sich schließlich einen kleinen Ruck. „Ich muss nachher nochmal los und könnte was vom Griechen mitbringen, oder indisch wenn dir das lieber ist – dann sparen wir uns heute das Kochen und machen uns einen gemütlichen Abend, was meinst du?“
Das kam unerwartet, doch umso erfreulicher und begeistert nickend stimmte Cat seiner Idee zu. „Also Moussaka fände ich nicht schlecht“, stimmte sie zu und fragte sich gleichzeitig, ob dies wirklich derselbe Mann war, der morgens hin und wieder Probleme hatte aus dem Bett zu kommen, ganz so als hätte er jeglichen Antrieb verloren. Wie bei einem alten Auto war es Tag für Tag eine Glückssache ob es ihm gelingen würde den Weg zur Arbeit zu finden, ein paar Worte mit Cathy oder Kollegen zu wechseln – manchmal gab es drei gute Tage in Folge. Er war unternehmungslustig, aktiv, schmiedete neue Pläne und dann wieder lag er eine Woche flach, konnte kaum laufen und war nur schwerlich im Stande eine feste Mahlzeit bei sich zu behalten. Seine Frau wusste, dass es die Trauer war, welche wie ein Virus in ihm nistete, doch wusste sie keinen Weg ihm zu helfen, außer für ihn da zu sein, wenn die Alpträume wieder die Oberhand gewannen. Es wäre eine Lüge zu behaupten, sie wisse nicht woher diese rührten.
„Gut, vielleicht schau ich ja auch nochmal in der Videothek vorbei und schau ob sich dort ein guter Film finden lässt…“, bot er noch an, doch diesmal war es Cathy die kaum mehr zuhörte, da sich in ihrem Kopf langsam aber sicher ein Plan manifestierte.
Sie hatte schon öfters darüber nachgedacht, doch das Vorhaben immer und immer wieder verworfen, viel zu unsinnig schien es ihr und zu gefährlich. Was wenn sie noch mehr zerstörte, als ohnehin schon geschehen war? Doch langsam aber sicher hielt sie es nicht mehr aus und von Tag zu Tag, ganz gleich ob ein guter oder schlechter, wurde der Drang heftiger.

Die Vorstellung war famos gewesen, die Tänzer grandios und es hatte gut getan ihren Mann mal wieder herzlich lachen zu sehen. Seit einer gefühlten Ewigkeit waren sie mal wieder miteinander ausgegangen, hatten gemeinsam die kleine Bar in der Nähe des Theaters ausfindig gemacht und waren die halbe Nacht auf gewesen, hatten vier kleine Schalen Erdnüsse leer gefuttert, wobei sie immer einen Tisch weiter gezogen waren und als sie vor gut einer  Stunde zu Hause angekommen waren, hätte Cat beinahe heulen können, so glücklich waren sie gewesen. Jetzt jedoch war sie allein, saß wieder auf dem Sofa und betrachtete die zwei halbvollen Rotweingläser auf dem Couchtisch – nicht einmal die hatten sie leeren können, ehe sie tapsig und albern übereinander hergefallen waren und ihr Kopf beinahe an den Türrahmen gekracht wäre, als Raphael versucht hatte sie ins Schlafzimmer zu tragen.
Jetzt jedoch war der Zauber verflogen und ihr was aus ganz anderen Gründen wieder zum Weinen zu Mute. Heimlich hatte sie sich aus dem Bett gestohlen, herunter geschlichen und blickte nun, voll verzweifelter Aufregung auf das kleine Mobiltelefon in ihren Händen. Sollte sie oder sollte sie nicht?
Doch letzten Endes entschied nicht die Vernunft. Viel mehr war es ein Impuls, der tief aus ihrem Innersten kam und sie dazu brachte die Tasten zu drücken. Kontakte, runter scrollen, ein wenig zu weit, zurück, da war er – und keine zwei Sekunden später presste sie sich das Handy ans Ohr, lauschte ihrem Atem und wartete auf Dorians Stimme am anderen Ende der Leitung.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 15 Sep 2015 - 19:28

Er hatte die dritte Sitzung hinter sich. Jeden zweiten Dienstag seit vergangenem Monat, ging Dorian Maynard nun zu einem Seelenklempner. Er schob bei Kollegen und Freunden, abgesehen von Bastian, der (zumindest ungefähr) wusste, was Sache war, ein Burn Out vor. Stress im Beruf, zu wenig Freizeit... eben das Übliche. All das, was ihn kein Stück belastete. Und dann saß er eben seinem Betthäschen zuliebe bei Dr. Leonid Oblonski, der einen angenehmen, osteuropäischen Akzent hatte, und redete über bemüht belangloses, manchmal schlicht erlogenes Zeug. Er hatte zwar schon die berechtigte Sorge, dass der gute Mann früher oder später in seine Psyche Einsicht nehmen und zu den richtigen Problemen vordringen würde... aber das wollte er um jeden Preis zumindest aufschieben. Oh und sie hatten sich etwas einfallen lassen wegen des nächtlichen Umherwanderns, was sich auch prima in das (im wahrsten Sinne) einbinden ließ, was meist vor dem nächtlichen Umherwandern stattfand: Sie banden ihn einfach mit einem Seil das nicht scheuerte am Bettpfosten seiner Seite fest. Einfache und geniale Idee. Einmal war er deswegen schon aufgewacht, einmal hatte er, laut Bastian, die halbe Nacht neben dem Bett gestanden und aus dem Fenster gestarrt, ohne dass man ihn hatte aufwecken können... all so gruseliges Zeug eben, aber immerhin brach er nicht mehr aus und lief auf Straßen herum. Das war ein Fortschritt. Und Bastian wurde, dank des eliminierten Schlafmangels, auch sehr viel verträglicher. Regelrecht süß... fast schon zu süß. Einmal hatte er ihn so an seinen Bruder erinnert, dass das beinahe einen Anfall bei ihm ausgelöst hatte. Er hatte irgendwas gesagt, er wusste gar nicht mehr genau was, aber: Selbe Tonlage, selbe Redewendung, selbe Geste. Vermutlich machte er es selbst so und er hatte es sich einfach von ihm abgeschaut, aber... Sowas war einfach noch ziemlich schwer für ihn zu ertragen. Er hatte ohnehin schon so das Gefühl, Raphael ersetzt zu haben und das brach ihm das Herz. Aber was sollten sie machen? Er hatte Catherine, er hatte Bastian. So war es nun mal. Am Besten, man dachte nicht allzu intensiv darüber nach. Am Besten, man dachte überhaupt nicht mehr darüber nach!
An diesem Abend hatte Bastian Spätschicht und er hatte sich bereit erklärt, das Abendessen bereit zu haben, wenn er wieder kommen würde, was so gegen zehn der Fall sein würde, wie er ihm versichert hatte. Er würde was bestellen, auch der Dunkelhaarige hatte einen anstrengenden Tag hinter sich und unwahrscheinliche Gelüste auf Sushi, das machte er selbstverständlich im Interesse der Allgemeinheit lieber nicht selbst, es sei denn die beiden wollten morgen abwechselnd das Klo mit ihrem Erbrochenem beglücken. Aber er hatte die Nummer vom Lieferdienst schon rausgesucht, es den beiden im Wohnzimmer gemütlich gemacht (Bastian stand auf diesen ganzen Kerzen-Kram und so... romantisch eben) und einen tollen Film rausgesucht, der ihm bestimmt gefallen würde, da klingelte mit einem Mal sein Handy. Hoffentlich musste er keine Überstunden machen, ehrlich gesagt war er jetzt schon müde und der Film ging auch seine knappen zwei Stunden...
Als er einen Blick auf das Display erhaschte und da Catherine stand, starrte er ihren Namen einfach nur eine Weile irritiert an, als würde er davon weggehen und einem Bastian weichen. Auf einmal fühlte er mich auch so, als wäre es überhaupt nicht schlimm, die ganze verdammte Nacht durchzumachen! Wieso auch nicht? Er war noch nicht soo alt, dass er das nicht vertragen würde, war doch alles kein Problem... ach verdammt! Warum hatte er überhaupt ihre Nummer eingespeichert? ... oh. Die Familienfeier, stimmt. Sie hatten gemeinsam Raphael im Krankenhaus überwacht, Catherine hatte dann irgendwann gehen müssen und ihm ihre Nummer da gelassen mit der dringenden Bitte, gefälligst wegen jeder noch so unwichtigen Kleinigkeit anzurufen, sie wolle absolut alles wissen. Tja. Und nun rief sie ihn an. Offenkundig nicht wegen ihres Mannes sondern... weshalb auch immer... er wollte da nicht rangehen!
Da hörte es dann auch auf zu klingeln und die Erinnerung des verpassten Anrufes blinkte kurz auf dem Display auf, ehe dieser wieder dunkel wurde. Noch immer hielt er es in der Hand und betrachtete es mir einer Mischung aus Abscheu und Faszination... so in etwa, wie man einen überaus seltenen und gleichsam hässlichen Käfer ansehen würde, interessierte man sich für dererlei Getier. Das war bei ihm nicht der Fall, allerdings fiel ihm in diesem Moment siedend heiß ein, dass Catherine grade auch hatte schlechte Nachrichten überbringen wollen weils es ihrem Mann nicht gut ging... was, wenn er einen Autounfall gehabt hatte? Und jetzt... brauchte er eine... Spenderniere oder sowas! Da wäre er doch der erste Ansprechpartner und das wäre auch sinnvoll weil seine Niere eine prima Niere für seinen Bruder wäre!
Schnell entsperrte er das Gerät und wählte Catherine zurück, sobald am anderen Ende abgehoben wurde, ließ er sie nicht mal zu Wort kommen und unterbrach sie gleich.
"Was ist passiert, gehts ihm nicht gut?!"
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 16 Sep 2015 - 14:07

Doch die Stimme kam nicht. Stattdessen bedeutete  die Mailbox ihr irgendwann eine Nachricht für Dorian zu hinterlassen und Cathy legte auf, nicht sicher ob das gerade nicht alles nur eine verspielte, kleine Fantasie war die sich ihr Hirn erlaubt hatte. Vielleicht war es sogar Glück gewesen, dass er nicht ran gegangen war – was hätte sie schließlich zu sagen gehabt? Nichts. Nichts außer einen Hilferuf, den zu formulieren sie nicht im Stande war, denn was gingen sie schließlich die Angelegenheiten der beiden Brüder an? Nichts. Raphael mochte ihr Mann sein, doch das gab ihr noch lange kein Recht in seinen Familienangelegenheiten herum zu pfuschen und gerade wollte das schlechte Gewissen ihr bereits einen Stich versetzten, da klingelte ihr Handy – ein Rückruf.
Scheiße, jetzt hatte sie sich aber etwas eingebrockt. Trotzdem nahm sie ab und presste das kleine Telefon angespannt ans Ohr.
„Ehm, hallo Dorian, ich bins … was? Nein, ihm geht es gut, das heißt … eigentlich nicht, aber es ist nichts schlimmes, er schläft grad und ich wollte mich eigentlich nur melden, weil…“ – ja warum eigentlich? So ganz konnte sie es selbst nicht sagen, konnte all die Probleme, die bereits seit Wochen irgendwo hinter den Zeilen ihres Zusammenlebens mit Raphael lauerten nicht in Worte fassen. Doch sie waren da, diese Stimmung, die Trauer und es brach ihr das Herz ihn so erleben zu müssen. Also ganz gleich, wie peinlich der Anruf auch verlaufen würde, denn die Bemühungen waren es Raphael zu liebe mehr als wert.
„Also, ich rufe an weil ich dachte wir können reden … oder so, Raphael, geht es um ehrlich zu sein miserabel – ich weiß nicht wie ich es erklären soll, er ist zwar hier bei mir, aber seit dem Vorfall im Krankenhaus … ganz ehrlich, es klingt zwar wahnsinnig dramatisch, aber seit damals ist er wirklich nicht mehr er selbst, Dorian“, ihre Stimme klang dringlich und bittend zugleich, auch wenn sie ihm im Grunde nur die Fakten der letzten Wochen schilderte. Trotzdem hoffte Cat, so sehr dass er würde irgendetwas ändern können – sie waren Brüder, Zwillinge, sie konnten doch nicht ewig zerstritten bleiben. Nichts, was sie sich vorstellen konnte war so schlimm, dass ein solches Band für immer daran zerbrechen könnte, doch ahnte sie ja gar nicht wie Recht sie hatte.
Es war nicht zerbrochen und würde nie verschwinden – die einzigen, welche daran zerbrachen, waren Dorian und Raphael.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 16 Sep 2015 - 15:46

Dorians Miene verfinsterte sich zusehends, je weiter das Gespräch verlief und am Ende, als er schließlich auflegte, machte er in etwa den Eindruck eines Sohnes, der soeben erfahren hatte, dass seine Mutter gestorben war. Kurz darauf schrieb er Bastian eine Notiz, schnappte sich seinen Parka und machte sich daran, in sein Auto zu kommen, damit er eine kurze Zeit später vor dem durchgehend geöffneten Coffeeshop in der Nähe der Wohnung seines Bruders und dessen Frau halten konnte, in dem sie sich verabredet hatten und vor dem Catherine bereits auf ihn wartete. Er stellte den Wagen ab, stieg aus und begrüßte sie, nicht grade kalt, nur auch wieder nicht sonderlich herzlich, während sie zusammen eintraten. Der Laden war leer bis auf sie, ihn und den Angestellten hinterm Tresen. Sicher ein Student. Um die zwanzig, modische Hornbrille, dürre Beinchen in hauchengen Skinny Jeans, dazu ein Tank Top und darüber ein Cardigan... einer dieser Art von Menschen, die wie Klonkrieger durch die Straßen rennen, alle irgendwie anders und doch gleich aussehen. Seine Firma hatte sicherlich an die 40 Praktikanten, die alle genau so aussahen. Und ja, er lenkte sich grade definitiv davon ab, dass er mit seiner Schwägerin in ein Starbucks gegangen war. Er hatte sie vor Ewigkeiten das letzte Mal gesehen und das hier war unangenehm! Da stürzte sich seine Wahrnehmung eben auf andere Kleinigkeiten...
Sie bestellten sich etwas und gingen dann in den Sitzbereich im oberen Stockwerk des Ladens, wo sie es sich in einer Sofaecke gemütlich machten, die Getränke auf dem kleinen, niedrigen Sofatischchen abstellten und dann auch recht bald schon zur Sache kamen. Sie erzählte ihm dann relativ ausführlich, wie es seinem Bruder ergangen war und er hörte ihr einfach nur still und aufmerksam zu, den Blick halb scheu und halb zaghaft-zutraulich auf ihre warmen, dunklen Augen gelegt. Sie sah gut aus. Sehr gut sogar. Nicht hundert prozentig glücklich, das nicht, aber... ihre Haut hatte eine schöne Tönung, sie wirkte total gepflegt, nur leicht gestresst und sie sah noch immer, auch ohne das Kleid, genauso schrecklich schön aus, wie sie bei der Hochzeit und auch bei dem Abendessen mit ihren und seinen Eltern ausgesehen hatte.
Was sie allerdings über seinen Bruder erzählte, nahm ihn mit. Zusehends, auch wenn er nach Kräften versuchte, es zu verbergen und zu überspielen, es half ja nichts, vor seinem geistigen Auge sah er ihn ja vor sich, wie er versuchte, sich abzufinden und glücklich zu sein, es aber nicht vollkommen sein konnte... er hatte ja auch gewusst, dass es ihnen beiden so gehen würde. Auch, wenn er im Krankenhaus ein solcher Arsch gewesen war, er wusste, er konnte seinen Raphael nie so versetzen, dass er ihn nicht mehr lieben und vermissen würde... ihm ging es ja nicht anders. Der Gedanke machte den jungen Mann in dem Moment so traurig, dass er am liebsten einfach wieder gegangen wäre, allerdings konnte er Catherine das ja wohl nicht antun. Das Problem mit ihr war aber nun mal, dass sie wohl mehr mitbekam und wusste, als gut für sie war. Wieso hatte sein Zwilling nicht irgendetwas weniger sensibles finden können? Und warum fragte sie grade ihn um Rat? Er war mindestens genauso verzweifelt wegen der ganzen Sache, hätte er das Wundermittel gegen diesen Schmerz gefunden, er wäre schon lange darin ertrunken! Aber im ehrlich zu sein: Sie tat ihm leid. Genauso, wie Bastian ihm leid tat. Denn wie man es drehte und wendete: die beiden waren Lückenbüßer. Verdammt gute Menschen, die etwas Besseres verdienten, aber sie würden nie mehr sein als das, was sie jetzt waren. Ein Ersatz. 
Trotzdem wollte er sie unterstützen und ihr weiterhelfen. Sie saßen bestimmt noch zwei Stunden im Café und redeten ohne Unterbrechung miteinander über seinen Bruder. Er hatte das Gefühl, dass sie das erleichterte und eine große Verantwortung von ihr abfiel, je länger sie miteinander sprachen. Ihre Unsicherheit in der Angelegenheit hatte ihr wohl sehr zugesetzt, verständlicherweise, doch in vielen Fällen hatte er sie beruhigen können. Ebenfalls brachte er sie dann auf einige Ideen, wie man Raphael wieder aufheitern könnte, denn er kannte seinen Bruder schließlich, wie sich selbst. Es waren jetzt keine weltverändernden Tipps und Tricks, er verriet ihr nur Kleinigkeiten, Gesten, die seinen Bruder seit jeher glücklich gemacht hatten (selbstverständlich ausgenommen des Austauschs von Zärtlichkeiten und Ähnlichem. Das wäre dann schon zu weit gegangen...) aber um Beispiele zu nennen sein Lieblingsessen an regnerischen Tagen, seine Lieblingsband, deren neustes Album vor wenigen Tagen auf den Markt gekommen war und so weiter und so fort. Er konnte es nicht ändern, dass er keine aktive Rolle mehr in dem Leben seines Bruders spielen durfte, er konnte es ihm aber so angenehm machen, wie es ihm möglich war...
"... Dorian, ist alles in Ordnung? Weinst du etwa?"
Was?
Rasch blinzelte er, senkte den Blick und wischte sich einmal kurz über die Augen.
"Nein... nein, nein, schon gut, die... die Luft hier oben ist so trocken, ich hab da immer Probleme mit den Augen.", erklärte er schnell und lächelte zu ihr herüber. Es machte ihn glücklich, dass er... naja, dass er helfen durfte. Er freute sich jetzt schon, wenn Catherine Raphael ab sofort mit kleinen Überraschungen das Leben versüßen könnte, er war so dankbar, dass sie ihn angerufen hatte und... ja, er... das alles hier... ach verdammt!
"Catherine, ich vermiss ihn so unheimlich, es ist so... so schwer..."
Als er den Blick wieder zu ihr hob, hatte er schon etwas gequältes, auch, wenn er sich Mühe gab, gefasst zu sein, aber er hätte grade einfach nur noch so gern einfach in einem dunklen, schalldichten Raum herumgeschrien. Ihm war klar, dass er damit am wenigsten die Frau seines Bruders belasten durfte, aber in diesem Moment ging es einfach nicht anders. Er assoziierte mit ihr nun mal ihn und... es war alles so verwirrend! Sie standen sich doch nicht mal nahe, wieso sollte er sich ihr gegenüber offener geben als dem Psychologen? Das war doch alles Scheiße. Er sollte jetzt gehen, daheim wartete... oh Gott! Wann war alles so kompliziert geworden? Er konnte das hier nicht! Er wollte jetzt zu ihm, jetzt gleich!
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 17 Sep 2015 - 0:17

Catherine hatte ebenso wenig wie Dorian damit gerechnet, dass ihr Gespräch so lange und tiefgreifend werden würde – im Grunde, wusste sie gar nicht, was genau sie erwartet hatte, als sie sich mit dem Zwillingsbruder ihres Mannes verabredet hatte und doch saßen sie hier bereits seit gefühlten Stunden und von Minute zu Minute wurde ihr Herz ein Stück leichter. Am liebsten hätte sie mitgeschrieben, so viele Kleinigkeiten gab es, welche sie sich merken wollte, begonnen bei den einfachsten Aussagen Dorians, die ihr halfen wieder Mut zu fassen, bis hin zu den Tipps die er ihr im Vertrauen gab um Raphael wieder aufzumuntern. Ihr Kaffee wurde kalt und doch kehrte die Wärme nun auf ganz anderem Weg in sie zurück und desto länger sie sprachen umso mehr veränderte sich Cathys Bild von diesem Mann, der dem ihren so ähnlich sah und doch ein ganz anderer Mensch war, wenn man ihn einmal näher kennen lernte. Doch sie, die ihn bisher für vielleicht höflich, amüsant und doch im Grunde beinahe schon leichtsinnig unzuverlässig gehalten hatte, begriff nun Stück für Stück, dass auch er den Vorfall im Krankenhaus nicht einfach so hatte vergessen können.
Denn noch immer war da die offene Frage, was genau eigentlich vorgefallen war – auszusprechen wagte sie diese allerdings nicht mehr, nicht nachdem sie in Dorians Blick eine Trauer erkannt hatte, die der Raphaels zu ähnlich war, als dass sie hätte einfach so darüber hinweg sehen können.
Wie lieb von ihm, dass er sie beide mit einer einfachen Ausrede vor der Wahrheit zu schützen versuchte, doch letzten Endes täuschte er sie nicht eine Sekunde und als die Fassade schließlich tatsächlich bröckelte, war ausgerechnet sie es, die nach seiner kalten Hand griff, als würde die Geste auch im mindesten was ändern. Und doch tat sie es, in dem Moment da sich ihre dünnen Finger um die seinen legten, veränderte sich etwas zwischen ihnen – sie waren nicht länger nur Catherine und Dorian die sich darüber unterhielten, was das Beste für Raphael war. Nein, die Probleme waren bis zu ihnen vorgedrungen, schlichen sich wie kühle, kleine Schatten unter die Haut und ließen sie leise frösteln. Was war nur geschehen?
„Dorian, pssch, Dorian … alles wird gut“, murmelte sie – ein leeres Mantra, nicht mehr als dieselben aufmunternden Worte, die sie mehr als einmal hatte beiläufig am Frühstückstisch fallen gelassen, in der nichtigen Hoffnung irgendetwas bewirken zu können. „Alles wird gut, wirklich … doch ihr müsst euch wieder vertragen, Dorian – dein Bruder, er leidet wie ein Hund, du fehlst ihm doch auch. Was kann schon so schlimm sein, als dass ihr nicht irgendwann darüber hinweg kommen könntet?“
Sie schluckte schwer, sah zu Boden und dann wieder auf, ließ ihren Blick durch den Raum wandern, gleichsam verlegen und verwirrt – sie hatte darauf gehofft halt zu finden und fand sich selbst stattdessen haltloser denn je wieder, während die Gedanken in ihrem Kopf träge Kreise zogen, einer so nutzlos wie der andere. Sie konnte unmöglich sagen ob dieser Abend ein Fehler gewesen war oder nicht, ob es besser werden würde oder nicht, ob sich denn überhaupt irgendetwas ändern würde … oder eben nicht. „Du,.. hm Dorian, was…halt, nein, egal, lassen wir das…“, sie schüttelte den Kopf, als wolle sie eine wirre Idee los werden, die sich gerade eben in ihren Kopf gestohlen hatte, lächelte dann müde und drückte sanft seine Hand, ließ dann locker, als würde sie erwägen loszulassen, verpasste den Moment allerdings und gab es auf. Die Situation war mehr als merkwürdig und sie selbst musste sich Mühe geben nicht zu vergessen, dass es sich bei ihrem Gegenüber nicht um Raphael handelte, so stark war der Drang ihn einfach in die Arme zu schließen und im Geiste dafür zu beten, dass ihr Mantra eines Tages der Wahrheit entsprechen möge. Alles wird gut.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 17 Sep 2015 - 1:17

Für einen kurzen Augenblick, in dem es Dorian einfach viel zu viel wurde, erlaubte er es sich für eine Sekunde, die Augen zu schließen und sich vorzustellen, das wäre grade wirklich sein Bruder, der neben ihm saß und ihm so viel Trost spendete, wie seine Frau, die grade so ziemlich dasselbe gemacht hatte, mit dem Raphael auch angefangen hätte. Die Wärme ihrer zarten, schmalen und feinen Finger zu spüren gab ihm in diesem Moment so viel...

"Es ist so kompliziert, Catherine. Ich halt das alles nicht aus, ich kann dich nicht hassen, es geht nicht, ich kann das auch Bastian nicht mehr antun! Ich KANN das alles nicht mehr, ok? Also hör bitte auf, so scheiß nett und freundlich zu sein, damit machst du nichts besser, es macht es nur schwerer für mich, zu akzeptieren, dass du besser für meinen Bruder bist, als ich es je sein könnte! Es ist so unfair... CATHERINE, VERDAMMT, ICH LIEBE RAPHAEL! Ich habe nie jemand anderen geliebt als ihn und ich bin auch nicht fähig, je etwas auch nur annähernd so starkes zu fühlen, für einen anderen als ihn! Und ich würde dich so gern dafür hassen, dass du alles hast, was ich je wollte, aber es geht nicht, weil du ihm so unwahrscheinlich gut tust, dass es mich krank und zufrieden zugleich macht, ich weiß nicht mehr, was ich denken, fühlen oder sagen soll, alles ist falsch, gelogen oder tut meinem Bruder weh, alles was ich mache, hat diese schrecklichen Folgen und ich habe wirklich nicht das Gefühl, so weitermachen zu wollen aber ich machs und ich machs gerne weil ich die Hoffnung habe, dass ich eines Tages mit dir, deinen Eltern, meinem Bruder und unserer Familie an einem Tisch sitzen und essen kann, ohne mir Sorgen machen zu müssen. Oder Vorwürfe. Und ohne, dass es mir ein Loch in mich frisst, weil ich es euch beiden gern gönnen würde, was da grade den Anschein hat, aber ich nicht die Kraft habe, es durchzusetzen..."

... er öffnete die Augen wieder. Noch immer saß sie so ruhig neben ihm. Der sprichwörtliche Fels in der Brandung, der einem in den düstersten Situationen verspricht, dass am Ende des Tunnels das Licht kommt. Und er konnte ihr nichts sagen. Nichts von alldem, was er ihr gern entgegenschreien wollte. Denn er konnte sie nicht verletzen. Er musste damit selbst zurecht kommen. Durfte die Hilfe, die ihm immer und immer wieder von allen Seiten angeboten wurde nicht wahrnehmen, denn die Anbieter waren sich nicht über das Ausmaß bewusst, dass er brauchte. Darüber, wie abartig viel Rücksicht nötig wäre, um ihn nur ein kleines bisschen glücklich zu machen. Und er konnte das nicht verlangen, es wäre einfach nicht richtig.
Warum hatte er sich darauf eingelassen, er hätte sich nicht mit ihr treffen dürfen. Früher hatte er immer so gut einschätzen können, wo seine Stärken lagen aber heute Nacht hatte er sich einfach selbst überschätzt. Es war unvernünftig, herzukommen und sich mit der Frau, die ihm alles genommen hatte, was er nicht haben durfte, kaffeetrinkenderweise zusammenzusetzen.
Und in dem Moment zerbrach Dorian Maynard, wobei kein einziger Laut seine Lippen passierte. Er saß einfach nur da, die Hand fest gegen seinen Mund gepresst, zusammengesunken und zerrissen und versuchte, nicht nach seinem Bruder zu schreien. Wie konnte er es so weit kommen lassen, wieso um Himmels Willen hatte er diesem Treffen zugesagt, in welchem Paralleluniversum wäre das hier eine gute Idee gewesen!? Was hatte ihn geritten, her zu kommen um mit ihr zu quatschen? Das war ein einziger, riesiger Fehler gewesen und es brachte sie beide kein Stück weiter, es tat nur wieder Leuten weh! Ihm, ihr... irgendwie bestimmt auch Raphael, wenn sie den Mund nicht halten konnte und es ihm erzählen würde! Was hatte er sich gedacht?!
Ein einziger Ruck ging durch den Dunkelhaarige, als er aufstand und sich in Bewegung setzte, aufstand und auf direktem Wege das Café binnen weniger Sekunden verließ, wobei er sich wirklich extrem zusammenreißen musste, nicht auch noch zu rennen. Er verhielt sich wie ein flüchtendes Tier, lief wie von unsichtbaren Schnüren geführt zu seinem Auto und durchforstete seine Jackentasche mit zitternden Fingern nach dem Autoschlüssel, der ihm, sobald er ihn gefunden und aus der Tasche gezogen hatte, aufgrund seiner stark zitternden Finger aus der Hand in die Dunkelheit auf dem dunklen Schotterboden fiel.
"Scheiße!!"
Voller blinder Wut auf wen oder was auch immer trat er gegen den Reifen des Autos, schlug dann die Hände vors Gesicht, drehte sich so, dass er sich mit dem Rücken gegen den PKW lehnen konnte und ließ sich an dem kalten Blech hinab rutschen, bis er auf dem kalten, nassen Boden kauerte und zu absolut nichts anderem mehr in der Lage war, als sich so klein wie irgend möglich zu machen, die Stirn an die angezogenen Knie zu legen, die Augen zu schließen und sich zu wünschen, einfach nicht mehr da zu sein. Oder aufzuwachen. Neben ihm. Nochmal ein Kind zu sein, weit entfernt von allem, was kompliziert war.
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mo 21 Sep 2015 - 22:06

Catherine schwieg. Sie schwieg und beobachtete ihn und nahm alles was sie sah ins sich auf, als würde es ihr in irgendeiner Weise weiterhelfen können, wie sein Mundwinkel zuckte oder die Muskeln seiner Schultern arbeiteten, während er sich langsam nach vorne beugte und in sich zusammen sank. Ihr Blick ruhte auf Dorian und ging doch durch ihn hindurch, als würde sie dahinter noch mehr sehen, als lediglich die Fassade eines zutiefst zerstörten Menschen, eines Mannes der an seinen Gefühlen zerbrochen war und nun langsam aber sicher zusammen fiel. Es schien beinahe, als könnte sie selbst die unsichtbaren Fäden erkennen, welche seinen Arm hoben, die Hand zum Mund führten und das Schicksal bestimmend eines zum anderen geführt hatten – doch das, war eine Lüge.
Nicht die der bösartigen, unverzeihlichen Art, sondern einfach nur eine fehlgeleitete Vermutung, denn sie sah nicht mehr und nicht weniger als ihren Schwager Dorian Maynard, der hart mit den Tränen zu kämpften hatte. Und wäre jemand anderes in diesen Sekunden fähig gewesen durch ihre Augen zu schauen, hätte die Szenerie ihn wohl zu der Erkenntnis gebracht, dass es sich beim Leben selbst um nicht mehr als eine fehlgeleitete Vermutung handelte. Menschen selbst konnten nichts anders als sich am Netzt von Irrtümern entlang zu hangeln, in der Hoffnung, irgendwo anzugelangen wo es schön war oder was auch immer man erreichen wollte – und einige fielen und rissen andere wiederrum mit. Nichts großes, nur die üblichen Tragödien des Alltags.
Fragte man schließlich das Mädchen am Tresen, würde man auch garantiert eine ganz andere Geschichte zu hören bekommen, hielt sie die beiden doch für ein Paar. Aus den Augen aus dem Sinn, denn nicht jeder kann auch verstehen was er sieht und Catherine Payne in diesem Falle, hatte nicht den Funken einer Ahnung, was sich unter der Oberfläche tatsächlich abspielte.
Umso bestürzter war sie, als Dorian schließlich mit einem Satz auf die Beine kam und, sie hinter sich zurück lassend, hinaus in die verwaschen graue Nacht stürmte. Kurz war sie drauf und dran ihm etwas hinterher zu rufen, doch was? Sie hatte nichts zu sagen, noch gäbe es Worte, die den jungen Mann aufgehalten hätten, also blieb sie sitzen, betrachtete die kalt gewordenen Becher mit Kaffee und machte sich ihre Gedanken. Es war, als hätte ein einziger Moment all die vorherigen Minuten vernichtet, so leer war ihr Kopf, so wenig konnte sie sich an all die guten Ratschläge erinnern, alles positive war dahin, wie eine Zeichnung im Sand, die von den Wellen davon getragen worden war, nur weitaus weniger malerisch.
Verwirrt fuhr Cat sich durchs Haar, unschlüssig was nun zu tun war, sank zunächst noch ein wenig tiefer in den Sessel, nur um dann wieder empor zu schnellen, drauf und dran Dorian hinterher eilen zu können. Unsicherheit hielt sie allerdings zurück, das und der kalte, halb leere Kaffee, welcher ihr nun Gesellschaft leistete. Appetitlos und mehr einem Zwang als ihrem eigenen Willen folgend hob sie die Tasse dennoch an die Lippen und leerte hinunter was von dem Zeug noch übrig geblieben war – es schmeckte wie der Abend: Bitter, trostlos, kalt.
Und dann trugen auch ihre Füße sie hinaus, vielleicht weil eine irrige kleine Hoffnung ihr sagte, dass Dorian noch nicht verschwunden war oder auch einfach nur, da sie die falsche Wärme des kleinen Cafés nicht länger ertrug, die sie in etwa mit derselben Herzlichkeit umfing, wie die Umarmung eines verräterischen Freundes. Schützend genug um ihr jeden Moment das Messer in den Rücken zu rammen – nur dass das Übel nicht dort drin zwischen Bänken lauerte, sondern zu Haus, wo ihr Mann in seinen Träumen dem Bild seines Bruders hinterher jagte und ihr Verschwinden nicht im Geringsten bemerkt hatte. Auch sie war nur eine fehlgeleitete Vermutung.
Nickte dem Mädchen hinter dem Tresen zu und entschwand wortlos.
„Dorian?“, da war er. Oder, war er es? Dort auf dem Boden, am Wagen, in den Schatten getaucht. Sicher war sie sich erst als sie näher kam, so nah, dass ihre Fußspitzen beinahe an die seinen stießen, als sie vor ihm stand, unschlüssig was zu tun war, falls es überhaupt etwas zu tun gab und … was soll’s? Es gab nichts mehr zu zerstören, übrig geblieben war lediglich eine Ruine und aus einem Impuls, tiefsten, menschlichen Mitgefühls heraus ließ sie sich neben ihn sinken, spürte kaum wie die Nässe ihre Kleider durchdrang, sondern einzig allein seine Präsenz, so dicht neben sich, dass  der Schmerz beinahe so leicht zu ihr herüber sickerte, wie überflüssige Regentropfen auf Asphalt.
Es tut mir leid – Worte die nie gesprochen wurden, doch lagen sie alle fühlbar in der Luft, während ihre Hand langsam nach seiner Schulter tastete, über den krummen Rücken fuhr und vorsichtig das letzte bisschen der traurigen Seele neben sich liebkoste. Der Stoff seines Mantels war ebenso unwirklich wie das dämmrige Licht der Straßenlaternen oder ihre Stimme in der Nacht.
„Komm“, sie regte sich, setzte an sich aufzurappeln und blieb doch sitzen, nicht gewillt eher von seiner Seite zu weichen, als es unbedingt sein musste, „Komm, es ist kalt, wir können uns ins Auto setzen, ich kann dich auch heimfahren oder … oder wie fahren einfach nur herum, hören irgendwas für Musik, draußen auf dem Freeway, bis…“, sie verstummte wieder. Ihr war selbst klar geworden wie kindlich naiv ihr Angebot klingen musste und trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen, wartete sie tatsächlich auf seine Antwort. Manchmal halfen selbst die kleinen Dinge – nicht viel, aber genug um durch den Tag zu kommen. Oder die Nacht.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 0:06

Als er seinen Namen hörte, zog sich Dorian noch ein bisschen weiter in sich zurück in etwa wie ein kleines Kind, dass sich versteckte und unter keinen Umständen entdeckt werden wollte, was insofern eine trügerische Hoffnung war, als dass er an der Seite des Autos kauerte, die dem Coffeeshop und damit auch der herauseilenden Catherine zugewandt war, die er wenig später neben sich spürte, weil von ihr einfach diese grundgute Herzlichkeit und Wärme ausging, für die er sie so sehr zu hassen versuchte, es dann aber doch nicht schaffte.
"Bitte geh nach Hause...", flüsterte er, ohne sie ansehen zu können und hoffte insgeheim doch, dass sie ihn nicht allein ließ. Er würde morgen früh direkt zu seinem Psychologen gehen und ihm alles erzählen. Er sah es ein: er brauchte Hilfe. Und das dringend. Vielleicht konnte man all das hier irgendwie mit einer speziellen Therapie beenden oder ihn unter Medikamente stellen, sodass alles ein bisschen betäubt und abgestumpft wurde. Das wäre doch für alle das Beste oder etwa nicht?
Ihr plötzliches Angebot mit dem Umherfahren ließ ihn erstaunt zu ihr aufsehen und sich erneut davor gruseln, wie ähnlich sich sie und sein Bruder schon waren. Es war tatsächlich ein tröstlicher Gedanke, jetzt mit jemandem an der Seite durch die Nacht zu fahren und dabei ein bisschen gute Musik zu hören - andererseits wollte er nicht riskieren, Raphael den Bruder und die Frau zu nehmen, wenn er gleich auf der Landstraße wieder so einen Anfall bekam und beschloss, sein Auto um einen Baum zu wickeln, deswegen konnte er nur erneut den Kopf schütteln und sich zusammen reißen.
"Nein, das ist keine gute Idee... ich kann... ich fahr dich aber heim, es ist schon so spät und ich will nicht, dass er aufwacht, merkt, dass du nicht im Haus bist und sich Sorgen macht."
Das war wirklich in dem Moment sein einziger Antrieb, aus welchem heraus er aufstehen und sich in sein Auto setzen konnte, wonach er Cathy bis an die Haustür bringen konnte, ehe er sich knapp verabschiedete und dann so schnell wie möglich zu seiner Wohnung zurück kehrte. Wo bereits jemand ungeduldig auf ihn wartete. Auf der Treppe vor der Haustür sitzend. Und zwar nicht wirklich bettfertig sondern noch normal angezogen, neben ihm ein voller Koffer und eine Tasche, das Gesicht ein einziger Vorwurf.
'Wo bist du gewesen!? Ich komm heim und find einen beschissenen Post-It am Kühlschrank und das wars?!'
Ohje. So hatte er noch nie mit ihm geredet. Wie sollte er ihm das jetzt auch plausibel erklären? Hey Sunshine... ja also hör zu: ich hab mich ja echt auf das gemeinsame Essen und einen schönen Abend gefreut aber auf einmal packte mich diese abnorme Lust auf Kaffee und ich musste da in diese eine Filiale in der Nähe meines Bruders, obwohl wir einen Laden derselben Kette ganz in der Nähe haben, weil... ganz, ganz, ganz schlechter Ansatz. Um ehrlich zu sein hatte er keine Ahnung, wie er die ganze Geschichte erklären sollte.
"Bastian, es tut mir total leid..."
'Dorian, was soll diese Scheiße, wieso verarschst du mich? Macht dir das Spaß?? Spielst du gern auf diese Weise mit Leuten, musst du dir einfach immer mehrere warm halten oder was ist falsch mit dir?'
Völlig verständnislos starrte der Dunkelhaarige den Blonden an, nicht wirklich sicher, ob er ihn richtig verstanden hatte, weil das, was er grade sagte, in seinen Ohren absolut keinen Sinn ergab.
"...was?"
Fassungslos sprang der Wartende von der Treppe auf, lief auf ihn zu bis er vor ihm zum Stehen kam und funkelte ihn wütend an.
'Ich hab euch gesehen! Tu nicht so!'
Ihm stockte der Atem und sein Herz setzte für mindestens zwei Schläge aus, was sein Körper mit einem schrecklichen Schmerz in der Brust quittierte. Wann hatte er ihn mit seinem Bruder gesehen? Und wieso rückte er erst jetzt damit heraus?
"... Bastian... ich kann dir das erklären, bitte..."
Dem Blonden traten Tränen der Wut in die Augen und man sah deutlich, wie er die Zähne zusammen biss, auch, wenn das nur an dem Arbeiten der Kiefermuskulatur erkennbar war, ehe er den Blick zur Seite abwandte.
'Erklärs mir, nur zu!', fauchte er, noch immer stocksauer, während Dorian Maynard verzweifelt nach Worten rang während auch ihm erneut die Tränen in die Augen stiegen. Wenn er jetzt auch noch Bastian verlor, dann hatte er niemanden mehr. Wenn er dann fallen würde, wäre niemand mehr da. Kein Einziger. Er wäre ganz allein...
'Ist mir auch scheiß egal, ehrlich, du Arsch. Ich hoffe, sie passt deiner Familie besser ins Bild, anscheinend bist du ja doch nicht so schwul, wie du mal gemeint hast!'
Als der Jüngere der beiden mit diesen dahingepfefferten Schlussworten endgültig gehen wollte, gelang es Dorian im letzten Moment noch, ihn zurück zu halten.
"Bastian, wovon redest du da?"
Wütend riss er sich los, kramte sein Handy hervor und zeigte ihm ein Bild von ihm und Catherine beim Café vor etwa einer Stunde, als sie sich vor dem Laden getroffen hatten.
'Hiervon. Bist du jetzt auf einmal nicht nur gestört sondern auch noch dement oder wie?! Stimmt das mit deinem Ex überhaupt oder ist das auch nur so eine kleine erfundene Geschichte um mich rum zu kriegen? Hat ja echt prima geklappt!'
Verstört schaute er ihn an, nachdem er das Bild angesehen hatte. Nun galt es, die Kurve zu kriegen... und wenn er ehrlich war, dann war das in diesem Fall sehr viel leichter, als hätte Bastian wirklich handfeste Beweise für das, was zwischen seinem Bruder und ihm war. Allerdings war er grade einfach viel zu aufgeregt, um alles ordentlich auf die Reihe zu kriegen, also erstmal ein bisschen zur Ruhe kommen... Die beste Lüge setzt sich bekanntlich zu 99% aus Wahrheit zusammen, also... probierte er es zur Abwechslung mal damit.
"Bastian, das auf dem Foto da mit mir ist Catherine Maynard, die Frau meines Bruders. Sie hat mich heute Abend angerufen weil er in letzter Zeit schwierig ist und sie einen guten Ratschlag gebraucht hat, ok? Da ist absolut überhaupt nichts zwischen uns, ich kann dir ihre Nummer geben und du rufst an und fragst sie. Es tut mir leid, dass ich weg musste, aber er ist mein Bruder, auch wenn wir uns in letzter Zeit nicht gut verstehen, ich mach mir doch Sorgen um ihn, er ist immer noch meine Familie."
Und nach dieser Erklärung sah er in ein Paar saphirblaue Augen, die in ihrem Ausdruck von Unglauben über Nachdenklich hin zu Fassungslos zurück wechselten, dieses Mal allerdings richtete sich die Wut des Blonden offensichtlich gegen sich selbst, er raufte sich kurz die Haare, dann wurde sein Blick ängstlich und suchte mit äußerster Vorsicht seinen Weg zurück zu Dorian.
'Oh.'
Dieser ließ seinen grade über die Gepäckstücke des anderen wandern.
"... wenn ich jetzt in meine Wohnung reingehe... finde ich dann in meiner Spüle einen Scheiterhaufen mit meinen Socken die allesamt brennen und sowas? Das volle Programm?"
Eine kurze Weile starrten sie sich gegenseitig an, dann mussten sie beide wie auf ein unbemerktes Kommando hin lachen, wenig später schloss Bastian ihn in die Arme und murmelte 20.000 Entschuldigungen, schob es erneut auf den Stress auf der Arbeit und versicherte, er würde in Zukunft weniger paranoid und merkwürdig sein. Und nein, er habe höchstens seine Lieblingshemden zerschnitten. Der Schwarzhaarige nahm das billigend in Kauf, viel zu erleichtert war er grade darüber, dass er an diesem Abend nicht auch noch den Rest von dem verloren hatte, was ihm etwas bedeutete. Und dazu zählten seine Hemden nunmal nicht.

Zwei Tage später: Mit Bastian war alles wieder in bester Ordnung und zur Normalität zurück gekehrt, zu seinem Psychologen war Dorian allerdings dann doch nicht gegangen. Immerhin hatte er seinen Anker, der ihn irgendwie im Leben hielt, doch nicht verloren, also... was für ein Sinn bestünde schon? Was allerdings mit jeder Minute, die verging, plagender wurde, war sein schlechtes Gewissen Catherine gegenüber. Immerhin hatte sie ihn kontaktiert, weil sie ihn um Hilfe gebeten hatte und er hatte sie in ihrer Sorge nur bestärkt. Es war ihm irgendwie bewusst, dass er das so nicht stehen lassen konnte und die Dinge wieder grade biegen musste, deswegen fasste er sich eines Nachmittags, kurz vor Feierabend, ein Herz, rief Bastian an und sagte, dass es ein bisschen später werden würde, ehe er Catherines Nummer wählte und ihr auf den Anrufbeantworter sprach, dass er sich nochmal mit ihr in dem Café treffen wollte.
Er war sich nicht sicher, ob sie kommen würde oder mittlerweile die Schnauze gestrichen voll von ihm hatte, was er durchaus hätte verstehen können, aber zur verabredeten Zeit saß er, vielleicht ein ganz kleines bisschen zugedröhnt von der halben Flasche Baldrian-Beruhigungstropfen, die er immer für Notfälle, wenn er als erfahrener Geschäftsmann mal zu aufgeregt sein sollte, was nun wirklich nicht häufig der Fall war (heute war es definitiv der Fall, er hatte mittlerweile mehr Angst davor, bei dieser Frau etwas falsch zu machen als es bei seinem Vater der Fall war), im Café auf dem Platz, wo sie auch das letzte Mal gesessen hatten und rührte, noch immer reichlich nervös zur Treppe starrend, in seinem Kaffee herum.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 1:28

Sie war sich immer noch nicht so ganz im Klaren darüber, ob ein schlechtes Gewissen auf Grund ihres heimlichen Treffens mit Dorian Maynard angebracht war oder nicht – Fakt war jedoch, dass Cathy ihrem Mann gegenüber keinerlei Verpflichtung empfunden hatte, war es doch alles nur zu seinem Wohl geschehen. Und so verging der nächste Morgen der beiden ebenso wie viele anderen, mit dem winzigen Unterschied, dass sie beim Frühstück darauf achtete den von Dorian genannten Radiosender einzuschalten und einen Tag später eines der vorgeschlagenen Gerichte zu Abendessen zauberte. Nun und Raphael, der war wie man deutlich sah freudig überrascht, schöpfte jedoch keinen Verdacht – warum auch? Und letzten Endes war er viel zu weit in seine eigenen Gedanken abgedriftet, als dass es ihm aufgefallen wäre.
Unter der Oberfläche allerdings sah es anders aus und seit dem Abend ging Catherine das Bild des mehr als verzweifelten, gebrochenen Dorian, wie er mit den Tränen zu kämpfen hatte nicht mehr aus dem Sinn. So sah es unter der Oberfläche aus, jene Verzweiflung war es die Raphael vor ihr verborgen hielt und sie empfand umso tiefere Zuneigung zu ihm, da er versuchte sie vor jener Katastrophe zu schützen, die sein Zusammenbruch auch für sie bedeutet hätte. Doch ewig würde es nicht so weitergehen können, kleine Aufmerksamkeiten hin oder her und so war sie beinahe erleichtert gewesen als nach zwei Tagen ein weiterer Anruf Dorians sie aus ihrer täglichen Routine riss. Besorgt zwar, aber auch erleichtert. Zum einen da er selbst sich wieder gefangen zu haben schien, seine Stimme am Telefon klang schließlich um einiges entschlossener, als ihr Mann es am Morgen, wenige Stunden zuvor gewesen war und zum anderen, da sie selbst sich einen Teil der Schuld an seinem Zustand gab. Nein, es ging Catherine nicht mehr aus dem Sinn, dass sie auf irgendeine merkwürdig verzwickte Weise in die Probleme der beiden Brüder involviert war – doch wusste sie noch lange nicht wie, was einer der Gründe war, dass sie sich tatsächlich wieder in dem kleinen Café einfand um … ja, um was genau zu tun? Zu reden?
Ihr letztes Gespräch war verwirrend gewesen, angenehm zuerst, irgendwie befreiend und trotzdem hatte der Abend kein hübsches Ende mehr gefunden, denn noch hatte sie die Verzweiflung in seinen Zügen nicht vergessen. Die Trauer in dem Gesicht, das Raphael glich wie ein Spiegelbild und sie deswegen umso mehr verwirrte.
Unruhig fuhr sie sich durchs Haar, fixierte mit dem Blick die kleine Tasse in ihrer Rechten und stieg bedächtig langsam die Treppe hinauf – selber Platz. Und da war er und wartete.
„Hey…“ – das Wort durchbrach die Stille, vorsichtig wie der erste zitternde Ton eines Orchesters, welches seit Jahren nicht gespielt hatte. „Da bist du ja.“
Nervös lächelnd trat sie näher, nicht sicher wie es in dieser Situation zu reagieren galt, stellte den Cappuccino vorsichtig auf den Tisch und sah dann zu Dorian hinüber. Er sah … gut aus, wieder ganz normal, als wäre nie etwas geschehen – merkwürdig, da sie selbst sich so vollkommen durch den Wind fühlte, unsicher, flattrig und schutzlos unvorbereitet. Ja selbst ihre Frisur zeugte von diesem inneren Zustand und eine verwirrte Haarsträhne hing ihr lose ins Gesicht, wippte leicht, als sie sich in den Sessel niederließ und ihn mit einer Mischung aus Sorge und Neugierde betrachtete.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 12:44

Schritte, die die Treppe hoch kamen und dann tauchte ihr Kopf tatsächlich über dem Geländer auf und schließlich stand sie mit einem Cappuccino in der Hand Hand vor ihm, während er sich erhob, ihr das Heißgetränk abnahm und es vor ihrem Platz auf das Tischchen stellte, damit sie sich in Ruhe hinsetzen konnte.
"Hey...", kam es dann auch über seine Lippen, das wars dann allerdings auch schon wieder, wobei er zugeben musste, dass es ein schönes Gefühl war, sie wieder zu sehen. Allgemein war sogar alle Nervosität von ihm abgefallen, sobald er sie endlich entdeckt hatte, was er allerdings wirklich auch auf die Nerventropfen schieben hätte können, denn mittlerweile war er einfach nur noch unheimlich erleichtert, dass alles soweit geklappt hatte und er sich jetzt endlich bei ihr entschuldigen konnte. Aber erstmal das Wichtigere: "Gehts dir gut?"
Nicht, dass sie schlecht aussehen würde, aber irgendwie machte sie keinen wirklich gefassten Eindruck. Konnte sein, dass es am Stress wegen der Arbeit lag, aber er fragte trotzdem, nur für alle Fälle. Da war nämlich etwas in ihrem Blick und ihrer ganzen Haltung, dass ihm ganz und gar nicht gefallen wollte.
"Catherine, wegen neulich...", begann er dann schließlich und suchte kurz nach den passenden Worten, "... das tut mir ehrlich leid, ich weiß nicht, was mit mir los gewesen ist, ich stand total neben mir, irgendwie waren die letzten Wochen viel für mich, in der Firma gibts Probleme wegen dieser neuen Gesetzgebung und das Ganze wächst mir über den Kopf, ich muss einen Haufen Mitarbeiter entlassen und ich schätze, das hat mich ein bisschen fertig gemacht. Mir wäre es sehr lieb, wenn wir das einfach vergessen und nochmal von vorn anfangen könnten. Denkst du, das wäre ok für dich?"
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 13:14

Ein mildes, verständnisvolles Lächeln huschte über ihr Gesicht und doch stand in ihrem Blick ganz deutlich zu lesen, dass sie ihm kaum eines der erklärenden Worte glaubte. Ein anderer Mensch hätte die Entschuldigung vielleicht aus bloßer Gutwilligkeit angenommen und die Sache auf sich beruhen lassen, doch nicht sie – Cathy hatte das Los gezogen mit Dorians Zwillingsbruder verheiratet zu sein und spätestens nach den letzten Treffen und viele Stunden des Kopfzerbrechens später hatten sie zu der Annahme geführt, dass sie sich nicht nur im Äußeren glichen wie ein Ei dem anderen, sondern auch emotional als ein Spiegelbild betrachtet werden konnten. Die Trauer in seinem Blick, der kurze Zusammenbruch wie ein Riss in der Fassade, all das schien, als habe sie nicht nur Dorian, sondern gleichsam auch Raphael vor sich gehabt.
Nein, es war wirklich kein böser Wille noch Boshaftigkeit, sondern einzig und allein die Unfähigkeit an seine Worte zu glauben, welche sie nun dazu veranlasste langsam den Kopf zu schütteln. Ein kleines, verzweifeltes Lachen entwich ihrer Kehle, beinahe schon hysterisch, doch sie fing sich rechtzeitig, wurde wieder ruhig und verstummte.
„Natürlich weißt du was los war… Dorian, bitte … bitte versuch nicht es auf deine Arbeit oder irgendwelche Mitarbeiter zu schieben. Wenn wir hier sind, nur damit du dich rausreden kannst, dann…dann lass es einfach, ja?“ Es klang weder zornig noch vorwurfsvoll, sondern schlicht und ergreifend müde. Cat war erschöpft und das letzte womit sie umgehen wollte oder konnte, waren unwichtige Ausflüchte, nicht nachdem auch ihr zu Hause zu einem Ort des ständigen Schweigens und Verdrängens geworden war.
„Es ging um Raphael und um dich und … Himmel, ich weiß auch nicht, ich verstehe es vermutlich nicht einmal, aber alles was ich möchte ist, dass es ihm … nein, dass es euch wieder besser geht“, sie seufzte, sah Dorian an und haderte anscheinend mit den Worten. Dann entschied sie sich für Schweigen und nestelte stattdessen nervös an einem Zipfel ihres Pullovers herum, unsicher ob sie zu weit gegangen war oder nicht.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 13:35

Ein dunkler Schatten legte sich über die Züge Dorian Maynards und er nahm, um seinen Unmut zu verstecken, die Tasse in die Hand, um sich ein kleines bisschen dahinter zu verstecken und ein bisschen Zeit zu gewinnen. Wieso konnte es ihr nicht egal sein und warum musste sie das Problem jetzt schon so kernorientiert angehen? Konnten sie sich nicht langsam vortasten? Was brachte diese direkte Konfrontation? Sie würde es nicht begreifen können, immerhin kratzte sie hier nur mit bloßen Händen an der Spitze des Eisbergs und hatte nicht die geringste Ahnung, was sie unter der glänzenden Oberfläche mit dem sanften Wellengang in der Tiefe des pechschwarzen Wassers erwartete.
"Tja, wenn das mal so einfach wäre...", murmelte er nur undeutlich und stellte den Kaffee wieder weg, wandte sich ihr zu, stützte sich auf die Armlehne des Sessels und schaute für eine ganze Weile einfach nur nachdenklich schweigend zu ihr herüber. Ihnen beiden konnte es nicht gut gehen, so viel war sicher, weil es ihm nie ohne Raphael gut gehen würde und diesem ein glückliches Leben mit Kontakt zu seinem Bruder auch unmöglich gemacht werden würde. Was ihn von seinem Bruder unterschied, saß grade vor ihm und friemelte nervös am Saum ihres Oberteils. Sie war ein so guter Mensch. Gütig und verständnisvoll und so voller Liebe für ihren Mann, dass sie es sogar erneut auf sich genommen hatte, sich mit ihm zu treffen. Er hätte das an ihrer Stelle nicht getan. Nein. Sicherlich hätte er diese Größe und Stärke nicht besessen an ihrer Stelle, er hätte sich verkrochen in sein perfektes Glück mit dem Mann, den er allein nicht zu 100% glücklich machen konnte, solange er ihn nur hatte. Sie war ein so viel besserer Mensch als er. So viel besser für seinen Bruder... für einen Moment wünschte sich Dorian, Raphael könne ihn einfach hassen und vergessen, damit er mit Catherine glücklich werden konnte, gleichzeitig wusste er allerdings leider, dass es soweit nie kommen würde.
"Ich tue Raphael nicht gut. Das habe ich noch nie. Ich hätte nicht auf eure Hochzeit kommen sollen, dann wären wir jetzt alle nicht in dieser Situation. Ich kann dir nicht erklären, worans liegt, aber wir müssen einander fern bleiben. Das ist für uns beide schwierig, aber er wird irgendwann drüber wegkommen weil er dich hat."
Seine Stimme war leise und beherrscht, vollkommen ruhig und bestimmt. Die Wahrheit ging ihm so viel leichter von den Lippen als all die Lügen und Halbwahrheiten. Es war befreiend, selbst wenn es weh tat, es laut auszusprechen. Es tat gut, das zu sagen, was zur Folge haben würde, dass er das einzig Richtige tun würde. Er blickte auf zu ihr und sah ihr fest in die Augen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 14:18

Kaum, dass er die Sätze gesprochen hatte kam Catherine sich klein vor, wahnsinnig klein. Natürlich war es nicht so einfach, hier war im Moment gar nichts einfach und nun, da sie das erste Mal von der eigentlichen Situation der beiden Brüder erfuhr, fühlte sie sich unwissender denn je. Nichts gab ihr das Recht oder die Berechtigung hier mit Dorian zu sitzen und über ihren Mann zu reden – gleichsam war es ihr zwar nicht verboten, doch letzten Endes brachte es sie schließlich auch nicht weiter.
„Ich…ich, also … das wusste ich nicht“, murmelte sie und griff ebenso wie er hilfesuchend zur Tasse und verbrannte sich die Kehle am ersten, viel zu heißen Schluck. Ablenken half auch nicht weiter, hier waren sie nun und so gern sie die Erklärung auch angenommen hätte, so wenig wollte sie es wahrhaben. „Mit dir ist Raphael ein anderer Mensch, er ist … glücklicher, so glücklich wie ich ihn noch nie gesehen habe. Wenn du nicht da bist, er … leidet, er leidet wie ein ausgesetzter Hund, du kannst mir nicht erzählen, das sei das Beste für alle“, stockend brach sie ab, brauchte einige Sekunden um sich wieder zu sammeln, die passenden Worte zu finden.
„Das einzige was ich für ihn sein kann ist eine Schadensbegrenzung, wer weiß… vielleicht sogar ein Grund es mit dem Glück zu versuchen, er gibt sich Mühe, weißt du? Aber mehr nicht, erzähl mir nicht, dass das alles sein soll, dass du ihm nicht gut tust, das … es geht nicht, es geht nicht schlimmer Dorian. Und … und selbst wenn es eines Tages besser werden sollte, was ist mit dir, wer ist deine Schadensbegrenzung?“
In ihrer Stimme lag Bitterkeit, doch war sie sich ihrer Rolle bewusst und auf eine gewisse Art und Weise ging ihre Liebe für Raphael soweit, dass sie jene annehmen konnte, ohne daran zu verzweifeln. Blut war dicker als Wasser, wie man in diesem Falle mehr als deutlich sah und Dorian nun gegenüber zu sitzen, machte das Wissen, dass sie ihrem Mann niemals so viel bedeuten würde wie er so gut wie erträglich.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 14:39

Schadensbegrenzung? Was für eine treffende Bezeichnung.
Sein Gesicht wurde von einem bemühten, doch im Endeffekt nur traurigem Lächeln, passend zu dem erneuten Schulterzucken geziert.
"Ich brauch keine. Mir gehts gut. Ich will nur, dass ihr zwei miteinander glücklich werdet. Es wird besser werden."
Shit. Erneut musste er gegen die Tränen und um die feste, entschlossene und starke Stimme kämpfen. Dieses Mal allerdings gelang es ihm sogar.
"Du weißt es doch. Du hast ihn da schon mal raus geholt. In Zukunft musst du eben besser darauf Acht geben, dass er mir fern bleibt... Catherine, ich weiß, das ist echt viel verlangt...", dieses Mal waren es seine Hände, die den Kontakt zu ihren suchten, aber das Folgende musste sie unbedingt ernst nehmen, "... aber er darf nichts mehr mit mir zu tun haben, es wird sonst nicht besser werden, ok? Er braucht Abstand zu dem ganzen Mist! Ich... ich werd sehen, dass ich den Staat in Zukunft öfter mal verlassen kann und längere Zeit nicht da bin, es wird irgendwann leichter für ihn werden, je mehr er mich vergisst, aber es ist wichtig, dass du ihm dabei hilfst, hörst du? Ihn darf so wenig wie möglich an mich erinnern, bring ihn auf andere Gedanken, sobald du erlebst, dass er nachdenklich wird oder sich zurück zieht, verplan eure gesamte Freizeit, lenk ihn ab... was weiß ich. Wenn das jemand schafft, dann bist du das."
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 14:58

„Dir geht’s gut, so gut wie neulich etwa?“
Die Worte waren schneller raus als sie hatte nachdenken können und aus ihnen sprach die gesamte, bisher so verborgene Verbitterung der jungen Frau. Sie mochte offenherzig sein, hilfsbereit und doch gab es auch in ihrem Falle nur ein bestimmtes Maß dessen, was ein Mensch zu ertragen bereit war – und in ihrem Falle: Was sie einen Menschen ertragen lassen würde.
Cat konnte nicht einmal selbst genau sagen ob es ihr um Raphael oder sich selbst oder Dorian ging, doch wusste sie, ein weiteres Mal würde sie es nicht schaffen ihren Mann vor sich selbst und seinem Kummer zu bewahren. Ganz gleich was sein Zwilling für ihn auch bedeuten mochte, egal wie schlecht dessen Einfluss auch sein konnte – alles war besser als das.
„Nein Dorian, das … das kann ich einfach nicht mehr. Denk nicht ich hätte es nicht versucht – wir würden nicht gemeinsam hier sitzen, hätte es auch ein zweites Mal geklappt. Raphael ist schon viel zu kaputt, als dass ich ihn durch ein wenig ...Ablenkung, Freizeitbeschäftigungen, wasweißich auf die Beine kriegen könnte“, ihr Kopfschütteln diesmal war strikt, obwohl ihre Finger sich nun beinahe reflexartig um seine schlossen, als müsste er ihr halt geben. Vielleicht war es auch so, irgendwie.
„Du musst bleiben, lass uns, lass  deinen Bruder jetzt nicht im Stich, bitte…“
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 15:14

"Das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich ihn im Stich lasse! Ich versuche nur, ihn zu beschützen, ok?! Wieso verstehst du das nicht? Du hast keine Ahnung, worum es geht, Catherine! KEINEN BLASSEN SCHIMMER! Du reimst dir irgendwas zusammen und denkst, damit im Recht zu sein, aber du weißt gar nichts!"
Wow, was war denn jetzt passiert?! 
Reichlich geschockt von sich selbst wich er von seiner Schwägerin, die er eben noch lauthals angeschrien hatte, zurück und starrte sie erbleichend an, der ganze Ausdruck eine einzige Entschuldigung, zutiefst geschockt über seine eigene Ungehaltenheit. Wie konnte es sein, dass sie ihn regelmäßig so an den Rand seiner Beherrschung trieb, dass er derartig ausrastete? Was sollte er noch nehmen, bevor er mit ihr redete?! Und was fuhr eigentlich in ihn, sie so zu behandeln? Insgeheim wusste er es ja...
"Oh Gott... scheiße, tut mir leid, bitte sei nicht sauer."
'Du musst bleiben...'
'Bitte bleib...'
Wären sie sich doch nur weniger ähnlich, es tat so weh, mit anzusehen, wie sie ihm immer ähnlicher und somit immer und immer verletzlicher ihm gegenüber wurde. Die Geschichte mit Raphael allein machte ihn schon fertig genug, wie bitte sollte er damit klar kommen, nun auch noch dessen Frau zu zerstören?!
"Es tut mir so leid.."
Es war eine scheiß Idee gewesen, sich hier zu treffen. Wieso hatte er sie angerufen? Was hatte er sich erhofft? Als könnte er hier noch irgendwas grade bügeln, man sah ja, was dabei heraus kam. Egal, was er machte und wie sehr er sich bemühte, er machte es nur noch schlimmer!
"Bitte, ich... wollte nicht, dass..."
'Miss, soll ich die Polizei rufen?', unterbrach ihn eine dünne, unsichere Stimme der Verkäuferin an der Treppe, die bereits das Handy am Ohr hatte und Catherine mit vorgespielter Entschlossenheit, Dorian mir offensichtlicher Missbilligung ansah.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 16:05

Catherine zuckte zusammen wie ein geschlagener Hund, ihre Unterlippe zuckte, als würde sie jeden Moment das Weinen beginnen, ehe sie sich wieder fing und ihre Miene sich langsam verhärtete. Noch immer war ihr Ausdruck geschockt, doch jegliche Nähe zu Dorian brach ab und wie so oft zwang sie sich stark zu sein – er hatte schließlich kein Recht so mit ihr umzugehen.
Trotzdem gingen ihr die Worte durch Mark und Bein und sicherlich nicht zum ersten Mal fragte sie sich, was denn nur so schlimm sein konnte, so schlimm, dass selbst sie es nicht wissen durfte, dass Dorian es in Kauf nahm sich von seinem Bruder fern zu halten, obwohl es sie beide nur verletzten würde, so schlimm das – „Was?“
Sie sah auf, die Stirn gerunzelt und die Arme nun wieder schützend vor der Brust verschränkt.
Doch erkannte sie auch, dass Dorians Entschuldigung nicht nur aus leeren Phrasen bestand – irgendetwas war da, schlummerte unter der Oberfläche und hatte ihn mal wieder dazu gebracht die Beherrschung zu verlieren, nur weniger tränenreich als beim letzten Mal.
„Ich bin nicht … sauer, ich verstehe es nur nicht, da hast du ganz Recht“, erklärte sie mit ruhiger, gefasster Stimme und seufzte leise, als sie dann auch noch von der Frau unterbrochen wurden, die unten an der Kaffeeausgabe arbeitete. Ihre Aufmerksamkeit war das letzte, was sie im Moment gebrauchen konnte. „Nein, nein, alles gut…es ist nur, … es ist nicht, gar nichts, machen sie sich bitte keine Sorgen oder Umstände“, ein liebes, aber falsches Lächeln schaffte es die Kellnerin zumindest ein wenig zu beruhigen, auch wenn sie noch immer skeptisch zwischen den beiden hin und her sah, das Telefon nach wie vor einsatzbereit in ihrer Hand. „Bitte entschuldigen sie die Aufregung, es ist wohl das beste wenn wir jetzt gehen…“
Ihr Blick galt diesmal Dorian und darin lag ganz eindeutig eine Aufforderung  - hier konnten sie nicht mehr bleiben. Es scherte sie zwar nicht im geringsten was andere Leute im Moment von ihnen halten konnten, doch war er emotional so instabil, dass sie ihn wirklich gerne in einer geeigneteren Umgebung wissen würde. Entsprechend schnell lotste Cat sie beide aus dem Café hinaus, zog sich selbst erst draußen ihre Jacke über, ehe sie ihren Schwager kritisch musterte und schließlich nickend auf ihr kleines Auto verwies. „Diesmal fahre ich, zu mir – so lasse ich dich nicht nach Hause gehen und so wie ich das sehe bist du mir zumindest eine Erklärung schuldig.“
Und damit war für den Moment alles gesagt.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 16:23

Ehe er es sich versah, befand sich Dorian Maynard zunächst in Catherines Auto, kurze Zeit später in der gemeinsamen Wohnung von ihr und seinem Bruder, der laut ihr erst sehr viel später vorbei kommen würde, da er heute lange arbeiten musste. Sonst wäre er auch nicht geblieben, sicher nicht. Ihn heute zu sehen wäre zu viel gewesen, allein dieser Kaltstart mit Catherine jedes Mal... und diese wollte nun auch noch eine Erklärung. Klar, er schuldete sie ihr ganz ohne Zweifel, aber wie in Dreiteufelsnamen sollte er ihr die ganze Geschichte erklären, ohne sie eine halbe Stunde lang durchgehend zu belügen? Wo sollte er auch nur anfangen? Irgendwann fand er sich mit einem Glas Rotwein in der Hand neben ihr auf dem Sofa wieder und war ihr ehrlich gesagt dankbar für den Alkohol, da seine Nerven mittlerweile wieder so zum Zerreißen gespannt waren, dass es ihm schwer fiel, das überdeutliche Zittern seiner Finger zu unterdrücken. So schwiegen sie sich erstmal eine Runde an, ehe beide in stiller Eintracht das erste Glas geleert und das zweite vor sich hatten.
"Der Wein ist wirklich ausgezeichnet."
Er sollte es sich abgewöhnen, zu sprechen, wenn er nichts zu sagen hatte. Wirklich. Es war eine schreckliche Angewohnheit von ihm, aus Höflichkeit unangenehme Stille durchbrechen zu wollen. Denn nun, wo er damit angefangen hatte, mussten sie wohl oder übel miteinander reden. Aber er konnte es ihr nicht sagen! Ehrlich, er konnte es nicht, das, was das letzte Mal passiert war, als er es ihr beichten wollte (die beiden Situationen waren sich grade so beängstigend ähnlich, dass er, kaum wurde ihm das bewusst, schnell das Glas wegstellte und unbeachtet stehen ließ), war ihm beileibe eine Lehre gewesen. Ein gepeinigter Ausdruck lag auf seinen Zügen, nicht nur im Gesicht, sein ganzer Körper ließ darauf schließen, wie unwohl er sich fühlte.
"Catherine, ich kanns dir echt nicht erzählen. Es ist so das Beste für dich, ihn und mich. Kannst du mir nicht vertrauen und glauben? Bitte..?"
Er wusste selbst, die Chancen darauf waren mehr als gering, den Versuch musste er allerdings zumindest unternommen haben.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 16:50

Der Wein war wirklich gut, doch da es ihr im Moment weniger um das hervorragende Aroma sondern viel mehr um den tröstlichen Geschmack plus den Alkohol ging, sah sie schlicht über Dorians Kommentar hinweg. Nickend stimmte sie ihm zwar zu, schwieg jedoch auch weiterhin und wartete – es war nicht mehr als eine bloße Spekulation, doch auch Raphael brauchte manchmal seine Zeit, bis  er die richtigen Worte fand, aus seinem Gedankenmeer auftauchte und gewillt war mit ihr zu sprechen. Viele hätten ihre Geduld sicherlich als Engelsgleich bezeichnet, doch im Grunde war ihr einfach nur bewusst, dass es nichts brachte auf eine Erklärung hin zu drängen und da sie genügend Zeit hatten, ehe ihr Mann wieder nach Hause kam, überließ sie sich ganz der trägen Stimmung des Moments. Dorian hatte sich wieder beruhigt, saß neben ihr auf der Couch und schließlich, nach vielen Minuten der einvernehmlichen Stille rückte er schließlich mit der Sprache heraus. Nur nicht ganz so, wie sie es sich erhofft hatte – warum auch hatte sie zu hoffen gewagt?
Nun war es an ihr zu antworten, doch brauchte auch Catherine ihre Zeit dazu.
„Doch, das kann ich, Dorian. Okay? Ich kann dir nur nicht sagen wie lange … wie lange ich all das noch aushalte, ganz gleich ob ich dir nun glaube oder nicht – und das tue ich. Nur … keine Ahnung, ich weiß nicht wie lang ich einfach so weiter machen kann, ohne zu wissen worum es eigentlich geht. Du hast Recht, ich reime mir was zusammen, denke mir meinen Teil und auch wenn ich wahrscheinlich falsch liege, es macht mir eine Heidenangst es nicht zu verstehen. Du musst nicht mehr darüber reden, okay? Vielleicht … vielleicht sollen wir es wirklich einfach lassen, aber wenn du willst, dass irgendetwas besser wirst, dann lass deinen Bruder nicht im Stich – tu ihm das nicht an.“
Müde blinzelnd blickte sie ihr Weinglas an, als ob sie sich fragte wie es wohl in ihre Hand geraten war und erschöpft von den vielen Worten stellte sie es schließlich auf den kleinen Wohnzimmertisch, zog die Beine an den Körper und starrte Löcher in die gegenüberliegende Wand.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 17:03

Von ihrem Gesprächspartner ertönte ein tiefes, verzweifeltes und verlorenes Seufzen, ehe er es ihr gleich tat und die Füße zu sich aufs Sofa und die Beine an den Körper zog. Wieso musste alles so schrecklich komplex sein? Den Kopf erneut auf die Knie abgelegt und in das Wohnzimmer hineinstarrend ohne irgendetwas spezielles anzusehen, begann er sich den Kopf zu zermartern, ohne auf eine Lösung zu stoßen.
"Ich wünschte mir so sehr, ich könnte jemandem die ganze Geschichte erzählen. Jemandem, der es verstehen würde. Vom Anfang bis zum Ende, damit mich endlich mal jemand verstehen könnte, aber ich kanns nicht. Und ich möchte Raphael genauso wenig im Stich lassen, wirklich, aber wir müssen versuchen, es nochmal so hinzukriegen wie damals als ihr euch kennen gelernt habt. Er meinte, du hättest ihn schon mal da raus geholt und du musst es einfach nochmal schaffen. Kannst dus nicht wenigstens versuchen? Ich weiß, es ist viel zu viel verlangt und ich kann das nicht von dir erwarten, aber ist es den Versuch nicht wert? Es würde alles so viel einfach machen für euch zwei. Es würde mich so glücklich machen, wenn ihrs zusammen schaffen könntet. Catherine, er wird mich vergessen, so wie damals schon mal, glaub mir, ich kenn' ihn doch. Da wird immer ein kleiner Rest bleiben, aber es kann nicht ewig so bleiben, wie es jetzt ist... scheiße, ich bin schon wieder betrunken, tut mir leid, ich rede nur Mist."
Mit verzogenem Gesicht fuhr er sich über die zusammengekniffenen Augen und versuchte, seine Gedanken erneut zu ordnen. Er fühlte sich ein bisschen wie in der Höhle des Löwen, der ihn mit Haut und Haar fressen würde, sobald er einen falschen Schritt tat und seit er hier saß und den ersten Schluck Wein getrunken hatte, strauchelte er mal wieder gefährlich nahe am Abgrund.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 22 Sep 2015 - 18:32

Zumindest in einer Sache hatte Dorian wirklich recht: Sie waren betrunken. Nicht sehr, aber doch genug um die Gedanken in ihrem Kopf aufzumischen und seine verzweifelten Worte begannen langsam aber sicher zu verschwimmen, während sie angestrengt über eine Lösung nachgrübelte. Doch es war, als wolle man Wasser mit bloßer Hand greifen und so drehten sich ihre Gefühle letzten Endes nur noch im Kreis, so verwirrend und undurchsichtig wirkte diese Erklärung auf sie – denn, war es überhaupt eine Erklärung? Nicht wirklich.
Und noch viel wichtiger war die Frage: Was würde sie nicht verstehen können?
Catherine wollte nichts einfallen, das so schlimm war, dass sie nicht damit würde umgehen und irgendeine Form von Verständnis aufbringen können, aber vermutlich kam sie nicht einmal darauf und so ermahnte sie sich selbst, die Jagd nach leeren Ideen aufzugeben.
„Natürlich kann ichs versuchen…“, ihre Stimme nicht lauter als ein sanftes Flüstern und ganz unterbewusst, rückte sie ein wenig näher an Dorian heran, als würde ihre Nähe ihm zugleich eine Art geistigen Beistand leisten. Nichts als hübsche Ideen, doch auch ihr tat es gut in dieser Situation jemanden neben sich zu wissen, auch wenn er nicht wirklich mit ihr reden wollte – oder so wie er es ausdrückte, nicht wirklich mit ihr reden konnte.
„Ich glaube nur nicht mehr daran, damals … damals als wir uns kennen gelernt haben, weißt du, da hab ich mich so Gefühlt, als wäre es irgendwie vorher bestimmt, dass gerade wir uns finden. Er ist so ein toller Mensch und mit mir ist er wieder aufgetaut und es war alles einfach nur so…so wahnsinnig richtig…“ – nun lag es an ihr das Gesicht verzweifelt in Händen zu vergraben, ehe Catherine sich die Haare raufend wieder aufsah und zu Dorian hinüber sah. Es hätte ihr Mann sein können, der da zusammen gekauert neben ihr saß und lediglich ihr Verstand warnte sie, wie gefährlich es sein konnte, sich einem solchen Gedanken hinzugeben. Träge vom Wein musste sie aufpassen, zu verstehen was sie sah.
„Aber das alles funktioniert nur einmal – schön und gut, es wieder besser … aber mehr auch nicht, es gibt kein alles wird gut, ohne dich Dorian, dein Bruder ist kein Stehaufmännchen – er braucht dich, nicht mich um wieder auf die Beine zu kommen.“
Und das war die Wahrheit, das wusste sie. Cat wusste es, weil es weh tat die Worte auszusprechen und die ersten Tränen sich brennend den Weg über ihre geröteten Wangen suchten.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 23 Sep 2015 - 10:34

Er durfte ihn aber nicht brauchen! Das würde nur in ihr gemeinsames Unglück münden, aber natürlich war auch ihm klar, dass Catherine mit dem, was sie da sagte und ihrer Intuition goldrichtig lag.
Er fühlte sich entsetzlich müde, leer und hilflos, wünschte sich in dem Moment einfach jemandem, der ihm sagte, wo er hingehen sollte und was als nächstes kommen würde. Was er tun sollte, um den Tag zu überstehen, ohne so vielen Menschen wie möglich weh zu tun. Aber da war nun mal niemand. Er war immerhin der große Bruder.
Als er zu ihr herüber sah, weil er aus dem Augenwinkel eine Wischbewegung wahrnahm und realisierte, dass sie weinte, fackelte er auch nicht mehr lange sondern nahm sie fest in den Arm, legte das Kinn für einen Moment auf ihrem Scheitel ab und ließ den Blick über die Wand voller Fotografien wandern, die sich ihm schräg gegenüber befand und von der ihm sein Bruder und dessen Frau herzlich und so wahr und ungestellt entgegenlachten und -strahlten, wie er es bisher nur von Raphael allein gekannt hatte.
"Ich werde mein Bestes geben, das verspreche ich dir. Ich mach alles, was in meiner Macht steht.", murmelte er leise vor sich hin, mehr wie eine Beschwörungsformel oder einen Vorsatz für sich selbst als ein Versprechen ihr gegenüber, aber es lief auf dasselbe hinaus.
"Ich verstehe, wieso er dich so sehr liebt. Ich wünschte, ich könnte für ihn auch nur annähernd so gut sein, wie du es bist."
Und das entsprach zu 100% der puren Wahrheit. Er wünschte, egal wie viel Sympathie er auch für die Frau, die er grade im Arm hatte, übrig hatte, ihre Rollen wären vertauscht. Und wenn es nur für ein einziges glückliches Jahr sein könnte.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Mi 23 Sep 2015 - 22:27

Durch ihr leises Schniefen drang ein freudloses kleines Lachen. Die Augen geschlossen war sie ganz von selbst näher an Dorian gerückt, hatte sich schutzsuchend wie ein verirrtes Rehkitz in seine Arme gekuschelt und war mit ihren Gedanken weit davon entfernt zu hinterfragen, in wie fern es richtig oder falsch war hier mit dem Zwillingsbruder ihres Mannes auf der Couch zu sitzen, während Raphael außer Haus war. Sie hatte bereits viel zu oft und viel zu lange über derlei Normen nachgrübeln müssen, als dass es sie jetzt noch interessiert hätte und alles was blieb waren letzten Endes schließlich nur zwei Menschen, die beieinander saßen um einander Trost zu spenden.
„Es ist egal wie gut ich ihm tue Dorian oder wie viel Mühe ich mir gebe, du bist es den er vermisst…“
Gerne hätte sie auch erwidert, dass sie verstand was Raphael an seinem Bruder fand, doch das Band der Zwillinge war ihr so fremd wie die Sonne einem blinden Einsiedler, der seinen Lebtag lang in einer von Dunkelheit durchfluteten Höhle gehaust hatte – das zumindest glaubte sie. Und dieser Moment war zu kostbar um ihn mit leeren Worten zu zerstören.
Es war, als würde sie mit jeder Sekunde neue Kraft schöpfen, Hoffnung für Raphael und Dorian und auch sich selbst, denn schließlich konnte sie nach wie vor nicht glauben oder davon ausgehen, dass zwischen den Zwillingen irgendetwas gar Unwiderrufliches zerbrochen war. Zerbrechen taten sie einzig und allein an der entstandenen Distanz.
„Danke“, murmelte Cat schließlich halblaut, während sie langsam den Kopf hob um ihren Schwager ansehen zu können. „Danke, dass du hier bist.“ Verwirrung. Sie blinzelte träge – er sah ihrem Mann so ähnlich, so unglaublich ähnlich. Ob es nun daran lag oder am Alkohol oder den Emotionen, welche sie in diesen Momenten überrollten, wie eine übergroße Welle den Kieselstrand oder ob es letzten Endes nicht mehr als pure Verzweiflung war, sie konnte es nicht mehr genau sagen, wusste sie doch nur noch, dass ihre Hände irgendwie wieder die seinen gefunden haben mussten und die eine schließlich hinauf in seinen Nacken gewandert war, während sich ihre Lippen vorsichtig auf die seinen legten.
Der Kuss schmeckte nach dem Wein und nach Weinen, nach salzigen Tränen und nach der Hoffnung, an welche sie sich ebenso mühevoll zu klammern versuchte wie nun an Dorian.
Und ohne es zu wissen kam sie der  Verständnis dessen, was die beiden Brüder miteinander verband, gerade näher, als jemals zuvor.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 24 Sep 2015 - 11:15

Die Tatsache, dass sie weinte, machte alles so viel schlimmer. Sie war kein schwacher Mensch, das hatte er schon gemerkt, als er sie kennen lernte. Sie stellte sich nicht an und heulte wegen Kleinigkeiten aus Trauer. Bei Freudentränen war es sicher etwas anderes aber darum ging es im Moment leider nicht.
...du bist es, den er vermisst
Wusste sie, wie sehr sie ihn damit verletzte? Das konnte doch keine Absicht sein oder?
"Ich vermisse ihn auch..", er war sich nicht mal sicher, ob sie ihn verstehen konnte. Hoffentlich nicht, er murmelte so leise. Als sie sich dann plötzlich bei ihm bedankte, runzelte er verwirrt die Stirn und änderte seine Position um sie ansehen zu können. Was war das jetzt auf einmal in ihrem Blick? Irgendwie hatte es ein bisschen was von Ich hatte zu viel und bin im Begriff, mich in deinen Schoß zu übergeben, das erklärte allerdings ihre Finger nicht, die sich seinem Gesicht näherten und im Anschluss in seinen Nacken legten.
"Keine... Ursache..."
Grade hatte er sie fragen wollen, ob alles in Ordnung sei, allerdings kam er nicht mehr dazu, denn in diesem Moment verschloss sie seine Lippen mit ihren.
Es war nicht ihr erster gemeinsamer Kuss und er erinnerte sich noch sehr gut an die Hochzeit seines Bruders. Umso mehr erschreckte es ihm in diesem Moment, dass es ihm offensichtlich zu gefallen schien, denn er stieß sie nicht von sich sondern ließ sie gewähren während er sie zunächst vorsichtig und unter gesenkten Lidern hervor beobachtete, ehe er sie ganz zufallen ließ und seine Lippen für eine kurze aber unbestreitbare Weile gegen ihre bewegte, immerhin war es ok, sie hatte ihn geküsst, sie waren beide irgendwie nicht mehr ganz bei sich und auf diese Weise fühlte er sich seinem Bruder für den Moment wieder so nahe wie schon so lange nicht mehr. Und er hatte das vermisst. So sehr...
"Entschuldige.", flüsterte er ganz leise, als er seine Lippen von ihren, seine Finger aus ihren Haaren nahm und das Stück, dass er sie grade noch, eine Hand auf ihrer unteren Rückenpartie, zu sich gezogen hatte wieder von ihr abrückte. War war in sie beide gefahren? Sie waren keine 17 mehr und sie verheiratet mit seinem Bruder.
Mag ja sein, dass er ein wirklich verdrehtes und falsches Empfinden für richtig oder falsch hatte, immerhin würde er nur zu gern frei eines schlechten Gewissens mit seinem Bruder zusammen glücklich werden können, aber selbst er verstand grade, wie unmöglich es gewesen war, jetzt auch noch seine Frau zu küssen. Wenn er das jemals herausfinden würde, würde er ihn hassen...
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 24 Sep 2015 - 12:16

Der Schock manifestierte sich langsam in ihren Zügen, ließ sich Zeit sein schreckliches Aroma voll zu entfalten und das schlechte Gewissen fuhr ihr einem Stromschlag gleich in die Glieder. Die Augen schließend versuchte Cathy sich wieder in den Griff zu bekommen, Herr über sich selbst und ihr Handeln zu werden und den Vorfall zu verarbeiten, doch es gelang ihr nicht. Es gab keine Erklärung für ihr Handeln, außer, dass sie ein ganz und gar schlechter Mensch sein musste, rücksichtlos und schwach, was allerdings noch lange keine Entschuldigung war. Denn die war sie ihm schuldig, nicht umgekehrt und ein glasiger Ausdruck von Unglauben lag in ihrem Blick, als sie die Lider wieder hob und Dorian vorsichtig ansah. Es war ein Wunder, dass sie es überhaupt noch fertig brachte ihm nun in die Augen zu sehen, doch eine winzige Stimme wisperte ihr ins Ohr, dass auch er sich schließlich nicht gegen den Kuss gewehrt hatte.
„Oh Gott…“ – ihre Lippen formten tonlose Worte. Am liebsten hätte sie es wieder rückgängig gemacht, so falsch war der Abend, die Entscheidung ihn einzuladen, all das hier. Doch bereute sie es?
Ein Zittern durchlief ihren Körper, als Cat klar wurde, dass sie nicht mal diese Frage mit vollkommener Sicherheit zu beantworten wusste und kraftlos sank sie zurück in die weiche Rückenlehne des Sofas. Am liebsten, wäre sie geradewegs durch die Polster gesunken und für immer verschwunden. „Tut mir leid, scheiße Dorian, es tut mir so leid…“
Immer wieder wiederholte sie die leisen Worte, Silbe für Silbe. Alles wird wieder gut ist schließlich auch ein beschissenes Mantra.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 29 Sep 2015 - 12:45

Sein Gesicht verschwand hinter seinen Händen und eine kurze Weile blieb alles erstmal dunkel, doch auch, nachdem er sie wieder runter nahm, fiel es ihm mehr als schwer, Catherine anzusehen. Er konnte es einfach nicht mehr.
"Das war nur der Wein, du kannst nichts dafür. Das hier ist einfach allgemein keine gute Idee gewesen. Ich denke, es ist das Vernünftigste, wenn ich jetzt gehe und verschwunden bin, wenn mein Bruder zurück kommt."
Mit den Worten stand er auf, doch als er ihr dann doch nochmal einen Blick zuwarf und dieses arme, verstörte, kraftlose kleine in sich zusammengesunkene Catherine-Paket sah, ging es ihm mit einem Mal so unsagbar schlecht, dass er sie nun unmöglich allein lassen konnte! Was für ein schrecklicher Unmensch wäre er? Sie machten alle Fehler, die einen mehr als die anderen, aber niemand machte sie gern und nur wenige, um anderen zu schaden. Diese Frau wollte nur das Beste für seinen Bruder und ihm weh zu tun schmerzte ihr wahrscheinlich genauso viel wie ihm selbst, auch wenn das schwer vorstellbar war...
Er fand sich wenig später wieder neben ihr auf der Couch wieder, ihr Kopf lehnte an seiner Schulter, seine Hand ruhte in ihrem weichen Haar.
"Sieh mal... Raphael ist mein kleiner Bruder, ich will nur das Beste für ihn und dass er glücklich wird. Und du musst einsehen, dass du ihm das geben musst weil ich dazu nämlich nicht mehr in der Lage sein werde. Ich denke, es ist besser, wenn ich aus dem Leben verschwinde, was ihr euch aufgebaut habt und denke nicht, dass das leicht für mich sein wird, aber... es ist nun mal so, dass... es ist das beste so. Ich verlange nicht, dass du mich verstehst oder versuchst, mich dafür nicht zu hassen. Das darfst du ruhig, es ist ok, ich werd ihm und dir damit weh tun... aber das muss ich leider. Anders geht es nicht..."
Wieder in seiner Wohnung angekommen wurde er von Bastian mit einem grandiosen Abendessen empfangen, das aus liebevoll zubereiteten 3 Gängen bestand aber er bekam keinen Bissen runter und legte sich wenig später vollkommen fertig schlafen.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Di 29 Sep 2015 - 14:57

Knapp eine Stunde nachdem sein Bruder sich verabschiedet und das Haus verlassen hatte kam Raphael wieder heim. Er war vergleichsweise guter Dinge und summte sogar eine kleine Melodie vor sich hin, während er Jacke und Schal im Flur über den Haken warf, seine Tasche auf den kleinen Hocker stellte und die Schuhe von den Füßen kickte. Noch gab er sich keine große Mühe leise zu sein, schließlich war Cathy kein Mensch der dazu neigte zeitig schlafen zu gehen und ein Abend wie dieser schien doch beinahe perfekt für eine gemeinsame Tasse Tee.
„Bin wieder da“, verkündete er nicht mal besonders gezwungen fröhlich, doch es folgte keine Antwort und nun auf deutlich leiseren Sohlen trat er ins Wohnzimmer, während ein Stirnrunzeln seine sonst meist von Sorge geplagten Züge durchbrach. Die Stille war merkwürdig ungewohnt – sonst freute sie sich schließlich, wenn er es zur Abwechslung einmal pünktlich nach Hause schaffte oder antwortete ihm zumindest, wenn er rief. Es sei denn sie war in ihre Arbeit vertieft, doch das wiederrum konnte er sich um diese Uhrzeit kaum vorstellen.
Irgendetwas an dieser Situation machte ihn ganz eindeutig stutzig und tatsächlich fand sein Misstrauen eine Bestätigung, als er um die Ecke spähte und seine Frau dort auf dem Sofa zusammen gerollt schlafend vorfand. Eigentlich ein bezauberndes Bild, wie sie da einem müden Kätzchen gleich zwischen einige Kissen gekuschelt da lag, doch ihr Gesicht wirkte selbst im Schlaf noch seltsam unruhig und einige rote Flecken auf den Wangen zeugten davon, dass sie wohl erst vor kurzem noch hatte weinen müssen.
„Cathy?“, doch sein beinahe tonloses Flüstern stieß auf taube Ohren. Kaum dass Dorian sue verlassen hatte, war Cat vollkommen erschöpft und von Schulgefühlen geplagt zusammen gesunken und in eine Welt voller unruhiger Träume hinüber gedriftet. Doch davon bekam ihr Mann freilich nichts mit und so beugte er sich schließlich sachte hinunter, strich Catherine das Haar aus dem Gesicht und gab ihr einen sanften Kuss auf die überhitzte Stirn. Sie wirkte fiebrig und er gab sich äußerte Mühe sie nun nicht mehr zu wecken, während er ihren schlaffen, kleinen Körper auf seine Arme lud und sich dann, ihren Kopf an seine Schulter gelehnt, vorsichtig wieder erhob.
Ihr Atem streifte seine Wange, während Raphael sich langsam auf den langen Weg in Richtung des Schlafzimmers machte, schließlich war sie schwerer als man von so einer zierlichen Gestalt vermuten würde und er selbst hatte einen langen Arbeitstag hinter sich. Und so verabschiedete er sich schließlich von seinen Plänen was den Tee betraf, legte seine Frau vorsichtig auf ihrer Seite des Doppelbetts ab und nahm sich selbst kurz noch die Zeit ins Badezimmer zu huschen um Zähne zu putzen, ehe er die Decke über sie beide breitete und auch sich selbst vorsichtig in die Kissen sinken ließ.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 1 Okt 2015 - 0:37

Er hatte wirklich keinen Schimmer, was er hier tat. Es gab ganz einfach keine logische Erklärung für sein momentanes Verhalten, so einfach war die Situation dargestellt. Um mal kurz seine Lage zu dokumentieren: Er saß seit einer knappen Viertelstunde in einem Flugzeug, neben ihm sein vollends mit Beruhigungsmitteln zugepumpter weil von schweren Flugängsten geplagter Raphael, dessen Kopf auf seine Schulter gesunken war, nachdem er irgendwann einfach weggenickt war, während eine stark übergewichtige Stewardess im Gang stand und mit den Gurten einer Schwimmweste zu kämpfen hatte, die sie sich grade synchron zum abgespielten Sicherheitsvideo als speziellen Liveact anlegen wollte, allerdings momentan so kolossal scheiterte, dass ihr eine Kollegin helfen musste. Scheiße. Was machte er hier? Das ergab sowas von gar keinen Sinn... oh Himmel, er sah so... friedlich aus, wie er da schlief. Ein Engel. Er sah aus wie ein Engel und er konnte nicht glauben, dass er wirklich da war! Einige andere Flugreisende vermutlich auch nicht, denn sie wurden wirklich unverhohlen angestarrt. Zwar wars nicht so, wie auf der Hochzeit, dass sie sogar dasselbe anhatten, aber offensichtlich waren zwei Ende zwanzig Jahre Alte Zwillingsbrüder doch etwas, was man nicht alle Tage sah. Bei Raphael konnte er es noch nachvollziehen. Er war bezaubernd – er selbst war ja auch total eingenommen, und wohl eher schmuckes Beiwerk von dem Kerl dessen Kopf an seiner Schulter lehnte mit den dunklen, dichten niedergesenkten Wimpern und den ebenso dunklen Haaren, die sein Gesicht grade auf eine Weise umrandeten, dass man wirklich gern ein Foto davon schießen wollte... wer weiß, wie oft das überhaupt schon geschehen war, immerhin befanden sie sich in der Zeit der Smartphones, mit denen man genauso gut eine Nachricht schreiben, im Netz surfen und Fotos schießen konnte. Sah für einen Unbeteiligten alles gleich aus. Und vermutlich schlugen er und sein Bruder in Sachen Niedlichkeit grade das eine oder andere Katzenbabygif auf 9gag.com. Wie auch immer... sie sollten ihn nur in ruhe schlafen lassen. Flugzeuge allein schon machten Raphael fertig, das wusste er. Es war wirklich besser, wenn er die ganzen Stunden zumindest einigermaßen weggetreten war und nichts wirklich mitbekam, ansonsten wäre er ein einziger Angstzustand und dann hätten sie beide ein Problem. Er selbst machte sich dahingegen einfach nur so viele Gedanken, als dass er sich vor Augen hielt, dass man eher an dem Essen starb, das an Board serviert wurde, als dass man es bei einem Unfall mit dem Flugzeug tat. Die logische Konsequenz war, dass er beim Fliegen nichts aß, das war allerdings ohnehin ratsam, denn die Toiletten in öffentlichen Verkehrsmitteln mutete er sich nicht zu und bei Start und Landung wurde es ihm regelmäßig flau im Magen wenn der Pilot seine Arbeit nicht sauber machte.
Sein Blick schaffte es nicht, sich von seinem kleinen, friedlich schlafendem Bruder loszureißen. Sie hatten sich so lange nicht gesehen... er konnte nicht sagen, wie lange nicht. Und auf einmal ruft ihn seine Sekretärin total hysterisch an, weil sie ein Angehörige kontaktiert hätte, er hätte einen wirklich dringenden Termin und müsse sofort packen – er hatte erst gedacht, jemand wäre verdammt nochmal gestorben! Als er erfahren hatte, dass stattdessen an Catherines Stelle mit seinem Bruder in den Urlaub zu der Skihütte in der Schweiz fliegen würde, war er einfach zu perplex gewesen um irgendwas zu erwidern. Das war sein Problem. Was seinen Bruder anging war er so verdammt schwach und es fiel ihm so verdammt schwer, richtige Entscheidungen zu treffen, weil er es so sehr gewohnt war, das Falsche zu tun, dass es ihm schon in Fleisch und Blut übergegangen war und er quasi das Gegenteil von dem tun musste, was er instinktiv für das Richtige hielt. Und das war wohl in diesem Fall gewesen, sich auch weiterhin von seinem Bruder und dessen Frau fern zu halten. Und nun saß er also hier, keinen Schimmer, was er machte und der Arsch ging ihm auf Grundeis, während das Flugzeug abhob, während des sechs stündigen Fluges ohne Komplikationen bis sie in der Schweiz ankamen. Durchgehend.
Die Hütte lag genauso bezaubernd an einem Berghang zwischen einem kleinen Fichtenhain, wie sie auf der Internetseite ausgesehen hatte, das Taxi brachte sie bis zur Haustüre. Noch hatten sie kein Wort miteinander geredet, abgesehen von einer kleinen, nervösen Begrüßung am Flughafen, aber ansonsten: nichts. Auch jetzt mussten sie wohl erst mal die Heizungen aufdrehen und die Bäder einweihen, aus den unbequemen Klamotten rauskommen, die sie den ganzen Flug hindurch getragen hatten, nur um sich in der Küche in exakt gleich aussehenden, moosgrünen Pullovern über den Weg zu laufen.
Dorian sah zu seinem Bruder und musste einfach lächeln.
„Auf Tante Rose ist echt Verlass, oder? Den hat sie mir vor drei Jahren gestrickt zu Weihnachten. Hast du deinen da auch bekommen? Noch nicht ein Loch, ich hab das Teil nicht immer nur mit der Hand gewaschen...“
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Judas
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BeitragThema: Re: Stay with me   Do 1 Okt 2015 - 20:50

„Das kann unmöglich dein Ernst sein!“
Seine eigene Stimme klang ihm selbst so fremd und Raphael fühlte sich, als würde er weniger direkt in die Situation involviert sein, als das ganze Szenario vielmehr von weitem beobachten – er, wie er dort am Tisch saß, fassungslos, die Augen aufgerissen und Catherine ihm gegenüber, mit einem schuldbewussten, doch zugleich auch trotzigem Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Doch, Raphael, das ist es – sieh mal, ich kann diese Chance nicht einfach ausschlagen, es tut mir ja auch leid um unseren Urlaub, aber gerade deswegen, dachte ich, dass…“ – da war er aber gespannt, was sie sich dabei gedacht hatte, doch es folgte keine Antwort und innerhalb Sekunden schlug seine anfängliche Wut nun langsam aber sicher in Panik um, da ihm das Ausmaß ihrer Entscheidung nun langsam klar wurde. Er sollte mit Dorian in den Urlaub fahren, in die Skihütte, welche er ihnen zur Hochzeit geschenkt hatte und dann auch noch ausgerechnet zum Jahrestag dieses unseligen Ereignisses.
Verstand Cathy denn nicht? Es war die Katastrophe schlechthin.
Bereits jetzt fühlte er wie sein Herz, sein immer wieder gebrochenes und nur mühsam beisammen gehaltenes Herz, allein bei dem Gedanken an eine Reise mit seinem Bruder anfing schneller zu schlagen – nein, nicht panisch, sondern freudig. Und genau das bereitete ihm diese Angst. Dorian hatte ihn nicht mehr wiedersehen wollen, nachdem er selbst ihn darum gebeten hatte ihre Beziehung oder wie auch immer man das Band zwischen ihnen nannte, zu beenden und jetzt wurde all das so einfach zunichte gemacht, ausgerechnet von der Person für die er zu opfern alles bereit gewesen war. Catherine – seine Cat, das unschuldige Opfer dieser Tragödie, welche kein Ende zu nehmen schien.
„Oh Gott“, er grub das Gesicht in die Hände, atmete aus und dann wieder ein, kopfschüttelnd und auf der verzweifelten Suche nach passenden Worten, um ihr irgendwie klar zu machen, dass es nicht ging. „Sieh mal, es liegt nicht an deiner Arbeit, es … es ist okay für mich, wenn du nicht kannst, aber die Sache mit Dorian und mir, das … das ist ein unheimlicher Fehler“, murmelte er, bemüht einen klaren Gedanken zu fassen.


Doch letztlich blieb sie stur, weigerte sich trotz zahlreicher Diskussionen weitere Reisedaten bekannt zu geben, damit Raphael nicht etwa auf die Idee käme den Termin zu canceln und begleitete ihn schließlich telefonisch beinahe auf Schritt und Tritt bis zum Flughafen um auch ja sicher zu gehen, dass er nicht in den letzten Momenten vor dem Terminal die Flucht ergriff.
Und wie gerne hätte er es getan – nicht nur wegen Dorian, wenngleich die Stille zwischen ihnen mehr als bedrückend schien, sondern auch nicht zuletzt, da sich seine Flugangst auch in den letzten Jahren kein bisschen auskuriert hatte. Noch immer bekam er Herzrasen, allein bei dem Gedanken einen Fuß in diese Maschine zu setzen und auch die Anwesenheit seines Zwillings beruhigte ihn in dieser Situation allerhöchstens soweit, dass sie im Falle eines Absturzes ja immerhin gemeinsam würden sterben können. Im Endeffekt verschlief er den stressigen Teil der Reise nur, weil man in quasi gezwungen hatte einen Haufen Beruhigungsmittel einzuwerfen – und diese wirkten, ja sie wirkten sogar so lange, dass er erst jetzt, einige Stunden nach ihrer Ankunft zu realisieren begann, dass all die Dinge um ihn herum real waren. Er selbst stand tatsächlich hier in der Küche, in einer Skihütte in der Schweiz, dick in einem grässlichen Strickpullover gepackt und seinem beinahe identisch gekleideten Bruder gegenüber.
Das kann unmöglich dein Ernst sein - war sein erster Gedanke, als die Worte an sein Ohr drangen und er reichlich skeptisch dass gelblich anmutende D auf Dorians Oberteil musterte. Er selbst trug natürlich R – R wie Raphael, ein ziemlich kindischer  Versuch Zwillinge so zu kleiden, dass man sie auseinander halten konnte. Nur waren sie keine Vierjährigen mehr, sondern erwachsenen Männer und doch schienen die Pullis merkwürdig passend, wenn man bedachte, wie wenig sich verändert hatte – hier standen sie und würden nie aufhören sich zu lieben. Ganz schön beschissen.
Und trotzdem zupfte ein winziges Lächeln vorsichtig an seinen Mundwinkeln, bis er nicht anders konnte als dem Schmunzeln nachzugeben. „Willst du tauschen Bruderherz?“, wollte er amüsiert wissen, schließlich waren ihnen Verwechslungsspielchen mehr als vertraut. Auch wenn es nach diesem Urlaub vielleicht nie wieder dazu kommen würde, doch egal … egal, er verbot es sich an die Zukunft, an dieses ungewisse danach zu denken.

„Ich werde es schon überleben“, ihre Stimme klang energisch und die Wut war deutlich zu hören, was selten vorkam, da es eindeutig nicht ihre Art war Raphael in seine Schranken zu weisen. Doch dieses Gespräch wollte sie nicht mehr führen, wollte nicht mehr hören, was er alles zu sagen hatte um ihre Pläne zu durchkreuzen – sie wollte ihn nicht länger leiden sehen und nachdem ihr klar geworden war, dass auch Dorian mit dieser Distanz zu seinem Bruder zu kämpfen hatte, war sie nicht länger umzustimmen gewesen. Nein, es war kein perfider Plan gewesen, doch nachdem ihre Geschäftsreise ausgerechnet auf den Termin des Urlaubs gefallen war, war es in ihren Augen die einzig vernünftige Entscheidung gewesen. Und während ihr Mann sie nun ansah, als würde er sich am liebsten hinter dem nächsten Sofakissen verstecken, bis alles vorbei war, ließ sie sich ebenfalls wieder auf die Couch fallen, lehnte den Kopf an seine Schulter und sah ihn eindringlich aus hellen Augen heraus an. „Raphael, ich bitte dich … tu es für dich, tu es für … für uns“, und weiche Finger umschlossen zärtlich seine Hand, ihr Blick voll bedingungsloser Liebe. Nein, er würde ihr nichts abschlagen können – umso schlimmer, dass sie sich nicht im Mindesten bewusst war, was sie mit ihrer Entscheidung anrichten würde.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 2 Okt 2015 - 13:11

Ob er tauschen wollte?
Dorians Schultern senkten sich ab, das Lächeln verblasste zu einer Maske, die er nur zu bequem war zu entfernen und er drehte sich zur Seite zu der schweizer Kaffeemaschine, die er soeben zu verstehen versucht hatte.
„Ich wollte mir grade einen Kaffee machen, aber ich komm mit dem System nicht klar... Milch aufgeschäumt hab ich schon und ich hab auch dieses Stempelding gefunden, wo der gemahlene Kaffee rein muss, aber ich check noch nicht wirklich, wo... aaaaaaah Moment mal!“
Ja, er ging mit Absicht nicht auf die Frage seines Bruders ein. Er würde seinem guten, naiven Bruder ein guter Bruder sein. Was bedeutete, dass er sich, falls irgend möglich, den Körperkontakt verbieten würde, um sich selbst nicht in Versuchung zu führen, er würde sich ihm gegenüber eher wie ein guter Vater oder so etwas ähnliches verhalten und so weiter und so fort. Er würde ihm einen Kaffee machen, mit ihm Dinge unternehmen und sie hätten dann einen schönen, familiären Urlaub. Keinen Raphael-Dorian-Urlaub. Er hatte während des Fluges wirklich genug Zeit gehabt, das zu durchdenken und zu dem Entschluss zu kommen, dass es so das Beste sein würde. Er musste sich eben zusammen reißen aber er durfte Catherine nicht schon wieder einen Mann zurück bringen, der in den ersten paar Tagen noch high vor Glück sein und dann irgendwann in eine Depression fallen würde, was alles nur noch mehr verschlimmern würde! Das ging nicht. Dann doch lieber das hier abziehen... mittlerweile war er wenigstens hinter das System der Kaffeemaschine gekommen. Das Ding war schon elegant, auch wenns seiner Meinung nach ein Automat genauso getan hätte aber seis drum, mittlerweile floss der dampfende Espresso unter Hochdruck gepresst in das kleine Kännchen, er teilte es auf zwei vorgewärmte Tassen auf und verteilte die warme und aufgeschämte Milch darüber, ehe er die zweite Tasse lächelnd seinem Bruder reichte, sich gegen die Anrichte lehnte und an seiner schnupperte. Das war jetzt genau das, was er eigentlich nicht wollte...
„Gehts dir wieder gut? Im Taxi hätten die Tabletten eigentlich nicht mehr wirken sollen und du bist trotzdem ständig eingeschlafen. Im Wohnzimmer ist ein kleiner Kamin, ich bin dafür, wir machen den an, oder? Hast du Lust, heute Abend nochmal in dieses Städtchen da runter zu laufen? Nur um uns schon mal ein bisschen umzusehen, ich war so lange nicht mehr in Europa und hier ist alles so... naja, du wirst es schon sehen.“
Lächelnd nahm er einen Schluck und verbrannte sich prompt die Zunge.
„Autsch... verdammt. Also, Raphael, wie gefällt dir das Haus?“
Hm, es war alles so merkwürdig, schräg und falsch, so gestellt einfach. Würde das mit der Zeit leichter werden? Wenn man sich mal dran gewöhnt hatte?
„Und ich finde, wir sollten diese Rollentauscherei lassen. Wir sind keine 12 mehr und hier kennt uns ohnehin kein Mensch.“
Er sollte jetzt zumindest mal stolz auf sich sein können. Das war doch jetzt alles goldrichtig gewesen, oder?
„Du solltest Catherine anrufen und bescheid sagen, dass wir gut angekommen sind, sie macht sich sicher Sorgen. Ich muss auch mal kurz telefonieren.“
Kurze Zeit später fand sich Dorian auf dem Balkon im Obergeschoss, der ans Schlafzimmer angrenzte, wieder. Mit einer qualmenden Zigarette und Bastian am Telefon, der ihn munter vollplapperte mit irgendwelchem banalen Kram, wie sehr er ihn jetzt schon vermissen würde und so weiter. Währenddessen machte er selbst sich einzig und allein Gedanken, ob er heute in der Badewanne oder auf der Couch schlafen sollte, weil in der Hütte nur eine übergroße Spielwiese stand. Oh man. Hätte er das bei der Hochzeit der beiden geahnt, hätte er ihnen was mit Gästezimmer geschenkt. Man lernte scheinbar nie aus.
Irgendwann gab Bastian zu bedenken, dass es sie grade vermutlich wegen Roaming Gebühren ein Vermögen kosten würde, einfach nur so flach über seinen Tag bei der Arbeit zu reden und das nahmen sie dann zum Anlass, sich zu verabschieden, wonach Dorian allerdings erstmal noch schön seine dritte Zigarette zuende rauchte. Er war nicht scharf drauf, da wieder rein zu gehen. Die nächsten Tage würden sie so und so schon oft genug aufeinander hocken...
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 2 Okt 2015 - 14:33

Dorians ließ sein anfängliches Schmunzeln ebenso rasch wieder verschwinden, wie seine Frage gerade eben das Lächeln seines Bruders vertrieben zu haben schien – war ihm denn nicht klar, dass es lediglich ein kleiner Spaß, basierend auf ihren früheren Gewohnheiten, gewesen war? Nun ja, Gewohnheiten war vielleicht das falsche Wort, doch angesichts dieser grausigen Strickpullover war doch ein wenig Nostalgie nicht so verkehrt, vor allem da er innerlich mehr als froh darüber war ihn endlich, nach so unglaublich langer Zeit wiedersehen zu können. Doch erfuhr er daraufhin nur die kalte Schulter und – noch viel schlimmer als das – den Versuch banale Konversation zu betreiben, der gezwungener wohl kaum sein konnte. Anscheinend hatte er sich geirrt, denn all seine Hoffnungen dieser Urlaub könne sie beide irgendwie wieder näher bringen, nicht einmal zwingend als Liebende, die sie einst waren, sondern zumindest als die Brüder die sie sein sollten, schwanden von Wort zu Wort, dass aus Dorians Mund zu hören war. In die Stadt hinunter laufen?
„Na klar, ich komme gerne mit“ – schließlich zahlte sich seine Arbeit im Theater, mit all den Schauspielern zumindest insofern aus, dass er diesen Satz halbwegs glaubwürdig zu Stande bringen konnte. Die Zweifel jedoch, ob so etwas wie Normalität, zwischen ihnen überhaupt noch möglich war oder ob es so etwas überhaupt jemals gegeben hatte, nagten weiter in seinem Innern, krallten sich in Nerven und rissen an seinem bloßen Herzen.
Trotz Kaffee schließlich überraschend still, schlich auch er irgendwann von dannen, verschanzte dich in das gemütliche Wohnzimmer und nahm sich zuerst Zeit dem Vorschlag seines Zwillings nachzukommen und den Kamin anzufeuern, ehe er sich auf dem Sofa niederließ und sein Handy aus der Tasche angelte – Catherine, natürlich, wo war sie gerade? Es war die Rede von einer großen Fortbildungsveranstaltung irgendwo in Kanada die Rede gewesen. Also gab er die passende Vorwahl in das kleine Gerät ein und wartete geduldig.
„Hallo? Ah, Cathy? Ich bin es, wir sind angekommen… ja, doch, es ist wundervoll hier!“, und auch sie erzählte ein wenig von den Leuten welche sie bereits kennen gelernt hatte, ließ die Fragen nach Dorian nicht aus und wünschte ihnen beiden schließlich viel Spaß. Das Telefonat allgemein allerdings fiel schließlich nicht zuletzt auf Grund der Kosten, relativ kurz aus und so bot auch sie nicht die Ablenkung, welche er sich erhofft hatte. Denn irgendwie musste er sich jetzt ablenken, dieses fremde Gefühl loswerden, das sich da in seinem Kopf einzunisten drohte und gezielt verhinderte, dass er die Hütte tatsächlich als so heimelig und gemütlich empfand wie sie sein soll. Doch zugleich war Raphael bewusst, dass es nicht nur an ihm liegen konnte, sondern an ihnen beiden, an der Entscheidung hierher zu kommen und an dieser schrecklichen Unsicherheit. Es gab schließlich keine Anleitung, wie man sich in einer solchen Situation am besten zu verhalten hatte – wer sollte sie schließlich auch schreiben? Wer würde schon wagen, über einen Skandal wie diesen zu schreiben? Und dann auch noch einen Ratgeber – geradezu lachhaft. Also blieb diese stumme Verzweiflung, die Sehnsucht bestehen, während er stumm nach einer Decke griff und sich darunter verkroch, mit leisen Schlucken seinen Espresso trank und dabei versuchte sich möglichst einzig und allein auf den bitteren Kaffeegeschmack zu konzentrieren. Es tat gut.
Und so traf die Frage, mit dem Dorian wohl telefoniert haben mochte, erst sehr viel verspätet ein, durchbrach all die guten Vorsätze die er bereits zu formulieren im Begriff gewesen war und traf ihn wie ein Blitzschlag: Was, wenn auch sein Bruder in der Zwischenzeit jemanden gefunden hatte?
Abwegig, idiotisch, unrealistisch, schimpfte er sich bereits aus, doch war es wirklich so unwahrscheinlich, nach all dieser Zeit? Zwar wäre es ein Wunder, aber dennoch eine Erklärung für dieses viel zu neutrale, gestellte Verhalten, für seine Distanz und das Schweigen, all das Schweigen, die Monate hindurch, welche er ihn Tag für Tag vermisst hatte. Vielleicht hatte ja einer von ihnen das Glück gehabt endlich über die Vergangenheit hinweg zu kommen und ganz vielleicht, war dieser eine ja nicht er, sondern Dorian. Und quälend langsam spürte er wie all die Kleber und Nähe rissen, die sein Herz bisher zusammen gehalten hatten.
Und schließlich hielt er das sitzen und denken nicht mehr aus, erhob sich wieder und begann auf eigene Faust das kleine Häuschen zu erkunden – er brauchte Bewegung, seine Beine, seine Augen, sein ganzer Körper musste einfach nur irgendetwas tun, sonst konnte er für nichts mehr garantieren und vermutlich direkt auf der Couch noch einen Nervenzusammenbruch erleiden. Das jedoch, konnte er seinem Bruder wohl unmöglich antun und so schlich er lieber von Zimmer zu Zimmer, warf einen Blick in den Kühlschrank, schaltete die kleine Soundanlage, welche er in einem Regal fand einmal an und wieder aus, sah sich ein wenig im Badezimmer um und probierte diverse Wasserhähne aus, ehe sein Blick auf die Dusche fiel – es schien, als strömten die Erinnerungen von allen Seiten geradezu herbei. Das Schlafzimmer, in dem er kurz darauf landete, machte es auch nicht gerade besser. Das vielversprechend riesige Bett, ursprünglich für Cat und ihn gedacht, schien ihm nun nur töricht die süßesten Geheimnisse zuzuflüstern, Dinge die in diesem Urlaub nicht passieren konnten, nicht passieren durften. Dann fiel sein Blick auf die von sanftem Wind aufgebauschten Vorhänge und er trat an die Balkontür, die, wie er bemerkte, nur angelehnt war – „Hierher hat es dich also verschlagen“, stellte er ziemlich nichtssagend fest, trat jedoch ebenfalls einen Schritt hinaus und atmete direkt den letzten Rest einer verblassenden Rauchfigur ein. Fröstelnd sah er auf.
„Hast du noch eine? Also eine Zigarette meine ich…“, fragte er vorsichtig. Normalerweise war er schließlich nicht der große Raucher, doch gerade ging es mehr um die Geste und darum, dass er sich bemühte nicht jetzt und auf die Sekunde genau vollkommen durchzudrehen. Die eine oder andere Kippe, konnte da manchmal wahre Wunder wirkten, schließlich kam es sicherlich nicht von ungefähr, dass es auch Dorian hierher hinaus gezogen hatte. Was auch immer da noch zwischen ihnen stand, würde ganz sicher nicht durch bloßes Schweigen verschwinden – das wussten sie beide. Dennoch hielten sie den Mund und betrachtenden Seite an Seite die gerade erst aus dem Winterschlaf erwachende Landschaft.
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BeitragThema: Re: Stay with me   Fr 2 Okt 2015 - 23:27

Es tat ihm weh, die Hoffnungen seines Bruders zu zerschlagen und er konnte in seinem Blick genau lesen, dass er genau das grade tat. Ebenso, dass er auf seine Abfuhr auch noch beinahe sofort einging und sich solche Mühe gab, so zu klingen, wie er es meinen sollte: ehrlich. Aber wenn er jetzt wieder nachgab, wäre die ganze Aktion im Krankenhaus damals und das lange Durchhalten sowie die Treffen mit Catherine vollkommen umsonst gewesen, er war den richtigen Weg jetzt einfach schon zu lange gegangen, als dass er jetzt so leichtfertig alles hinschmeißen könnte für ein paar Tage vollkommenes Glück mit seinem Seelenverwandten. Die Aussicht auf die Zeit, die sie dann später erwarten würde, schreckte ihn zu sehr ab. Mindestens genaus sehr, wie er Angst vor der Zeit hatte, die unmittelbar vor ihm lag. Er hatte Angst, etwas falsches zu tun, weil es so leicht passieren konnte und es ihm bereits nach wenig Zeit mit seinem Bruder einfach schwer fiel, Richtig von Falsch zu unterscheiden. Und vielleicht hatte er sich auch noch lange nachdem er aufgelegt hatte einfach auf dem Balkon versteckt, sogar die Tür beigezogen und sich bewusst neben das Fenster an die Hauswand gelehnt, damit er eine Weile Ruhe vor seinem Bruder hatte, der ihn natürlich keine zehn Minuten später schon gefunden hatte.
„Du solltest nicht rauchen.“
Trotzdem ließ er ihm das Päckchen samt Feuerzeug darin auf der Fensterbank liegen, drückte seine Zigarette aus und ging an ihm vorbei wieder ins Haus. Ihm war klar, wie das hier zwangsläufig laufen würde, wenn er da blieb: Sie standen nur nebeneinander und das allein würde dafür sorgen, dass er kurze Zeit später einknickte, anfing zu heulen wie ein kleines Mädchen, irgendeinen Scheiß redete, dann würde er ihm um den Hals fallen, ihm sagen, dass er das alles nicht konnte, gern ein besserer Bruder wäre aber es einfach nicht schaffen würde... jap und früher oder später wäre dann alles wie immer, weil Raphael ihn sicher nicht zurückweisen würde. War ja auch nicht seine Aufgabe. Er vermisste ihn ja sicher genau so und er war der Jüngere. Seit wann gab der kleine Bruder Acht auf den Großen? Oder gab ihm Kontra? Das war einfach nicht seine Art, er erwartete es nicht von ihm und er müsste es auch nicht machen.
Scheiße, wie sollte er nur die ganze Zeit mit ihm in diesem Haus hier verbringen?! Sie lebten hier auf viel zu engem Raum und viel zu... privat. Sie konnten hier Gott weiß was anstellen und kein Schwein würde etwas mitkriegen!
„Ich hab ziemlich großen Hunger.“, rief er deswegen in Richtung Balkon, schmiss seinen Koffer auf einen Stuhl neben dem Schrank und begann, ihn auszuräumen.
„Was hältst du von Essengehen?“
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 4 Okt 2015 - 13:40

Oh doch, doch er sollte rauchen. Am besten so viel, dass seine Lungen daran eingehen würden und ihm selbst jegliche Lebensentscheidungen schließlich ganz von selbst abgenommen werden würden. Und tatsächlich, war es nicht das erste Mal, dass ihn dieser Todeswunsch überkam – nicht sehr intensiv, nicht ausreichend um Grund für irgendwelche Dummheiten zu werden, doch gerade in den letzten Monaten waren Gedanken wie diese beinahe schon so etwas wie altvertraute Freunde geworden. Und so stand er nun hier, beobachtete wie Rauchwölkchen gen Himmel stiegen, ehe sie verblassten und versuchte sich selbst vor der Realität zu bewahren, vor dieser Nähe zu Dorian. Denn natürlich war ihm bewusst, dass sie sich nicht zu nahe kommen sollten, doch was nützte ihm das Bewusstsein, wenn die Sehnsucht so ziemlich alles in ihm so heftig überwog?
Es würde nicht mehr lange dauern und die Vernunft wäre ihm mehr als egal. Nett von seinem Bruder, dass er zumindest versuchte gute Miene zu bösem Spiel zu machen, aber er würde es nicht eine Stunde länger aushalten – ganz oder gar nicht, so war es von jeher gewesen und wie er hatte feststellen dürfen, hatte sich daran auch nicht sehr viel geändert.
Als er lautlos wieder ins Zimmer trat, war Dorian gerade damit zu Gange seine Kleider einzuräumen und die Zeit reichte gerade noch ihn einige Sekunden in Ruhe bei dieser Tätigkeit beobachten und sich an der schlichten Freude dieser beinahe alltäglichen Situation erfreuen zu können, bevor die nächste Frage ihn bereits wieder eiskalt erwischte. Anscheinend hatte sein Bruder gar nicht bemerkt, dass er wieder ins Zimmer getreten war.
„Hunger?“, - natürlich hatte er Hunger, sie hatten schließlich seit dem Flug nichts mehr gegessen und auch unterwegs hatte sein Zwilling höchstens ein paar Sandwichtes bekommen, während er selbst jegliche Verpflegungsversuche gekonnt verschlafen hatte. Doch noch hatte sich sein Magen nicht gemeldet und allein die Vorstellung: Sie beide in der Stadt, in einem goldigen kleinen Lokal, in einer lauschigen Ecke…
„Nein, nein danke, ich glaube nicht“, antwortete er und schüttelte sachte den Kopf, „Du kannst gerne gehen, ich hab nur gerade absolut keinen Appetit und würde dir den Spaß wohl nur verderben. Ansonsten kann ich nachher auch was kochen wenn du magst…“, unschlüssig stand er im Raum, zupfte ein wenig am Saum seines Strichpullovers herum und senkte den Blick schließlich zu Boden, wobei er bereits einige vorsichtige Schritte in Richtung der Zimmertür – ein schüchterner Versuch der Situation zu entkommen, aber nichts desto trotz ein Fluchtversuch.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 4 Okt 2015 - 18:10

Wie konnte er im Moment denn nur keinen Hunger haben, sie waren den ganze Tag unterwegs gewesen, über Flughäfen gehastet und es war ein wahnsinns Trip überhaupt erst bis nach Europa gewesen, er konnte unmöglich so viel gefrühstückt haben, dass er grade nicht für ein nettes Restaurant zu begeistern war? Wurde er krank..? Das konnte natürlich auch sein. Oder es waren die Nachwirkungen von dem Beruhigungsmittel, er musste sich unbedingt nochmal den beigelegten Zettel mit den Nebenwirkungen ansehen.
„Du würdest mir doch nicht den...“
Von welchem Spaß war hier denn überhaupt die Rede?! Als ich mich zu ihm umdrehte, war er bereits im Begriff, das Zimmer zu verlassen.
„Das mit dem Kochen klingt gut aber wir haben doch nichts im Haus und es ist Sonntag, also... Raphael, bleib bitte mal im Raum wenn ich mit dir rede!“
Ein kurzes Seufzen und der Koffer wurde zugeschmissen und auf dem Stuhl zurück gelassen während er seinem Bruder nach ging und ihm den Weg versperrte.
„Ich will ehrlich mit dir sein: ich hatte keine Ahnung, ob ich das hier mitmachen sollte oder nicht und ich bin mir auch bis jetzt noch nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war oder nicht aber deine Frau meinte, die Tickets wären schon gebucht und sie hätte das Geld nicht zurück bekommen können und... naja, wir sind jetzt hier. Ich hab versucht, dem ganzen aus dem Weg zu gehen, weil ich eine riesige Angst davor habe, dass es wieder komisch wird und das ganze Theater wieder von vorne beginnt, weil ich nicht denke, dass du und ich es nochmal aushalten, wie es sein wird, wenn wir zurück kommen wenn dieser Urlaub hier mal vorbei ist. Ich... ich will nicht gemein oder abweisend zu dir sein, Raphael, du bist mein Bruder und ich liebe dich nach wie vor bedingungslos, das weißt du ja auch, aber nicht zuletzt auch deswegen dürfen wirs nicht wieder so weit kommen lassen. Ich ertrags nicht nochmal, verstehst du mich?“
Ein bitterer Ausdruck hatte sich seiner eben noch so ausdruckslosen Miene beigemischt.
„Wir haben schon mal versucht, es zu trennen und parallel zu dem ganzen Rest zusammen zu sein. Aber du musst an Catherine denken, ehrlich, wir können das ihr gegenüber nicht bringen, das verdient sie nicht. Sie liebt dich, verstehst du? Und das, was mir da nach diesem Abendessen damals beinahe passiert wäre, das... das würde einfach alles kaputt machen! Wenn sie es je herausfinden würde... ich meine: wie würdest du dich fühlen. Wir sind Brüder, Raphael! Wie würde sich das für dich anfühlen, versuch mal, dich in ihre Lage zu versetzen.“
Sein Blick senkte sich nun ebenfalls, er gab die Tür wieder frei und schlurfte zum Bett rüber, auf das er sich sinken ließ und das Gesicht in die Hände legte.
„Ach verdammt... ich hab so Angst, etwas falsch zu machen, irgendeine Kleinigkeit und dann ruiniere ich das Leben von meinem Bruder und meiner Schwägerin. Raphael, du bist alles, was ich habe, ich liebe dich so sehr und ich brauch dich auch, wieso muss alles so kompliziert sein? Ich will nur, dass du glücklich bist... Ich war in dem Krankenhaus so... ungerecht und gemein zu mir, wieso kannst du mich nicht einfach hassen und vergessen und... scheiße... ich hab gewusst, ich kriegs nicht hin. Ich geh duschen, danach gehen wir essen, ok? Tu mir den Gefallen, ich bitte dich.“
Mit den Worten stand er auf und ging an seinem Bruder vorbei ins Bad, dass er vorsorglich abschloss, obwohl er normalerweise nicht der Typ war, der etwas anderes als die Haustüre verschloss.
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BeitragThema: Re: Stay with me   So 4 Okt 2015 - 20:39

Da war er wieder, der alte Dorian, der Bruder, welcher alles für ihn tun und opfern würde – und er, der er all das weder annehmen noch würdigen wollte. Denn während sein Zwilling die Sache mit der Vernunft mittlerweile bis zur Perfektion beherrschte, die richtigen Worte fand seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und ihm bewusst machte, dass sein tiefstes, innerstes Begehren nichts anderes als falsch war, konnte er sich dieser Haltung einfach nicht anschließen – denn egal, wie sie es auch drehen und wenden würden: Es würde niemals vollkommen glücklich werden, nicht in diesem Leben. Dem jedoch ein Ende zu setzen, kam wie bereits erwähnt allerdings nicht in Frage, zu sehr klammerte er sich an das winzige, verdorrte und bereits mehrmals dem Erdboden gleich getrampelte Pflänzchen der Hoffnung und wer würde ihm das in dieser Situation schon verübeln?
Er liebte zwei Menschen auf dieser Welt, die er niemals würde verlassen können – den einen weil er ihn brauchte und die Blutsverwandtschaft sie aneinander band, den anderen, weil sie ihn brauchte, liebte und er sie niemals würde verletzen können. Und alles was ihm in diesem Leben schließlich noch blieb, war das Beste daraus zu machen – nein, es brauchte keine zwei Stunden mit seinem Bruder und Raphael Maynard war bereit all die guten Vorsätze und Versprechen über den Haufen zu werfen. Und ja, in diesem Moment hasste er Dorian tatsächlich, dafür dass dieser ihn nicht gewähren ließ und sich so sehr an diese blödsinnigen Prinzipien klammerte – als wäre ihm tatsächlich klar, wie falsch ihr Handeln doch war.
Als er dann auch das Badezimmer abschloss – man hörte den Riegel leise klackern – war es um die Beherrschung des Jüngeren beinahe geschehen, zum einen verletzte es ihn, wie wenig sein Zwillingsbruder ihm anscheinend vertraute und zum anderen fühlte er sich einfach nur unglaublich zurück gewiesen. Wie ein kleines Kind, bemüht den Eltern zu gefallen, während es doch immer wieder versagte. Und auf die Scham folgte Wut – auf Dorian ebenso wie sich selbst. Am liebsten hätte er irgendetwas getreten, die schöne Tagesdecke, welche da verräterisch auf dem verlockenden Bett lag zerfetzt oder die Wände mit Flüchen beschmiert, und für was?
Ein einziger Hilfeschrei nach Nähe, mehr nicht, eine Nacht neben seinem Bruder, unschuldig, einfach nur bei ihm sein können … doch es war lachhaft, selbst das konnte er sich nicht mehr vormachen. Er wollte mehr als einfach nur sein Bruder sein und die Tatsache, dass er diesem Gehabe einfach nicht glauben konnte und wollte, sondern ganz genau wusste, dass sie beide nach wie vor dasselbe fühlten und sich dennoch so unglaublich fern waren, weckte in ihm den Wunsch vor Frust einfach nur noch laut zu schreien. Es konnte nicht mehr schlimmer werden – das hier war alles, was er sich jemals hätte erträumen können, der schönste Urlaub seines Lebens so greifbar und doch niemals zu erreichen. Als würde er versuchen eine Hand voll Nebel festzuhalten.
Die Tür zuschlagend verließ er schließlich das Zimmer, nur um unstet durch das Haus zu wandern, nicht sicher, was er nun tun sollte, bis es ihn schließlich wieder ins Wohnzimmer verschlug und er sich auf der Couch hinter Decken und Kissen versuchte vor der Wahrheit zu verstecken. Nein, er würde nicht länger mitspielen,  er hatte lange genug versucht das Richtige zu tun und nun war Schluss – kein Essen mit Dorian, nicht heute und auch nicht an einem anderen Abend der Woche. Sie konnten schließlich ebenso gut Pizza bestellen – jeder für sich natürlich – sich in getrennte Räume verschanzen und versuchen sich so gut es ging aus dem Weg zu gehen und fertig, Problem gelöst.
Denn er hatte entschieden: Ganz oder gar nicht. Und wenn nötig, würde er eben aufgeben…
Sie würden früh genug merken, was sie davon hatten, doch jetzt gerade hatten sie Frieden und das war alles, was für ihn noch zählte.
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Stay with me
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